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GRAZ Dom im Berg: AMAHL UND DIE NÄCHTLICHEN BESUCHER von Giancarlo Menotti

Foto: Johannes Gellner

Ensemble   Foto: Johannes Gellner

GRAZ Dom im Berg:
AMAHL UND DIE NÄCHTLICHEN BESUCHER von Gian Carlo Menotti.

Premiere 10.12.2017


Alleine schon durch den Weg, den man in die Tiefen des Schlossbergs zum Veranstaltungsort Dom im Berg nehmen muss, kommt man schon in die richtige Stimmung. Man lässt die Hektik des vorweihnachtlichen Graz hinter sich, mit jedem Schritt hinein in den Berg wird es stiller und stiller: Genau perfekt, da Amahl und die nächtlichen Besucher von Gian Carlo Menotti eine besinnliche Weihnachtsgeschichte ist.

Auch in dieser Saison bietet die Oper Graz in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz die Reihe Kurzgenuss an, welche Kurzopern an ungewöhnlichen Spielorten präsentiert – letzte Saison wurden so u.a. die Murinsel und das Hotel Wiesler kurzerhand in Opernbühnen verwandelt.

Das kurzweilige Werk, welches 1951 in New York uraufgeführt und im Fernsehsender NBC übertragen wurde, komponierte der Italiener Menotti. Für eine lange Zeit hindurch wurde die Kurzoper, die vom Hirtenjungen Amahl und seiner Mutter, die von den Heiligen Drei Königen besucht werden, handelt, stets zu Weihnachten im amerikanischen Fernsehen gezeigt. Musikalisch ist das Stück sehr gefällig mit seinen sangbaren Melodien, welche leicht ins Ohr gehen und seiner Stilistik, die jener der Filmmusik sehr nahe steht.

Das klein besetzte Orchester unter der Leitung des jungen Dirigenten Marcus Merkel bestand komplett aus Studentinnen und Studenten der Grazer Kunstuniversität, was dieser Produktion eine jugendliche Leichtigkeit und viel Elan verlieh. Leider war es nicht ganz optimal, wie mit den akustischen Gegebenheiten des Raumes umgegangen wurde: Das Orchester ist von einigen Plätzen aus betrachtet recht weit weg und man bekommt durch die Mikrophonverstärkung der Stimmen einen verzerrten Klangeindruck. Aber das wird wohl eher eingefleischten Operngehern auffallen.

Die Sängerinnen und Sänger stammten teilweise von der Kunstuniversität und teilweise aus dem Ensemble des Opernstudios der Oper Graz.

Lalit Worathepnitinan, die letztes Jahr bei Menottis Kurzoper „Das Telephon“ auf der Murinsel ihre Diplomprüfung ablegte, stellte den Hirtenjungen Amahl auf bezaubernde Art und Weise dar. Ihre helle Stimme schallte froh und energiegeladen durch den Raum und sie verkörperte glaubhaft ein fantasievolles Kind.

Irina Peros als Mutter erfreute mit einer warmen Stimme und Ausstrahlung. Besonders berührt sie in der Szene, in der sie das Gold zu stehlen versucht.

Die Heiligen Drei Könige wurden von Martin Simonovski, Albert Memeti und David McShane gespielt. Sie harmonierten sichtlich miteinander auf der Bühne und sorgten mit ihren witzigen Interpretationen für viele Lacher im Publikum. Daniel Alejandro Cobos Ortiz als Page vervollständigte die Reisegemeinschaft.

Der Chor der Hirten unter der Leitung von Dovile Siupenyte, Anna Park und Bernhard Schneider war ebenso wie das Orchester aus Studenten der Kunstuniversität zusammengestellt.

Foto: Johannes Gellner

Lalit Worathepnitinan    Foto: Johannes Gellner

Für die Inszenierung war Annette Wolf und für Bühne und Kostüm Theresa Steiner verantwortlich. Regie und Bühne zeichneten sich durch Einfachheit aus und ließen der Geschichte genügend Raum zur Entfaltung. Besonders witzig war der gemeinsame Umhang, den sich die drei Könige teilten, dies führte zu zahlreichen komischen Momenten.

Diese Produktion ist absolut empfehlenswert und definitiv auch für jüngere Kinder geeignet. Genau das Richtige um die Entwicklung einer Opernsucht zu gewährleisten!

Konstanze Kaas
OnlineMERKER

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