Der Neue Merker

FRANKFURT/ Alte Oper. „TAMÀS VARGA-WIENER PHILHARMONIKER- ANDRIS NELSONS“

Frankfurt: „TAMÀS VARGA-WIENER PHILHARMONIKER- ANDRIS NELSONS“

Konzert in der Alten Oper 25.03.2017

Zum Reigen internationaler Orchester-Gastspiele in der Alten Oper reihte sich auch eines der besten Klangkörper des Kontinents ein. Die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons gaben sich mit ihrem Solo-Cellisten Tamás Varga die Ehre.

Der Konzertabend wurde mit dem „h-Moll-Cellokonzert“ von Antonin Dvorak  eingeleitet, welches als letzte Schaffensperiode des Komponisten während seines dreijährigen Amerika-Aufenthalts, in relativ kurzer Zeit im Winter 1894/95 entstand.

In ausgedehnter Tutti-Einleitung eröffnet den ersten Satz Allegro in welcher Klarinetten und Streicher einen lyrisch-verhaltenen Grundton anschlagen, sequenze Steigerungen leiten über zum mächtig aufblühenden Hauptthema welches von Tamás Varga herrlich elegisch eingefärbt übernommen, im thematischen Wechselspiel mit den Holzbläsern im satten Ton seines Instruments vortrefflich ausmusiziert wurde. In schlanker Tongebung und rhythmischer Gestaltung formte Vargas sein transparentes, gedankenvolles, gleichwohl gefühlvolles, aber nicht überbordendes Spiel.

Besonders schön gelang dem Solisten das Adagio und zauberte mit seinem Cello wunderbare Klangschattierungen. In sensibler Interpretationsweise passte sich Andris Nelsons mit den äußerst sinnfällig musizierenden Wiener Philharmonikern dem süffisanten Musizierstil ihres Solo-Cellisten an, instrumentierte jedoch die orchestralen Alleingänge teils recht überproportioniert.

In klanglich tiefgründiger Interpretation, mit farbenreichen Tönen voller Intensität, Herz und Gefühl der Musik mit ihren wunderbaren Sehnsuchtsmomenten nach außen kehrend, beleuchtete Tamás Varga das finale Allegro moderato die folkloristischen Elemente, die eruptive Ursprüngliche im Kontrast zur traumverlorenen Romantik zu Dvoraks Klangsinnlichkeit auf ganz vortreffliche Weise.

Die herzliche Zustimmung des begeisterten „sachverständigen“ Publikums welches auch nach jedem Satz applaudierte, belohnte der Gefeierte mit der wunderbar interpretierten „d-Moll Suite“ (J.S. Bach).

Der in einmaliger Qualität bedeutungsvolle Konzertabend  dürfte mit Sicherheit unauslöschlich in die Annalen der AOF eingehen, wurde mit der „Sechsten Symphonie“ von Ludwig van Beethoven gekrönt. Der erste Satz Allegro ma non troppo trägt die Überschrift: „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“, mit diesen Worten ist der Grundgedanke erschöpfend umrissen.

Andris Nelsons mit den prächtig disponiert aufspielenden Wiener Philharmonikern stellte sich für wahr dem friedvollen Hauptthema, ließ den schlichten Seitengedanken inspiratorisch freien Lauf und servierte in feinster Detaillierung einen schier leichten charmanten Beethoven-Ton.

Schwebend, romantisch, stimmungsvoll servierte Maestro Nelsons die „Szene am Bach“ das Andante molto mosso mit den brillant-funkelnden Instrumentalgruppen, den kecken Hörnern. Die schwärmerische Weise erfüllt das Herz in freudiger Ergriffenheit bar so vieler feinfühliger Orchestrierungen tiefer Waldeinsamkeit, dem Flimmern der Lüfte. Allerlei gefiederte Sänger des Waldes zwitschern, locken, rufen, dass es eine Freude ist den Imitaten der Instrumente zu lauschen.

In mediterraner Leichtigkeit feierte das Orchester die objektiven Vorzüge des Landlebens, das lustige Zusammensein der Landleute im rauschend interpretierten Allegro. Tiefere Wirkung hinterließ der jäh in die Idylle hereinbrechende Gewittersatz welcher in wilder Gewalt losbricht. Blitze zucken, Donner grollen, Regengüsse prasseln nieder, Pauke, Piccoloflöte und Posaunen intonieren das Szenario gespenstig in unglaublich präziser Intensität – einfach atemberaubend.

In dynamischer Explosivität und elektrisierender Spiellaune beflügelte der temperamentvolle Dirigent das exzellent musizierende Orchester zu supertransparent-spritzigem Sound des „Hirtengesangs – froher und dankbarer Gefühle nach dem Sturm“ im Allegretto. In herrlichem Schönklang entfalteten sich Klarinette und Horn zum Gesang der Geigen, leuchtend gesellten sich Bratschen und Celli hinzu, weckten Erinnerungen an voran gegangene Sätze, variieren sich in unzähligen Nebenthemen, einfach grandios in nachhaltiger Instrumentation  vereint, vollendet dieser beispiellos aufspielende Klangkörper das hymnische Dankgebet an die Natur.

Das Publikum hingerissen dankte mit Ovationen. Emotional sehr bewegt dankte Andris Nelsons dem Orchester und kündigte die prächtig, temporeich musizierte  Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ und mit Jubel quittierte Zugabe an.

Gerhard Hoffmann

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