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GRAZ Orangerie: IL COMBATTIMENTO DI TANCREDI E CLORINDA

Xianghui Zeng und Challyce Brogdan (Mitte), beide Tanz und Birgit Stöckler (Clorinde)

Xianghui Zeng und Challyce Brogdan (Mitte), beide Tanz und Birgit Stöckler (Clorinde)

GRAZ Orangerie im Pfauengarten:
Claudio Monteverdi IL COMBATTIMENTO DI TANCREDI E CLORINDA.

Premiere 11.3.2017

 

Quer durch den dunklen Burghof vorbei am Grazer Stadtkern – ja tatsächlich, man geht bei einer Skulptur eines übergroßen Pfirsichkerns vorbei – muss man gehen um dann in den noch dunkleren Pfauengarten zu gelangen, wo dann schon die hell erleuchtete Orangerie auf einer leichten Anhöhe einem einladend den Weg weist. Hier an diesem heimlichen Ort mitten in der Grazer Innenstadt findet die Aufführung aus der Reihe Kurzgenuss der Oper Graz in Kooperation mit der Grazer Kunstuniversität statt.

 In deren Mittelpunkt steht das Madrigal Il Combattimento di Tancredi e Clorinda von Claudio Monteverdi nach einem Text von Torquato Tasso aus dem Epos La Gerusalemme liberata steht. Erweitert wurde diese kurze Szene durch einige tänzerische Musikstücke von Salomone Rossi sowie zwei weitere Madrigale von Monteverdi (Donna nel mio ritorni und Ecco mormorar l’onde), da sonst die Aufführungsdauer die Zwanzigminutenmarke wohl nicht überschritten hätte. Auch dramaturgisch erfährt das Stück eine Aufwertung durch die Einführung einer Vorgeschichte, welche elaboriert, wie sich die Liebenden Tancredi und Clorinda gegenseitig die Köpfe verdrehen.

Voller Sonnenschein ist der Inhalt des Madrigals und so richtungsweisend für die zahllosen Happyendings des zu dieser Zeit entstehenden Genres der tragischen Oper: Der Kreuzfahrer Tancredi tötet im Kampf seine Geliebte, die sarazenische Kriegerin Clorinda, welche er in ihrer Rüstung nicht erkennen konnte.

Birgit Stöckler und Mario Lerchenberger

Birgit Stöckler und Mario Lerchenberger

Dargestellt wird das Liebespaar einerseits von den Sängern Birgit Stöckler und Mario Lerchenberger, beide noch Studenten an der Kunstuniversität in Graz. Glücklicherweise hat man sich für das Hinzufügen zweier weiterer Madrigale entschieden, von denen je eines Stöckler und eines Lerchenberger darbot, denn sonst hätte man nicht besonders viel von den beiden genießen dürfen. In Il Combattimento… liegt der Hauptpart beim Erzähler, die zwei Hauptrollen werfen nur hin und wieder eine Phrase ein. Stöckler hat ihre Sache sehr gut gemacht: sie hat wunderschön gesungen, ihre Stimme ist weich, hell und glockenrein, da lässt sich schon ein großes Potential erkennen. Man darf gespannt sein, wie sie und ihre Stimme sich weiterentwickeln. Die Rolle der noblen und starken Kriegerin steht ihr zudem auch ausgezeichnet. Lerchenbergers recht heller Tenor passt von der Stimmfarbe gesehen bestens zu Stöckler. Stimmlich fügt er sich nahtlos in die Musik des Barock ein. Außerdem schafft er es, das Publikum in den Moment, in welchem Tancredi bemerkt, was er getan hat, mitzunehmen und so lässt er einem das Blut in den Adern stocken.

 Martin Fournier aus dem Ensemble der Oper Graz führt als Erzähler durch den Abend. Er scheint genau verinnerlicht zu haben, wie man im Stile des Barocks zu singen hat und es war wirklich eine Freude, ihm zu lauschen. Auch an Emotionen fehlte es in seiner Darbietung nicht.Ebenso stellten die Tänzer Challyce Brogdon und Xianghui Zeng das Liebespaar Tancredi und Clorinda dar. In der Inszenierung und Choreographie Brogdons stellen die Tänzer mal das Innenleben der Liebenden dar – so während des längeren Instrumentalteils am Anfang – und übernehmen einen großen Part in der Kampfszene. So kommt richtig viel Schwung in diese explosive Szene und der tödliche Kampf wird zum Leben erweckt. Brogdon und Zeng tanzen ohne Rücksicht auf Verluste, geben alles und fügen dem Stück eine neue, dynamische Ebene hinzu.

Das Bühnenbild ist sehr minimalistisch gehalten, ins Auge fallen bloß die ungewöhnlich geformten Notenpulte, ansonsten arbeitet man mit leerem Raum. Schön ist, dass der gesamte Saal, der ein längliches Rechteck ist, ausgenutzt wird: Das kleine Ensemble unter der Leitung von Susanne Scholz musste an drei verschiedenen Positionen spielen und während des Spielens von einer zur nächsten „umziehen“. Das Ensemble gamma.ut entspringt dem Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis an der Kunstuniversität Graz und besteht aus Studenten. Daher kann man das eine oder andere Auge zudrücken, wenn mal ein Ton nicht ganz sauber ist, zumal auf Barockinstrumenten gespielt wurde. Alles in allem hat das Ensemble aber eine solide Leistung erbracht.

Bei den Kostümen von Elke Steffen-Kühnl denkt man als erstes an steirische Trachten, auf den zweiten Blick erkennt man aber auch barocke Einflüsse. Auch das Ensemble wurde passend zu den Darstellern eingekleidet und dies ergab dann ein stimmiges Gesamtbild.

Fazit: Ein junges, spritziges Konzept ist der Kurzgenuss und wirkt auf eine Imageerneuerung hin. Sicher kann man so gezielt auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Die Aufführung in der Orangerie hat zu einem besonderen Flair beigetragen und es ist aufregend, so nah am Spiel dran zu sein, manchmal muss man im Publikum die Beine einziehen, damit die Sänger vorbeigehen können.

Also: Eine Reise nach Graz macht Spaß – es ist Frühling, genießen Sie tagsüber die schöne Stadt mit frisch sprießendem Grün und am Abend dann ab in die Orangerie zu dieser zauberhaften Aufführung von Il Combattimento di Tancredi e Clorinda. Möglichkeit gibt es nur noch am 14., 15. und 16. März, seien Sie spontan und kommen Sie!

Konstanze Kaas
MerkerOnline
Fotos: Werner Kmetitsch

 

 

 

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