Der Neue Merker

GIRLS‘ NIGHT OUT

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Filmstart: 30. Juni 2017
GIRLS‘ NIGHT OUT
Rough Night  /  USA  /  2017
Regie: Lucia Aniello
Mit: Scarlett Johansson, Jillian Bell, Zoë Kravitz, Ilana Glazer, Kate McKinnon. Demi Moore u.a.

Zu College-Zeiten, die im Prolog beschworen werden, waren sie ein Mädel-Quartett: Die WASP (sprich: weiß und offenbar bürgerlicher gesellschaftlicher Hintergrund) gewissermaßen als Anführerin (hat sie deshalb immer wieder ein schlechtes Gewissen wegen allem?). Die Dicke als die übliche Schrille, die alle nervt. Die bildschöne Afroafrikanerin. Und die chaotische Latina. Amerika lebt Multikulti schon länger als wir. Und ist auch im Kino gewissenhaft mit den Mischungen.

Die Mädels-Filme, die auf der Leinwand längst überhand nehmen, haben hier äußerst unausgegoren-turbulenten  Zuwachs bekommen. Im erwähnten Prolog besaufen sie sich alle im College und schwören einander, immer beste Freundinnen zu bleiben. Zehn Jahre danach soll im Miami die klassische „Jungesellinnen-Party“ steigen (mit deren männlichen Versionen Hollywood schon so viel Geld eingespielt hat).

Mittlerweile ist Jess (Scarlett Johansson) „solide“ auf dem Weg in die Politik (obwohl man das Gefühl hat, dass sie noch nicht sehr erfolgversprechend ist), Blair (Zoë Kravitz) in eine eklige Scheidung verwickelt, Frankie (Ilana Glazer) hat als berufsmäßige Demo-Mitmarschiererin jede Menge Erfahrung mit der Polizei gemacht, und Alice (Jillian Bell) – was macht die eigentlich? Die ist noch immer dick und extrem laut und macht alle auf sich aufmerksam, so dass jeder – auch der Kinobesucher – merkt, dass das eigentlich eine arme Haut ist, zu der man nett sein muss, auch wenn sie alles monopolisiert. In Miami gesellt sich dann auch noch eine australische Freundin, „Kiwi“, dazu (Kate McKinnon – als ob es noch eine Komikerin brauchte…).

rough-night Szene

Heiraten wird Jess, zuhause bleibt ihr immer verständnisvoller Verlobter Peter (Paul W. Downs), und zu den witzigsten Passagen des Films von Regisseur Lucia Aniello (die mit Paul W. Downs auch das Drehbuch schrieb) gehören die Gegenschnitte, wenn die Damen beim Feiern ausflippen (und sich noch Kokain hineinziehen), während die Herren gemessen daheim sitzen und würdevoll Rotwein verkosten… So viel zu den Geschlechterrollen. Und wenn in der fürs Weekend benutzten Luxusvilla der Damen die Türglocke geht und ein durchaus ahnsehnliches Mannsbild da steht (Ryan Cooper, ein Male Model, wie man liest), reißen sie ihm ohne viel zu fragen, die Kleider vom Leib: Sie haben ja schließlich einen Callboy bestellt. Gott, sind die Amerikaner liberal!

Wenn dann allerdings der vermeintliche Playboy mit dem Kopf unsanft auf den Marmorboden (alles vom Feinsten!) kracht und verendet, da wird der Katastrophenfilm zur fortgesetzten Albernheit, bei der man bemerkt, wie die Drehbuchautoren von einer verblödeten Wendung zur nächsten holperten (und dabei so wenig Ideen haben, dass sie zu Wiederholungen greifen müssen). Es ist schreiend lustig gemeint, und der ältere Filmbesucher wird bei einer sexlüsternen Nachbarin die Augen aufreißen und sich denken, die sieht doch aus wie Demi Moore (es ist Demi Moore in einer Minirolle, man hat sie tatsächlich schon fast vergessen, und sie war doch soo berühmt…).

Wenn sich der besorgte Bräutigam in einer Monsterautotour nach Miami aufmacht, sieht man, wie tief Humor sinken kann – nicht nur, dass er es mit einer Windel tut, bei den Tankstellen kriegt er auch ununterbrochen eindeutige unsittliche Anträge von Herren. Wer das lustig findet, wird hier bedient. (Die US-Einspielergebnisse lassen allerdings zu wünschen übrig.)

Tatsächlich ist der Film, der zu Beginn Ansätze von Sozialstruktur und echtem Gruppenverhalten zeigt, zu diesem Zeitpunkt längst verendet. Und man fragt sich, was aus Scarlett Johansson geworden ist – hatte sie einfach zu viele frühe Erfolge als Mädchen mit dem Perlenohrring, als Woody-Allen-Heldin, um jetzt, mit erst 33, entweder bei Comic-Figuren oder in so sagenhaft blöden Komödien wie dieser gestrandet zu sein? Sic transit gloria mundi – so schnell?

Renate Wagner

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