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Wiener Stadtrechnungshof prüft die Wiener Symphoniker
11. Oktober 2017
20:11
Kurgast
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Forumsbeiträge: 12
Mitglied seit:
21. Juli 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Liebe(r) „Copy“, ich bin ganz auf ihrer Seite, dass es zwischen künstlerischem Anspruch und ökonomischer Notwendigkeit ein großes Spannungsfeld gibt. Allerdings kann man die subventionierten Kosten für die Ausstattung einer Opernproduktion nicht so einfach mit den unbedingt erforderlichen Aufwendungen für ein großes Symphonieorchester vergleichen.

Natürlich sind bei einer neuen Operninszenierung im Regelfall die Ausstattungskosten von vornherein zu limitieren, wobei man jeweils die Meinung vertreten kann, das ist viel oder wenig. Ich erinnere mich z.B. an Vorhänge aus kostbarer Seide, weil der Regisseur darauf bestand, dass beim Fallen des Vorhangs ein besonders schöner Effekt entstehen soll, der mit billigem Plastikmaterial nicht erzielbar gewesen wäre. Man kann eine Aufführung mit dem meist günstigeren eigenen Ensemble oder mit teuren Stargästen aufführen, wird aber nicht umhin können, die für das Werk unbedingt erforderliche quantitative Besetzung stellen zu müssen. Man kann die Triumpf- und Balletszene in Aida mit hundert oder mehr Komparsen und Tänzern darstellen oder mit ein paar Solisten. Das ist das, was eine Oper oder ein Schauspiel ausmacht. Da Einhelligkeit darüber besteht, dass die Wiener Staatsoper eine Spitzenstellung auf der ganzen Welt einnehmen soll, müssen also die dafür notwendigen finanziellen Mittel aufgetrieben werden. Das gilt auch für ein Spitzenorchester vom Rang der Wiener Symphoniker. Und so nebenbei: In jeder Oper und in jedem Theater der Welt gibt es Personal, das nicht immer zum Einsatz kommen kann, weil eben dafür augenblicklich kein Bedarf besteht. Das ist bei einem großen Symphonieorchester nicht anders, so lang es nicht nur Werke von Haydn, Mozart und ähnlicher Komponisten spielt.

Damit kommen wir wieder zum Wiener Stadtrechnungshof. Schon vor Jahren wurden von ihm, damals noch als Kontrollamt der Stadt Wien, völlig sinnlose Statistiken erstellt, bei wie vielen Vorstellungen bzw. Rollen pro Saison die Schauspieler an den subventionierten Wiener Privattheatern zum Einsatz kamen. Wobei es dem Kontrollamt egal war, ob ein Darsteller z.B. in einem Ein-Personen-Stück einen Solo-Abend gab oder ein anderer Schauspieler bloß zu sagen hatte: „Es ist serviert!“ Es fehlte damals gerade noch der Vorschlag, dass z.B. ein ausgewiesener Komiker mangels einer für ihn passenden Rolle eben auch den Hamlet spielen sollte. So ähnlich lauten nun auch die Vorschläge des Wiener Stadtrechnungshofes für die Wiener Symphoniker, wenn man seine Empfehlung ernst nimmt, die Anzahl der Orchestermitglieder auf 100 zu reduzieren.

Nun noch zu einem wesentlichen Punkt des Berichts: Es gab seit jeher die mündliche Zusage seitens der zuständigen Politiker, dass die Stadt Wien neben der normalen jährlichen Betriebssubvention auch den für Abfertigungen und Zusatzpensionen erforderlichen Aufwand übernimmt. Seitens des Vereins wurden daher in den Bilanzen stets die dafür notwendigen Rückstellungen ausgewiesen, für die es natürlich keine Bedeckung gab und somit immer ein Gesamtverlust zu Buche stand. Erst mit Beschluss des Gemeinderates vom 14. Dezember 2005 wurde diese bis dahin mündliche Zusage auch schriftlich fixiert. Dass damit auch gewisse Auflagen verbunden wurden ist unbestritten. Es wurde vom Wiener Stadtrechnungshof in seinem Bericht aber ausdrücklich bestätigt, „dass dem nunmehrigen Intendanten die Notwendigkeit von Reformen durchaus bewusst ist und er engagiert nach und nach Verbesserungspotenziale nützt. Mit dem Antritt des jetzigen Intendanten wurden erste budgetwirksame Reformschritte gesetzt.“

