Der Neue Merker

FRANKFURT/ Bockenheimer Depot: RINALDO von Händel. Neuinszenierung

Frankfurt: RINALDO (Händel)  3.10.2017 Neuinszenierung

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Elizabeth Reiter, Brandon Cedel. Copyright: Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller

Im Bockenheimer Depot spielte die Frankfurter Oper Rinaldo von G.F.Händel, deren UA 1711 am Haymarket London stattfand, wo Händel als Privatuntenehmer seine Opern herausbrachte, wie immer ohne Chor, den er sich nicht anstellen konnte. Anstatt der Chöre agieren TänzerInnen auf der Bühne, die einerseits Rinaldos Ritter verkörpern, andererseits die Furien der Zauberin Armida. Gespielt wird auf einer langen und breiten Schräge, die hinten und vorne nicht abgeschlossen ist, hier werden die Toten sozusagen in den Orkus hinuntergerollt. Und Tote gibt es einige in diesem Kriegsstück. Rinaldo, der in der Inszenierung von Ted Huffmann eher kriegsunwillig erscheint, muss besonders vom Hauptmann Goffredo dazu angehalten werden, indem dieser ihm etwa seine Tochter Almirena verspricht, wenn er die nächste Schlacht geschlagen hat. Die Gegenseite besteht aus dem muslimischen Feldherrn Argante, der es mit Armida im Bunde besonders darauf anlegt, die Helden des Gegners in Armidas Zaubergarten zu betäuben und gefangen zu halten. So ergeht es auch Almirena und Rinaldo. Der Religionsgegensatz Christen-, Maurentum spielt in der Inszenierung keine Rolle. Nur im 2.Akt wird die sonst leere Bühne, die aber in oft grellem weißen Licht (Joachim Klein) gut ausgeleuchtet erscheint, belebt, wenn an einem hinteren See Sirenen in Gestalt von Wassernixen Rinaldo in den Zaubergarten locken, wo seine Almirena bereits gefangen ist. Dabei erscheint auch im Nebel der Bug eines großen Schiffes (Bb.: Annemarie Woods). Neben den zeitgemäßen Ritterkostümen ist die fantastische Doppelrobe Armidas hervorzuheben, in der sie den von den Furien an Seilen gehaltenen Rinaldo in sich verliebt machen will, indem sie sich auch kurzfristig in Almirena verwandelt. (Kost.: Raphaela Rose)

Die Oper, die mit unzähligen Arien besticht, wird vom Opern- und Museumsorchester z.T. mit Originalinstrumenten berückend gespielt.Der Dirigent ist Simone Di Felice, ein ausgewiesener Barockkenner. Ein Continuo mit Laute und Barockfagott begleitet die Rezitative. Hervorzuheben ist auch die virtuose Flauto dolce und die mit Gambenbögen gespielten Celli.

Gesanglich gestaltet den Adjutanten Eustazio Dmitry Egorov (Countertenor) vom Orchestergraben aus  (gespielt von Adam Weinert, auch Choreographie). Die Titelrolle wird hervorragend von dem polnischem Counter Jakub Jozef Orlinski gegeben, der gleichzeitig Tänzer ist. Er hat einen weit geführten, voluminösen Counter zur Verfügung, der gut klingt. Die Armida der Elizabeth Reiter kann da stimmlich nicht so aus den Vollen schöpfen, macht das aber durch die herbe Gestaltung ihrer Fiorituren und Koloraturen wett. Mit ihren schlangenartigen Furien ist sie eine wahre Königin der Unterwelt. Der Almirena Karen Vuong steht ein angenehm warmer Sopran zu Verfügung. Szenisch ist sie eher zurückhaltend. Den Argante singt Brandon Cedel ganz in schwarz mit mächtigem Baßbariton.  Julia Dawson ist Goffredo mit der seltenen Diskrepanz einer lieblich duftigen Sopranstimme, aber alt mit bodenlangem Bart und Gehstöcken gestylt, so daß sie auf der Schräge kaum laufen kann.                                   

Friedeon Rosén

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