Der Neue Merker

GOLDA SCHULTZ – am 18.04.2016 zu Gast beim IBS – den Münchner Opernfreunden

GOLDA SCHULTZ – Singen ist wie Golfspielen

Golda Schultz - IBS-Jost Voges

 Golda Schultz am 18.04.2016 zu Gast beim IBS – den Münchner Opernfreunden

Am ursprünglichen Termin war sie erkrankt, jetzt ist sie unglaublich lebendig, charmant und quirlig präsent und begeistert das Publikum mit Temperament und komödiantischem Talent. Jost Voges begrüßt die Südafrikanerin Golda Schultz als „tolle Sängerin aus einem tollen Land“.

Gisela Schmöger als Interviewpartnerin lässt die letzten Rollen gleich Revue passieren: Fünfte Magd in Elektra und als Debut die Liù in Turandot. Wie hat das Sängerinnenleben von Golda Schultz begonnen?

Die Sopranistin mit dem ansteckend erfrischenden Lachen erzählt in hervorragendem Deutsch, dass ihre Gesangskarriere zufällig begann. Die Familie ist bis auf Großvater und Mutter unmusikalisch. Ihr Vater, ein Mathematikprofessor, singt zwar gerne und laut, trifft aber keinen Ton, was in der Kirche oft zu peinlichen Situationen führt. Ihre Mutter hat allerdings eine schöne Stimme und singt im Chor. Ihre Chorleiterin war dann Gesangslehrerin von Golda Schultz und sehr prägend.

Als Kleinkind versuchte sie, dem Klavier der Tante Töne zu entlocken. Danach bekam sie Musikunterricht, zuerst Geige, der ihre große Liebe gehört, dann Blockflöte und Klavier. Gesangsstunden kamen viel später dazu. Ursprünglich studierte sie Journalismus, ihr Vater wünschte sich ein solides Handwerk für sie. Aber die Musik bahnte sich ihren Weg, und Golda Schultz absolvierte das Konservatorium in Kapstadt. Hörte alle Platten von allen Sängerinnen, die sie bekommen konnte und fand Maria Callas in Norma einfach „heilig“! Sie fragt sich, wie jemand es schaffen kann, das Publikum mit seiner Stimme so im Innersten zu berühren. Dies und ihre zentrale Frage, was den Charakter der jeweiligen Figur prägt, stehen an vorderster Stelle bei der Erarbeitung einer neuen Rolle. Erst wenn sie auf das „Warum“ eine Antwort gefunden hat, kann sie die Stimmung einfangen und mit dem Notenstudium beginnen.

Nächste Station war die Juilliard School in New York. Im Rahmen der Ausbildung heißt es, Erfahrung außer Haus zu sammeln. Pantomimisch unnachahmlich erzählt Golda Schultz vom Weg nach München. Eines Morgens wurde ihr angekündigt, dass der Leiter des Münchner Opernstudios in einigen Stunden käme. Schaffst Du das in der Zeit zum Vorsingen? „Jaaa, klar, das schaffe ich!“ Nach Hause, schönes „Vorsing-Kleid“ anziehen, Pianisten finden, zur Met rasen, pfff! Sie trägt ihre „Good luck-Arie“ „Chi il bel sogno di Doretta“ aus Puccinis La Rondine vor, die muss es sein bei jedem Vorsingen, dann wird alles gut! Und das wurde es, denn einen Monat später kam die Einladung nach München. Sie singt vor Bachler, was „ein anstrengender Moment im Leben ist“ und gehörte ab 2011 zwei Jahre dem Opernstudio des Nationaltheaters an. Sie schwärmt von der großartigen Ausbildung als einer echten Talentschmiede. Man lernt wunderbare Sänger kennen, hat das ganze Spektrum von Rossini bis Mussorgsky, erhält Praxis. Und eine Aussage ihres Kollegen Luca Pisaroni hat sie verinnerlicht: „Singen auf der Bühne ist wie Golf spielen: alle sind auf der gleichen Bühne, aber jeder spielt sein eigenes Spiel. Spiel Dein Spiel, Golda“.

Dann erzählt sie von ihrem anfänglichen schrecklichen Lampenfieber. Im ersten halben Jahr ist sie regelmäßig beim letzten Ton vor Nervosität ohnmächtig geworden. Ihr Humor und ihr Lachen haben ihr sozusagen therapeutisch darüber weggeholfen.

Nach dem Opernstudio ging Golda Schultz für ein Jahr als Ensemblemitglied nach Klagenfurt, wo sie große Erfolge feierte und auch ihr „Kärtnerisch“ verbessert hat. Zurück nach München kam sie dann nicht mehr als „Junior“, sondern als ebenbürtige Kollegin und ist seit 2014/15 Mitglied des Ensembles.

Auf die vielgerühmte Sophie (Rosenkavalier) in Salzburg angesprochen, erklärt Golda Schultz, dass sie zu dieser Stadt eine ganz besondere Beziehung hat. Es war ein Kindertraum, nur im Publikum zu sitzen, in der Stadt, in der alle Weltstars und das internationale Publikum ein und aus gehen: „Die ganze Welt in einer so kleinen Stadt!“ Dann stand sie selbst auf der Bühne, im Haus von Karajan und sagt, sie war so überwältigt, dass es dafür keine Worte gibt.

Mittlerweile hat sie auch gelernt, sich zu beschränken. Zu Beginn der Karriere will man nicht NEIN sagen, jetzt muss es sein. Sie hat ein schönes deutsches Wort gelernt, das wichtig ist in ihrem Beruf: JEIN. Jedoch bei aller Auslastung, die Anfrage aus Salzburg hat sie natürlich nicht abschlägig beschieden – zu Salzburg sagt man nie NEIN!! Ob dies auch für ihren zweiten Berufswunsch „Autorennen fahren“ gilt?

Anne-Marie Bahle

 

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des IBS – Foto:  IBS/Jost Voges)

 

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