Der Neue Merker

GENF: GUILLAUME TELL von G. Rossini . Premiere

Premiere von Guillaume Tell von Gioachino Rossini am Grand Théâtre de Genève vom 11. September 2015

David Pountney inszeniert eine intelligent durchdachte Aufführung, mit hervorragenden Solisten und einem brillanten Orchester unter der beachtlichen Stabführung von Jesus Lopez Cobos.

Unbenannt
Copyright: Magali Dougados

Mit Gioacchino Rossinis letztem Bühnenwerk, der Grand Opéra Guillaume Tell, eröffnet das Grand Théâtre de Genève die neue Saison. Das Werk über den Gründungsmythos der Schweiz nach Schillers Drama ist Rossinis einziger Vorstoss in die grosse romantische Oper und das Ende seines Opernschaffens zugleich.

Vor einem Jahr hatte die Aufführung Premiere in Cardiff und wurde mehr als nur wohlwollend entgegengenommen. Die Inszenierung von David Pountney im Bühnenbild von Raimund Bauer und in den Kostümen von Marie-Jeanne Lecca überzeugt auch in Genf und wurde vom Publikum mehr als nur wohlwollend entgegengenommen.

Der Regisseur inszeniert farbenfroh, modern und spektakulär. Viel Licht und Rauch darf nicht fehlen und eisengetragene riesige Requisiten zieren das Bühnenbild. Mit leicht ironischem Blick auf das schweizerische Ambiente, stellt er das Werk als schonungslose Tragödie eines unterdrückten Volkes, das sich die Freiheit erkämpft, in Szene.

Der Schuss mit der Armbrust auf den Apfel, wohl das wichtigste Bild in diesem Werk, gefällt. Dieser Moment, als die Armbrust den Apfel auf den Kopf des Buben avisiert und trifft, gehört zu den Schlüsselmomenten des Werkes. Ein langer Tisch separiert Wilhelm Tell und seinen Sohn. Die Bauern stehen dahinter und beobachten das Geschehen. Der Schuss fällt, die Bauern nehmen den Pfeil und transportieren ihn zum Buben direkt in den Apfel hinein. Langsam und rhythmisch entlang der Musik von Gioachino Rossini.

Die Besetzung wird von Jean-François Lapointe als Wilhelm Tell angeführt. Er verfügt über eine makellos geführte baritonale Stimme und trumpft durch schauspielerisches Können auf. Der Belcanto-Spezialist John Osborn, verkörpert eine glanzvolle und mehr als nur dankbare Tenorrolle. Mit seiner tragenden und sicheren Stimme gehört er zu den besten seines Faches und ist wohl einer der besten Rossiniinterpreten unserer Tage.

Die Mathilde wird von der jungen weissrussischen Sopranistin und Gewinnerin des BBC Cardiff Singer of the World Wettbewerbs 2015 Nadine Koutcher verkörpert. Sie überrascht durch ihre Leichtigkeit und gut fokussierten Stimme.

Das Ensemble wird hervorragend vervollständigt von Amelia Scicolone als Jemmy und Doris Lamprecht als Hedwige.

Mit Jesús López Cobos steht ein genauer Rossini-Kenner am Pult des Orchestre de la Suisse Romande. Die Musik gewinnt durch ihn an Harmonie und Souplesse. Er holt Feinheiten aus der Musik heraus die den Zuhörer konzentriert aufhorchen lässt. Für Genf ist er ein toller Gewinn.

Marcel Paolino

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