Giuseppe Verdi: AIDA – Teatro Regio Torino, Oktober 2015, UNITEL Blu-ray. Nicht exemplarische Dutzendaufführung

by ac | 25. November 2016 13:45

Giuseppe Verdi: AIDA – Teatro Regio Torino, Oktober 2015, UNITEL Blu-ray

Nicht exemplarische Dutzendaufführung

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Jüngst hatte ich in der CD-Kolumne anlässlich der Veröffentlichung eines italienischen Mitschnitts einer Opernrarität von Giovanni Paisiello die grundlegende Frage nach der künstlerischen Rechtfertigung der Veröffentlichung von (Opern)Aufführungen gestellt. Ein ganz wesentlicher Faktor dabei muss doch der Ausnahmecharakter bzw. eine exemplarische Gesamtleistung (Regie, Bühnenbild, Besetzung) sein. Und das gilt besonders bei sehr häufig aufgeführten Opern wie beispielsweise der Aida Giuseppe Verdis.

Der vorliegende Mitschnitt aus Turin in einem historisierenden Ägypten-Pappmaschee-Ambiente (Bühnenbild und Kostüme Carlo Diappi) bietet auch sängerdarstellerisch nur biedere Rampentheater-Hausmannkost. Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass man so einen Abend live bei entsprechender Laune durchaus genießen kann, als Zeugnis einer wie auch immer gearteten Exemplarität ist die Aufführung untauglich. Dies nicht nur im Vergleich zum herausragenden akustischen Erbe dieser Oper auf Tonträgern. Auch im Wettbewerb mit filmischen Aida-Konkurrenzprodukten aus jüngerer Zeit zeigt sich, dass etwa die einzige wirkliche Stimme von Weltformat der Aufführung, Anita Rachvelishvili als Amneris, in einer besseren Konstellation schon auf DVD vertreten ist (mit Carlo Colombara, Fabio Sartori, Matti Salminen, Chiara Isotton, La Scala Choir, La Scala Orchestra, Zubin Mehta 2015). Vom tapferen, aber ungeschliffen singenden Marco Berti als Radames gibt es sogar schon zwei Aida-Videodokumente (mit Andrea Ulbrich, Ambrogio Maestri, Roberto Tagliavini, Arena di Verona, Daniel Oren, 2012 und aus Brüssel immerhin in einer Robert Wilson Produktion aus dem Jahr 2007).

Kristin Lewis, die auch bei Domingos Fussballstadien-Aida mit von der Partie sein wird, singt eine in der Mittellage funktionierende Aida, in der Höhe klingt die Stimme dünn, intonationsunsicher und bisweilen scharf. Die beiden Bässe, Giacomo Prestia als Ramfis und In-Sung Sim als König verfügen über sonore, sehr ansprechende Stimmen, die beiden Rollen sind aber für den Gesamterfolg einer Aida-Aufführung nicht ausschlaggebend. Marc S. Doss als Amonasro ist rollendeckend. Allenfalls kann anhand dieser Produktion noch nachvollzogen werden, dass das Turiner Opernhaus über ein erstklassiges Orchester verfügt, dessen Qualitäten von Dirigenten Gianandrea Noseda allerdings nicht wirklich bis zum Letzten gefordert werden. Der Chor kommt über ein vibratoreiches Mittelmaß nicht hinaus.

Die filmische Umsetzung der ohnedies statischen Aufführung ist schablonenhaft langweilig. Ich frage mich, für welche Zielgruppe diese neue Aida-Videoproduktion (von denen es ohnedies schon über zwei Dutzend bessere und auch einige wenige schlechtere am Markt gibt) gedacht ist? Keine Empfehlung.

Dr. Ingobert Waltenberger

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