Weshalb werden im Bericht also wirkliche Lapalien aufgezeigt und in der Öffentlichkeit damit der Eindruck erweckt, es handle sich bei den Wiener Symphonikern um einen „Sauhaufen“, wobei die völlig unschuldigen Orchestermitglieder letztlich zum Handkuss kommen? Daher nochmals meine anfangs gestellte Frage: Cui bono?

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11. Oktober 2017
09:21
copy
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Forumsbeiträge: 57
Mitglied seit:
28. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber Kurgast, ich sehe sehr wohl das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch und ökonomischer Notwendigkeit. Aber ein Aufrechterhalten des status quo "auf Teufel komm raus" wird es in Hinkunft nicht mehr geben. Auch die übrigen Lebensbereiche jedes einzelnen von uns werden "ökonomisch" und "wirtschaftlich" betrachtet, ich bin mit ihnen d'accord, dass das nicht um jeden Preis geschehen muss! Aber genügend Beispiele in Europa und Österreich zeigen, dass gerade im künstlerischen Bereich (wie auch bei subventionierten) Sportvereinen auf wirtschaftliche Erwägungen eingegangen wird. Unlängst erzählte mir ein Bühnenarbeiter beim Würstelstand hinter der Oper von den wahren Kosten des Bühnenbildes beim "Schlauen Füchslein", da verschluckte ich mich fast an der Käsekrainer. Und die Äußerungen der vormaligen Burg-Direktoren Hartmann und Peymann über wirtschaftliches Gebaren sprachen wohl auch Bände, immerhin waren diese beiden Herren Geschäftsführer nach dem GmbH-Gesetz! Andere mir bekannte Beispiele darf ich ihnen leider nicht nennen, da für mich auch nach meiner Pensionierung die Amtsverschwiegenheit aufrecht ist.

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10. Oktober 2017
18:20
Kurgast
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Forumsbeiträge: 12
Mitglied seit:
21. Juli 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Obwohl es natürlich überall, auch beim Verein Wiener Symphoniker, Verbesserungs- und Einsparungsmöglichkeiten gibt, sehe ich es nicht ganz so dramatisch, wie es im Bericht des Wiener Stadtrechnungshofes zum Ausdruck kommt. Insbesondere verwehre ich mich gegen die Unterstellung, dass ich mit „copy“ einer Meinung wäre, dass bei den Wiener Symphonikern ein „Riesensauhaufen“ vorzufinden ist. Ich wiederhole mich daher, dass der Prüfungsbericht des Stadtrechnungshofes eine Herabwürdigung und Denunziation eines ganz wesentlichen österreichischen Kulturgutes ist.

Allein der Vorschlag Nr. 8, „eine schrittweise Reduktion auf die im Orchesterkollektivvertrag angeführte Mindestanzahl von (Anm.: 126 auf) 100 Orchestermitglieder in Erwägung zu ziehen“ und eine derartige Äußerung noch mit der Judikatur des VfGH zu begründen, ist zu hinterfragen. Wenn der Stadtrechnungshof der Meinung ist, die Zahl der Orchestermitglieder sollte verringert werden, hätte er dazu auch detaillierte Vorschläge unterbreiten und Vergleiche mit ähnlichen Orchestern anstellen müssen. Dazu ein Hinweis: Die Anzahl der Orchestermitglieder beträgt beim Orchester der Wiener Staatsoper 148, dazu noch 40 Mitglieder des Bühnenorchesters, bei den Wiener Philharmonikern 138, bei den Münchner Philharmonikern 131 und bei den Berliner Philharmonikern 127. Oder sollte man - um dem Vorschlag des Stadtrechnungshofes zu folgen - nicht gleich auf die Größe des Musical-Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien „abspecken“, welches bloß mit 84 Musikern das Auslangen findet.

