Der Neue Merker

Gordon Getty‘s Gruseloper „USHER HOUSE“

 

usher_house6  Gordon Getty‘s Gruseloper „USHER HOUSE“ in einer spannenden SACD Produktion mit dem kanadische Bariton Etienne Dupuis als Roderick UsherPENTATONE/SA-CD 

“From that chamber, and from that mansion, I fled aghast. I saw the mighty walls rushing asunder, and the deep and dark tarn at may feet closing sullenly and lineally over the fragments of the House of Usher” E. A. Poe

Die in der stilistischen Nachfolge eines Benjamin Britten komponierte Oper basiert auf Edgar Allen Poes Novelle „The Fall of the House of Usher“. Es ist die unheimliche Geschichte des Unterganges des Hauses von Usher. Poe (Christian Elsner) erhält von seinem Jugendfreund einen eindringlichen Brief und besucht ihn daraufhin auf dessen Anwesen. Dort trifft er auf den eigenartigen Hausherrn Roderick Usher (Etienne Dupuis), der mit seiner Zwillingschwester Lady Madeline (Lisa Delan) im Usher House wohnt. Roderick bittet seinen Besucher, ihm Gesellschaft zu leisten. Als Rodericks Zwillingsschwester angeblich stirbt, wird sie im Keller begraben. Einige Nächte darauf nimmt das Grauen seinen Lauf. Roderick gesteht, seine Zwillingsschwester lebendig begraben zu haben. Aber Lady Madeline plötzlich blutüberströmt vor den beiden und stürzt sich sterbend auf ihren Bruder. Roderick bricht unter Schock zusammen und stirbt ebenfalls. Panisch flieht der Ich-Erzähler aus dem Haus – und das Haus Usher bricht auseinander und versinkt in dem Morast, auf dem es stand.

So weit so effektvoll. Gordon Getty macht daraus aber kein vordergründig “filmmusikalisches” Stück, sondern konzentriert sich auf den Gehalt der Worte des vom Komponisten selbst eingerichteten Librettos. Der Gesang legt sich überwiegend rezitativisch und psalmodierend über einen instrumental farbig spannenden Orchesterpart. Das Orquestra Gulbenkian unter dem Dirigenten Lawrence Foster setzen die kammermusikalisch tonale Partitur prächtig um. Die spezifischen Farben der einzelnen Instrumente kommen perfekt zur Geltung und erweitern raffiniert das Ausdrucksspektrum der Stimmen. Endlich eine zeitgenössische Oper, die poetisch, musikdramatisch stringent, klanglich abwechslungsreich und kurzweilig ist. Der vokale Part ist überaus sanglich, in seinen impressionistisch inspirierten Teilen kann man Anklänge an Debussy Pelleas und Melksande erkennen.  Stets merkt man des Komponisten Liebe zur menschlichen Stimme und ihren Möglichkeiten. Die Besetzung ist optimal und wartet in der Titelrolle des Roderick Usher mit dem jungen kanadischen Bariton Etienne Dupuis auf, der an der Deutschen Oper Berlin zur Zeit als Eugen Onegin brilliert und kürzlich ebenda einen kaum zu toppenden Posa gesungen hat. Edgar Allan Poe wird vom deutschen Tenor Christian Elsner mit der nötigen britischen Note hervorragend interpretiert. In den übrigen Rollen ergänzen Phillip Ens als Doctor Primus, Lisa Delan als Madeline Usher und in einer Sprechrolle der renommierte Filmschauspieler Benedict Cumberbatch.

Komponiert wurde die Gruselgeschichte von Gordon Getty, Sohn des berühmten Ölbarons J. Paul Getty Sr. Neben seinen geschäftlichen Aktivitäten ist Getty auch erfolgreicher Komponist. Usher House ist seine zweite Oper nach Plump Jack. Gordon Gettys dritte Oper The Canterville Ghost (Aufführung in Leipzig im Mai 2015 gemeinsam mit Leoncavallos Pagliacci)  bildet das lichte Gegenstück in dieser Art von “übernatürlichen” Stücken des Komponisten. Die neue SA-CD ist auch klanglich das reinste Vergnügen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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