Der Neue Merker

GARS/ Kamp: DIE ZAUBERFLÖTE. Von Eingeweihten und Naturburschen. Premiere

VON EINGEWEIHTEN UND NATURBURSCHEN: MOZART’S „DIE ZAUBERFLÖTE“ (12.7.2017)

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Die Burgruine von Gars ist längst zu einem „Edelstein“ des niederösterreichischen Kultursommers avanciert. Und der malerische Babenberger-Schauplatz war auch bei der Neuproduktion von Mozart’s „Die Zauberflöte“ Basis für eine durch und durch gelungene Premiere, die  –  diesmal bei idealem Wetter – ohne elektroakustische Verstärkung auskam und ein hohes künstlerisches Besetzungs-Niveau aufwies. Das Duo Johannes Wildner und Rudolf Berger, das seit 3 Jahren die Leitung übernommen hat, kann auf das aktuelle Resultat mehr als stolz sein. Ein junges Orchester der Oper Burg Gars liefert unter dem Titel „Klangvereinigung Wien“ ein ebenso ambitioniertes Fundament wie der Chor der Oper Burg Gars (Leitung Roger Diaz Cajamarca).

Johannes Wildner ist offenbar ein Motivations-Talent. Die Regie von Kurt Josef Schildknecht (Bühne Asim Dzino) ist sparsam aber wirkungsvoll. Sie setzt auf die Poesie des Ortes, lässt etwa Papageno – hervorragend der junge Wolfgang Resch – im Publikum agieren und nützt im richtigen Moment (etwa bei der Feuer-und Wasser-Probe) die heute so beliebte digitale „Video-Verwandlung“. Besonders stimmungsvoll sind die Kostüme von Gera Graf, nicht „Protzen“ sondern „Phantasievoll“ ist auch hier die Devise.

Erstaunlich das hohe Niveau der neuen „Zauberflöte“. Da lernt man etwa eine wunderbare Pamina kennen: Adriana Gonzales heißt die junge Dame, die aus Guatemala stammt und eine dunkle, kräftige Stimme mit seelenvollen Piani kombiniert. Bühnenpräsenz und Musikalität zeichnen sie aus, ein neuer „rising star“ist vorhersehbar. Ein Höhepunkt war wohl nicht nur für mich jedenfalls das Duett mit Papageno „Bei Männern welche Liebe fühlen“  – Wolfgang Resch war ebenso ein Glücksfall. Ein sympathischer „Naturbursch“, locker, wortdeutlich, eine samtig-baritonale Stimme. Für mich die Entdeckung des Abends! Nicht ganz so überzeugend die Königin, der Nacht,  die Armenierin  Tehmine Zaryan. In der ersten Arie verpatzt sie das hohe F, überzeugt aber dann immerhin in der großen Arie „Der Hölle Rache tobt in meinem Herzen“. Die Koloraturen transportieren Gefühle, nicht bloß Verzierungen. Das Publikum ist begeistert. Etwas problematisch ist der Tamino des Südafrikaners Siyabonga Magunga. Er setzt einen lyrischen Tenor sehr musikalisch ein, hat ein „süßes“, helles Timbre und hat mit der Rolle keinerlei technische Probleme. Allerdings hat er zu wenig „Körperresonanz“ und singt zu sehr aus dem Hals; Einschränkungen muss man auch beim Interpreten des Sarastro machen: Igor Storozhenko stößt mit dem Chef der „Eingeweihten“ an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Die Rolle ist ihm zu hoch und zugleich zu tief („In diesen heiligen Hallen“), bisweilen distoniert er. Wenigstens im Finale überzeugt er ohne Einwände: „Die Strahlen der Sonne“ galten für eine insgesamt hochkarätige Vorstellung. Großartig außerdem Benedikt Kobel als Monostatos, der Ensemble-Sänger der Wiener Staatsoper hat seit geraumer Zeit einen zweiten stimmlichen „Frühling“. Hervorragend! Entzückend die Papagena von Katharina Tschakert. Die niederösterreichische Sopranistin nützt die kurze, aber wichtige Rolle der Partnerin von Papageno perfekt. Mehr als anständig die Drei Damen Isabel Seebacher, Monika Schwabegger und Anna Agathonos.

Offenbar zu nervös waren die Drei Knaben der Wiener Mozart-Knaben. Wundervoll hingegen die Idee sie in der Einstein-Maske von 3 altgewordenen Genies auftreten zu lassen. Bernd Hofmann ist ein persönlichkeitsstarker „Sprecher der Eingeweihten“; als Priester agieren Lukas Zuba und Roger Diaz Cajamarca. Als Geharnischter (neben Michael Baba) fällt einmal mehr der junge Florian Köfler auf. Gars ist offenbar endgültig zur Talente-Schmiede avanciert.

Peter Dusek

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