Der Neue Merker

FREIBURG/ Kleine Bühne: ENDSTATION SEHNSUCHT von Tennesse Williams. Premiere

Theater Freiburg, Kleine Bühne: Tennesse Williams  „ENDSTATION SEHNSUCHT“
Premiere: 10. Februar 2017

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                                                                                                            © M. Korbel              Thomas Mehlhorn

Die Regisseurin Heike-M. Goetze erleidet am Theater Freiburg mit ihrer Inszenierung des Schauspiels „ENDSTATION SEHNSUCHT“ (A Streetcar Named Desire) gründlich Schiffbruch. Der Pulitzer-Preisträger Tennessee Williams, der sowohl den Text für die Broadway-Inszenierung in der Regie von Elia Kazan (1947) und das Drehbuch für den Spielfilm (Elia Kazan 1951) mit Vivien Leigh und Marlon Brando geschrieben hat, wäre sicherlich nicht einverstanden mit dem, was die Regisseurin auf die Bühne bringt. Unsicherheit, Labilität, Emotionen nur mit extrem lauter, oft geschriener Deklamation darzustellen, zeugt vom Unverständnis für Subtilität und Redekunst. Dazu kommt, dass die Textverständlichkeit leidet und die Feinheiten der Dichtung untergehen. Einigen Regisseuren wäre anzuraten, wieder einmal Ciceros fünf Bücher „DE ORATORE“ (Über den Redner) zu lesen und seine Hinweise zu befolgen.

Die Regisseurin, sie zeichnet auch verantwortlich für Bühne und Kostüme, versucht in der Freiburger Inszenierung aus den Klischees, Macho-Stanley gegen feminine Blanche, auszubrechen. Sie möchte die Spannung zwischen den Protagonistinnen und den Protagonisten aufzeigen. Genau dies wird durch die Personenführung, speziell durch die Sprache, die zum Teil unverständliche geschriene Diktion verunmöglicht. Subtilität, unterschwellige Machtansprüche und vordergründige Forderungen können so niemals dargestellt werden. Es liegt mir fern, die Inszenierung auf der Bühne mit dem Film zu vergleichen. Zu verschieden sind die Möglichkeiten der zwei Medien. Das direkte Erleben, das Kontaktnehmen mit der Handlung, mit den Menschen ist nur im Theater möglich. Aber genau dies wird in dieser Inszenierung verunmöglicht. Zu plakativ werden die Emotionen, wird die Gewalt dargestellt.

Aus diesem Grund kann ich die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler nicht beurteilen. Allzu künstlich, zu wirklichkeitsfremd müssen sie ihre Rollen spielen. Ich bin überzeugt, dass das Team auf der Bühne als KünstlerInnen besser ist, eine bessere Leistung erbringen kann als die hier in der Endstation gezeigte.

Als Blanche steht auf der Bühne Johanna Eiworth, Stella wird von Bettina Grahs gegeben, den Macho Stanley spielt André Benndorff, in der Rolle von Mitch ist Thomas Mehlhorn zu sehen und hören. Er besticht mit leisen Tönen. Eunice als Erzählerin für den roten Faden wird von Marie Jordan emotionslos dargestellt. In weiteren Rollen: Tonio Schneider, Jürgen Herold und Luca Keil.

Für mich war dieser Abend ein Musterbeispiel wie Theater nicht gemacht werden sollte. Um eine Geschichte zu erzählen, ist die absolute Textverständlichkeit unabdingbar. Dazu kommt, dass durch die Art des Vortrags Emotionen und psychologische Ströme nicht dargestellt werden können.

Peter Heuberger Basel

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