Die Frage lautet daher: Soll das Spitzenniveau der Wiener Symphoniker, das sich keineswegs unter dem „Deckmantel der Hochkultur versteckt“, weiterhin beibehalten werden oder begnügt man sich künftig mit einem Provinzorchester. Ich hoffe, dass Sie, liebe(r) „copy“, mit mir einer Meinung sind, dass es trotz der allgemein angespannten finanziellen Situation keine künstlerische Nivellierung nach unten geben sollte.

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9. Oktober 2017
19:55
copy
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Forumsbeiträge: 57
Mitglied seit:
28. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Ihr Resuümee, wonach Der Prüfungsbericht eine, politisch wohl so gewollte, Herabwürdigung und Denunziation eines ganz wesentlichen österreichischen Kulturgutes durch den angeblich unabhängigen Wiener Stadtrechnungshof ist, nehme ich gerne zur Kenntnis. Aber ihren ironisch gemeinten Aufzählungen darf ich den gesamten Bericht entgegenhalten, der unter folgendem Link jedem Bürger offen ist:

http://www.stadtrechnungshof.w.....I-8-16.pdf

Nach dessen Lektüre werden sie wohl mit mir einer Meinung sein, dass dort ein Riesensauhaufen vorzufinden ist, der sich hinter dem Deckmantel der Hochkultur versteckt - übrigens nicht die einzige Baustelle in diesem Genre!

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8. Oktober 2017
14:46
Kurgast
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Forumsbeiträge: 12
Mitglied seit:
21. Juli 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Der neue Prüfbericht des Wiener Stadtrechnungshof über den Verein Wiener Symphoniker enthält eine Reihe von „Misstönen“ und lieferte den Medien Schlagzeilen wie „Privilegienstadl hat´s vergeigt“, „Wiener Symphoniker verschleudern Steuergeld“, „Spitzen-Gagen fürs Nichtstun“ oder „Prüfer blasen Wiener Symphonikern Marsch“. Es ist beschämend, dass dadurch die Musikerinnen und Musiker dieses hervorragenden Orchesters, die lediglich Arbeitnehmer des aus bloß zwei ordentlichen Mitgliedern – lt. Vereinsgesetz gerade die erforderliche Mindestanzahl – bestehenden Vereins sind, besudelt und ungerechterweise mitverantwortlich gemacht werden für Entscheidungen, die vor Jahrzehnten von den damals verantwortlichen Wiener Kulturpolitikern getroffen wurden und deren finanzielle Auswirkungen für die Zukunft seinerzeit offenbar nicht erkannt wurde.

Der 132 Seiten umfassende Prüfbericht enthält allerdings auch Feststellungen, deren Unsinnigkeit kaum mehr zu überbieten ist. So wird z.B. die Dienstverpflichtung eines Konzertmeisters mit der Monatsstundenanzahl eines normalen Angestellten verglichen und daraus gefolgt, „dass der Unterschied der Arbeitszeit zu anderen Berufen als hoch erschien.“ Der Verein sollte „weiterhin darauf achten, dass nach Möglichkeit das musikalische Programm so gestaltet wird, dass sämtliche Instrumentengruppen eine noch vertretbare Auslastung aufweisen.“

Mit seltsamen Tabellen und Diagrammen gelingt dem Stadtrechnungshof der Nachweis, dass z.B. der Harfenist in der Zeit von April bis Dezember 2015 fünfundsechzig „verlorene Dienste“ hatte. Ein ganz besonderes Schmankerl liefert der Rechnungshof mit der Feststellung, dass „die aus drei Musikern bestandene Gruppe Schlagwerk im Monat April 2015 bei insgesamt 83 möglichen Diensten auf 10 geleistete Dienste kam.“ Hätten sich die Prüfer die Mühe gemacht, die Programme der im April 2015 aufgeführten Konzerte auf der Archivseite der ausgezeichneten Vereins-Homepage anzusehen und nur ein bisschen Musikwissen gehabt, hätte ihnen auffallen müssen, dass in den in diesem Zeitraum aufgeführten Werken von den jeweiligen Komponisten zumeist gar kein Schlagwerk vorgesehen war. Es wurde nämlich z.B. sowohl bei dem im Rahmen von „Frühling in Wien“ aufgeführten ausschließlichen Schubert-Programm als auch bei einem Kammerkonzert mit „Quatuor pour la fin du temps“ für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier von Oliver Messian und Schönbergs „Verklärter Nacht für Streichsextett“ eben kein Schlagwerk benötigt. Wenn nun einmal der im Prüfbericht enthaltenen Empfehlung Nr. 45 Rechnung getragen wird, dass „eine möglichst knappe Orchesterbesetzung anzustreben wäre“, und man deshalb den Harfenist oder die Schlagwerkgruppe wie im April 2015 „einspart“, ist dies dem Stadtrechnungshof auch nicht recht – da soll sich einer auskennen!

