Der Neue Merker

FRANKFURT: IL TROVATORE – stark umbesetzt

Frankfurt: IL TROVATORE 23.9.2017   Neuinszenierung

Bildergebnis für oper frankfurt il trovatore
Elza van den Heever (Leonora), Alison King (Ines). Copyright: Barbara Aumüller

Trotz krankheitsbedingter Ausfälle  dreier Protagonisten konnte die Neuinszenierung von ‚Trovatore‘ mit großer Verve und besten solistischen Kompensationen aufgeführt werden. Mit David Bösch ist wieder ein Regisseur am Werk, der die Dramatik der Oper ganz naturwüchsig in Szene setzt und nur durch behutsame ‚Modernisierung‘ gewisse Akzente setzt (ein Panzer aus der T-Serie für Lunas Kampftruppe des kräftigen Männerchors, ein Schrottauto und kaputte Fahräder bei den fahrenden Zigeunern). Insgesamt ist die düstere verworrene Stimmung in großen Hintergrund-Bildern in expressionistisch bis moderner Farbgebung und Schraffur gezeichnet, auf denen auch (Liebes)falter kreuzen, Noten durcheinanderpurzeln im 1.Akt sowie das mit schwarzen Strichen angedeutete, sich in Tränen auflösende Gesicht der Leonara gezeichnet erscheint. (Bb. und Video Patrick Bannwart)  Auf der Bühne selber befinden sich abgestorbene  Hölzer und Sträucher, im 4.Akt schlängelt sich ein Stacheldraht hindurch. Einmal verdichtet sich im Hintergrund das mystische Schloß Alliodor. Im Gegensatz zum immer wieder aufflackerten Feuer schneit es ab dem 3.Akt fast nur noch. Meentje Nielsen hat für Leonaora und Ines angenehm schlichte tragbare Kleider entworfen, die Protagonisten in lange Mäntel, Lederjacke und Wollhosen gekleidet. 

Man merkt kaum, daß viele übliche Striche in dieser Einstudierung aufgemacht wurden, so  abwechslungsreich spannend  kann das Orchester agieren. Namentlich die Holzbläser interpolieren bei den Cavatinen und Arien schönstens und auf den Punkt, die Harfensoli schälen sich plastisch heraus, und der Nonnenchor, der anstelle der Cabaletta Leonoras im 2.Akt folgt, klingt verklärt mysthisch wie aus dem Jenseits. Jader Bignamini macht das am Pult ganz fantastisch, er muss einen feinen ganz suggestiven Taktschlag haben, dass alle zu so einem solchen Zusammenklang finden.

,Der Conte Luna wird  von Dalibor Jenis mit schön gezogenen kräftigen Baritonphrasen gesungen und zurückhaltend gespielt. Leonora ist Elza van den Heever mit mädchenhaft leicht anmutendem Timbre, das sich in den Kantilenen dramatisch verdichten und wunderbar aufblühen kann. Mit Enkelejda Shkoza springt eine einzigartige Sängerin als Azucena ein, die ihre horrenden Visionen in dramatisch aufwallender Intensität und Voluminosität ihres höhensicheren Mezzos verpacken kann. Der Manrico des Murat Karahan (Frankfurt-Debut) kann da bezüglich Stimmgröße nicht mithalten, aber sein drahtig und samtig timbrierter Tenor schraubt sich ohne Probleme in höchste Höhen hinauf. Dazu  ähnelt sein Manrico von Statur und Aussehen her dem Schauspieler Moritz Bleibtreu. Kihwan Sim gibt einen stimmstarken baßbaritonalen Ferrando. Wenige, aber liebliche Töne sind von Alison King als Ines mit Brille zu vernehmen. Den Ruiz zeichnet Theo Lebow mit feinem Tenor und mit Anzug und bunter Krawatte wie der Dompteur in Lulu.          

Friedeon Rosén

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