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FREIBURG: DAS DSCHUNGELBUCH. Kinderstück von Michael Schachermaier nach Rudyard Kipling

Freiburg: „Das Dschungelbuch“ – Kinderstück von Michael Schachermaier nach  Rudyard Kipling, Pr. 19.11.2017

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Sebastian Thiers, Yalany Marschner, Dominik Paul Weber, Stefanie Mrachacz, (Foto: Rainer Muranyi)

„Der Dschungel ist voll. Die Obergrenze ist erreicht.“ kreischt der Papagei, als der Bär Baloo und der schwarze Panther Baghira vor dem Rat der Tiere beantragen, den kleinen Menschenjungen Mogli  („kleiner Frosch“) in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Auch Baloos Zusicherung,  dass er das „Jungtier“ nach dem Gesetz des Dschungels erziehen, es „integrieren“ wolle, überzeugt die Ratsmitglieder nicht wirklich. Gemeinsam ist ihnen nur die Angst vor dem Tiger Shir Khan, der seit seiner schmerzhaften Bekanntschaft mit dem Feuer Menschen hasst. Das Gesetz des Dschungels, das Jungtiere schützt, solange sie noch kein Fell haben, findet dieser „verlogenen Mist“. Nach ihm gibt es nur ein Gesetz: „Fressen und gefressen werden“. Einzig die Aussicht auf eine fettere, da ältere Beute, lässt ihn einlenken.

Das Dschungelbuch, eigentlich die Dschungelbücher – handelt es sich bei der Vorlage doch um eine 1894-95 in zwei Bänden publizierte Sammlung verschiedener Geschichten – des in Indien geborenen britischen Nobelpreisträgers Autors Rudyard Kipling, lässt in grausamer Weise Tiere und Menschen die Rollen tauschen: Der Menschenjunge als Ausgestossener muss erst „gemeinschaftstauglich“ also zum Tier werden, um dazu zu gehören.

Trotz kindgerechter Inszenierung spricht Regisseur Michael Schachermaier auch elegant das Problem der Abholzung der Urwälder an: Praktisch alle Requisiten und Kostüme sind kongenial aus Müll gefertigt, ja der Dschungel gleicht regelrecht einer Mülldeponie mit Bäumen und Lianen aus schwarzen Müllsäcken, Felsen aus vollen Müllsäcken, einem Fluss aus transparenter Plastikfolie (Bühne: Jessica Rockstroh), Affenmasken aus kaputten Wischmops und Rechen  (Kostüme und Puppenbau: Jula Beyer) und vielen weiteren bühnenwirksamen Einfällen.

Dem jungen Publikum sind aber Gesellschaftssatire und Ökoprobleme egal: Es amüsiert sich prächtig über die Streiche des frechen Mogli (geradezu perfekt verkörpert durch Yalany Marschner) den verfressenen Bär Baloo, für den alles „easy-peasy“ ist (glänzend: Sebastian Thiers ), den vorsichtigen Panther Baghira (Dominik Paul Weber), den verrückten Affenkönig King Louie (ebenfalls Sebastian Thiers), den fiesen Tiger Shir Khan (Martin Müller-Reisinger) und die hypnotische Schlange Kaa, jault als Wolfsrudel mit und tanzt zu den eingängigen Songs (Musik: Paviz Mir-Ali).

Am Ende gehen alle der Sonne entgegen zu einem Ort, an dem alles gut ist, an dem jeder – Mensch wie Tier – akzeptiert und respektiert wird. Wo dieser Ort ist, bleibt unbeantwortet. Wir haben ihn definitiv noch nicht gefunden.

Alice Matheson

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