Um den Empfehlungen des Rechnungshofes nachzukommen, wäre es künftig vielleicht angebracht, dass bei solchen Konzerten, wo z.B. kein Schlagwerk oder keine Harfe benötigt wird, die Schlagwerkgruppe zu Beginn des Konzertes ein „Einschlagen“ wie bei einem von einer Blaskapelle gespielten Marsch zum Besten gibt und der Harfenist in der Pause zumindest ein „Arpeggio“ spielt, womit deren Dienst somit erfüllt wäre. Dem Stadtrechnungshof ist es nämlich derzeit noch Wurscht, wie viele Noten jeder einzelne Musiker spielt – Hauptsache ist, man ist dabei. Eine genaue Auflistung wird es wahrscheinlich erst bei der nächsten Prüfung geben: es wird die exakte Anzahl der gespielten Noten (zwei gleichzeitig gespielte Noten, wie z.B. bei Terzen, erhalten einen Aufschlag von 50 %) abzüglich der vorgesehenen Pausentakte, die von der Dienstzeit abgezogen werden, ermittelt. Sollte die Zeit der Pausentakte länger als die reine Spielzeit sein, wird der Dienst nur zur Hälfte oder vielleicht auch gar nicht angerechnet.

Nun aber wieder im Ernst: Gravierende Mängel stellte der Rechnungshof auch im Bereich des Rechnungswesen des Vereins fest. So fiel ihm erst in der 2. Hälfte des Jahres 2016 auf, „dass eine (!) Eintrittskarte für ein Konzert am 8. April 2012, die bis spätestens 23. Oktober 2011 zu bezahlen gewesen wäre, von einem Kunden erst am 31. Juli 2013 bezahlt wurde.“

Ein weiterer Missstand wurde bei der „Rückzahlung des Entgelts für 4 (!) Eintrittskarten an einen Orchestermusiker“ entdeckt, da die Einhebung der vorgesehenen Kommissionsgebühr (Anm.: 10 % des Kartenpreises) nicht erfolgte.

Schließlich wurde in einem (!) Fall ein von einer Geschäftspartnerin angebotener Skonto nicht abgezogen. Der Geschäftsführer der Wiener Symphoniker gab zerknirscht zu, dass im Jahr 2016 insgesamt € 319,25 an möglichen Skontoabzügen nicht in Anspruch genommen wurden.

Apropos Wiener Symphoniker: Der Bericht des Stadtrechnungshofes wurde durchwegs nach dem Prinzip des Gender-Mainstreamings verfasst, d.h.“ Auftragnehmer“ werden stets als „Auftragnehmerin“, „Geschäftspartner“ immer wieder als „Geschäftspartnerin“ u. dgl. bezeichnet. Es ist jedoch verwunderlich, dass der Stadtrechnungshof keine Empfehlung aussprach, den Vereinsnamen auf „Wiener Symphonikerinnen“ zu ändern, zumal dem Orchester bereits 26 Damen angehören. Diese Namensänderung würde keine wesentlichen Kosten verursachen, entspräche dem Trend unserer Zeit und gefiele auch den Wiener Stadträtinnen.

Resumee: Der Prüfungsbericht ist eine, politisch wohl so gewollte, Herabwürdigung und Denunziation eines ganz wesentlichen österreichischen Kulturgutes durch den angeblich unabhängigen Wiener Stadtrechnungshof. Cui bono?

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