Der Neue Merker

FULDA/ Klassik am Dom: „OPERNGALA MIT ERWIN SCHROTT“

Klassik am Dom Fulda: „OPERNGALA MIT ERWIN SCHROTT“, 24.07.2017

Das „Galakonzert mit Erwin Schrott“ war der Höhepunkt der diesjährigen „Domplatz Open Airs“ in Fulda. Es lässt sich kaum eine schönere Kulisse für ein Freiluftkonzert denken als den barocken Prachtbau des Doms mit der nebenan gelegenen karolingischen Michaelskapelle, die nach Einbruch der Dunkelheit stimmungsvoll angestrahlt war. Trotz abendlicher Kühle erlebte das Publikum eine mitreißende Veranstaltung. Dies lag natürlich zum großen Teil am gewinnenden Charme von Erwin Schrott, der durch seine Moderationen zwischen den Musiknummern gleich eine herzliche Atmosphäre schuf. Er sang Kernstücke aus seinem derzeitigen Opernrepertoire wie die Arie des Procida „E toi, Palerme“ aus Verdis „Les Vêpres Siciliennes“, die Registerarie aus „Don Giovanni“ oder „Son lo spirito che nega“ aus Arrigo Boitos „Mefistofele“ und begeisterte die Zuschauer mit seiner kraftvollen, wohltönenden Stimme und seiner eindrucksvollen, stets natürlich wirkenden Gestaltungskraft. Die junge ukrainische Sopranistin Irina Polivanova war ihm in Duetten wie dem von Adina und Dulcamara aus dem zweiten Akt von „L’elisir d’amore“ oder „La ci darem la mano“ eine zuverlässige, wenn auch nicht ganz ebenbürtige Partnerin. Bei ihren Solostücken konnte sie am meisten mit der Arie der Musetta „Quando me’n vo“ aus „La Boheme“ und mit dem temperamentvoll gesungenen „Meine Lippen, die Küssen so heiß“ aus Lehárs „Giuditta“ überzeugen. Die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Francesco Ivan Ciampa war den Sängern aufmerksame Begleiterin. Darüber hinaus profilierte sich das Orchester mit Stücken wie der Ouvertüre aus Rossinis „Guillaume Tell“, dem Bacchanale aus Saint-Saëns „Samson et Dalila“ oder dem Intermezzo aus „Manon Lescaut“ von Giaccomo Puccini als weiterer Protagonist des Abends. Man wähnte sich ob der Anzahl der und der Länge der reinen Orchesterstücke manchmal sogar fast in einem Sinfoniekonzert, was dem Motto „Galaabend mit Erwin Schrott“ nicht ganz entsprach. Die Veranstaltung war insgesamt sehr publikumsfreundlich organisiert.

Zu erwähnen ist allerdings die schlechte Qualität des 5 Euro teuren, windigen Programmhefts (Impressum war leider keines enthalten, so dass der Verfasser nicht genannt werden kann), das zahlreiche grobe Schnitzer enthielt, wie ein Portrait von Gaetano Donizetti, das eigentlich Carl Maria von Weber darstellte, die Ankündigung der Arie der Procida aus „Les Vêpres Siciliennes“ oder die in der Biografie des Dirigenten viel gerühmte Zusammenarbeit mit Antonia Pappano oder den Stars der Opernwelt Leo Nucci, Diana Damrau und Simon Boccanegra.

Gisela Schmöger

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