Der Neue Merker

FURTH/ STIFT GÖTTWEIG: ELINA GARANCA AND FRIENDS bei „KLASSIK UNTER STERNEN“

ELINA GARANCA AND FRIENDS bei „KLASSIK UNTER STERNEN“ (5.7.2017)

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Die Mitwirkenden nach dem Konzert. Copyright: „Klassik unter Sternen“

Bereits zum 10.Mal lud Elina Garanca mit ihren „Freunden“ in den prachtvollen Innenhof von Stift Göttweig und verwandelte diesen magischen Ort zu einem Kultur-Event der Extra-Klasse. Wobei die lettische Star-Mezzosopranistin und ihr Ehemann Karel Mark Chichon am Pult des Wiener Volksopern-Orchesters diesmal mit zwei „Jubiläums-Geschenken“ aufwarteten: zum einen gab es „Vorgriffe“ auf zwei bevorstehende Rollendebüts von Elina Garanca als Eboli und Amneris und zuletzt einen Medley aus dem Notenmaterial der Ur-Version der „Drei Tenöre“ – diesmal als Terzett zwischen Elina Garanca, Barbara Frittoli und Alfred Kim. Doch greifen wir nicht dem Finale vorweg. Das 10-Jahres-Event fand unter idealen Wetter-Bedingungen statt. Ein milder Hochsommer-Abend wurde erst ganz zuletzt von einem nahenden Gewitter bedroht, vor dem Finale mit dem Ave Maria von  William Gomez gab es ein paar Tropfen, dann war der Spuck vorüber. Es herrschte also Kaiser-Wetter und auch das Programm – wie immer von Barbara Rett sehr charmant und kompetent präsentiert – war auf populäre „Gassen-Hauer“ ausgerichtet. Zu Beginn der Presto-Teil der Tell-Ouvertüre von Giacomo Rossini – Karel Mark Chichon schwelgt in seinem mediterranen Temperament; dann das Schleierlied von Prinzessin Eboli aus „Don Carlos“ – grandios vorgetragen von Elina Garanca, die im kommenden Oktober in Paris ihr Rollendebüt von Eboli – an der Seite von Jonas Kaufmann – vorbereitet. Dann der Koreaner Alfred Kim als Canio – effektvoll aber zu sehr „draufgehauen“ also forciert. Dann souverän und voller Belcanto-Qualitäten Rodolfo Giugliani (Brasilien) mit der Arie des Gerard „Nemico della patria?“. Und dann der ganze Triumph-Akt aus Verdi`s „Aida“ ( selbstverständlich ohne Ballett ): Elina Garanca wird im Jahr 2020 erstmals die Pharaonen-Tochter Amneris verkörpern – und zwar in jenem Opernhaus von Gran Canaria, in dem ihr Ehemann demnächst Chef-Dirigent wird. Also wollte sie zeigen, dass sie es mit dem Fachwechsel zu den dramatischen Rollen ernst meint. Jedenfalls waren alle „Friends“ aufgeboten, um diesen „Appetizer“ von Elina Garanca zu präsentieren: Barbara Frittoli war eine lyrisch-dramatische Aida, Alfred Kim ein allzu dramatischer Radames, dazu kamen Rodolfo Giuliani als überzeugend-mächtiger Amonasro, Rihards Macananovskis als hochkarätiger König und Martin Mikus als zu unauffälliger Ramphis. Dazu der engagierte Chor  der Oper des Slowakischen Nationaltheaters. Jedenfalls gelang es der lettischen Diva, ihre Dramatik unter Beweis zu stellen: die Stimme der Garanca ist größer geworden, die Tiefe hat an Farben zugenommen und die Höhen strahlen wie eh und jäh! Ma darf sich auf Eboli, Amneris oder – speziell in Wien – auf die Dalila freuen. Ebenso wie auf die Trojaner, die Santuzza oder die Carmen, die sie zum Unterschied vom Octavian im Repertoire behalten wird.

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Elina Garanca, Barbara Frittoli. Copyright: Klassik unter Sternen“

Nach der Pause beeindruckte der junge Bass-Bariton aus Riga Rihards Macanovskis als Escamillo, Barbara Frittoli und Elina Garanca schwelgten in einer traumhaft schönen Barcarole von Offenbach, die Italienerin Frittoli war dann eine berührend Verdi-Desdemona, Alfred Kim schmetterte ein effektvolles „Nessun dorma“ aus Puccini’s Turandot und dann gab’s den eingangs erwähnten Medley u.a.mit Musik von Bernstein, Leoncavallo und Sieczynski(Wien, Wien, nur du allein!). Und das Ende glich dann wieder einem Ritual: Ave Maria von William Gomez mit Elina Garanca endet in stiller Besinnlichkeit: kein Applaus, keine Bravos. Ein Kultur-Spektakel verwandelt sich in betroffen machende Besinnlichkeit. Das 11. „Klassik unter Sternen“ – Konzert wird am 4.Juli 2018 in Szene gehen – wieder mit Elina Garanca, Karel Mark Chichon und Freunden. Karten sind bereits bei allen Raiffeisen-Filialen erhältlich!

Peter Dusek

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