FRANKFURT: DER MIETER von Arnulf Herrmann- Uraufführung

by ac | 13. November 2017 21:13


Björn Bürger. Copyright: Barbara Aumüller

Frankfurt: Der Mieter von Arnulf Herrmann  12.11. 2017- UA-Premiere

Die 3.Saisonpremiere ist ein Autragswerk der Oper Frankfurt. Es ist die UA von ‚Der Mieter‘ von Arnulf Herrmann, geb.1968, Text von Händl Klaus, frei nach dem Roman ‚Le Locataire chimerique‘ von Roland Topor. Es sind drei pausenlos durchgespielte Akte von annähernd 2 Stunden Dauer. Der gleichnamige Film von Roman Polanski dürfte vielen Zuschauern  bekannt sein.- Der Mieter zieht nach langer Suche in ein Zimmer, dessen Vormieterin darin Selbstmord  begangen hat, Spuren davon sind noch vorhanden. Er wird von seiner Umgebung, auch von der Kneipenbedienung, genauso wie die Vormieterin behandelt. Als er ein Fest gibt, wird er von einem anderen Mieter wegen zu hoher Lautstärke angegangen und bekommt Schwierigkeiten mit dem Vermieter und anderen Mietern, da er sich weigert, eine Petition gegen eine Mieterin mit einer Tochter mit Klumpfuß zu unterschreiben. Er zieht sich verängstigt immer mehr in die Wohnung zurück, wird von Stimmen verfolgt, und es erscheint ihm  die Vormieterin, mit der er sich immer mehr  identifiziert. Am Ende verwandelt er sich in diese und springt selber aus dem Fenster.

Händl Klaus hat in seinem Libretto für A.Herrmann alle Namen des Romans verändert, sie wollten insofern eine eigene Geschichte erzählen. Dabei verfällt der Texter zunehmend in eine fast sinnentleerte Dada-Sprache besonders für den Chor, oder es werden auch angefangene Sätze von anderen Personen vollendet.

Die Komposition für großes Orchester zeichnet sich in der ersten Hälfte durch langsame unzusammenhängend wirkende Klanggebilde aus, die auch eher in in sehr zurückgenommenen Piani vorgetragen werden. Ein die ganze Oper durchziehendes Motiv, das im 1.Gesang der Johanna auftaucht, kann man beim erstmaligen Hören so nicht erkennen. Herrmanns Gestalten werden als ‚Kaffeehausmusik‘, später ‚Bedrohungsreigen‘ sowie ‚Traumsequenzen‘, die auch  in verschiedenen Walzern die Räume ‚verzerren‘, im Programmheft beschrieben. Erst gegen Schluß entfaltet die Musik in der vollen Besetzung einen fantastischen Sog, indem in vieteltönigem Abstand die Scalen hinauf- und hinuntergeglitten wird.  Der Dirigent Kazushi  Ono hat die Partitur analysiert und setzt sie präzise und bis zur Emphase mit dem  Orchester um, d.h.er führt sie aus ihrer anfänglichen Lethargie heraus. Auch der Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Walter Zeh und Karsten Januschke hat einen großen Anteil daran,vor und hinter der Bühne klangstark singend.

Die Inszenierung von Johannes Erath spielt sich in verschiedenen Ebenen und auf der  Drehbühne ab (Kaspar Glarner). Zu Beginn gleich das Bild einer Kaffeehaus-Atmosphäre, die eigentlich eher eine Glamourwelt imaginiert, die auch in den teils aufgetakelten Kostümen (Katharina Tasch) zum Ausdruck kommt. Aus diesem Tableau schält sich das Mieterzimmer heraus, das teils in Projektion (Video: Bibi Abel) durch Blümchentapeten beherrscht ist und als einzige Einrichtung ein Waschbecken mit Fuß erkennen läßt. Real ist es dann eine schwebende Leuchtplattform, die in der Bühnenmitte hängt und sich schließlich ganz vertikal aufstellt. Der Mieter steht darauf von oben angegurtet. Er tritt auch virtuell in Kontakt mit der anderen Mieterin, die unter ihm haust,  Dazu kommen die verschiedenartigen Gerausche bis zu fast ohrenbetäubenden Schlagzeugpassagen in Surroundtechnik.


Björn Bürger (Georg), Claudia Mahnke (Frau Greiner; sitzend), Judita Nagyová (Frau Dorn), Kinderstatistin der Oper Frankfurt, Hanna Schwarz (Frau Bach). Copyright: Barbara Aumüller

Der Mieter Georg, Björn Bürger,  ist mit einem teils berückend timbriertem Bariton ausgestattet, und es gelingt ihm, die Auflösung in der Angstidentifizierung mit Johanna glaubhaft darzustellen. Diese kann sich mit ganz samtigem Sopran aus dem Chor lösen, in dem hübschen rotfgefleckten Kleid erscheint sie aber eher als positive Identifikationsfigur. Alfred Reiter gibt den Vermieter Zenk mit geschmäcklerischem Baß. Als Concierge Frau Bach hat Hanna Schwarz Kurzauftritte mit ihrem dunkelgefärbten Mezzo. Claudia Mahnke ist die Mieterin Greiner, die aus unklaren Gründen stigmatisiert wird. Mit klangschönem Mezzo gestaltet sie eindrücklich. Frau Dorn ist als Judita Nagyova ein weiterer adäquater Mezzo, die Georg und Frau Greiner bekeift. In weiteren Nebenrollen treten der  Tenor Michael Porter als Körner, der Co-Tenor Theo Lebow als Krell, Bariton Sebastian Geyer als Ingo/Kellner und Miki Stojanov als Herr Kögel auf.

Friedeon Rosén

 

Foto: Björn Bürger (Georg), Anja Petersen (Johanna), (c) Barbara Aumüller

 

Noch eine Bitte: Bei meinem letzten Don Giovanni Heidelberg: Der Regisseur Fioroni war nicht Haus-, sondern Gastregisseur. Nach Mögl. ändern, danke, FR

Source URL: http://der-neue-merker.eu/frankfurt-der-mieter-von-arnulf-herrmann-urauffuehrung