Der Neue Merker

Online Merker-Forum

Wir begrüßen Sie beim Forum des „ONLINE-MERKER“. Sie sind eingeladen, in dieser Website Themen (vorwiegend aus dem Opern- und Theaterbereich) zu diskutieren.  

Rassistische bzw. beleidigende Äußerungen, Produktwerbung sowie politische Werbung in Form von Parteiwerbung werden vom Moderator umgehend gelöscht.

Beiträge, die nur zum Zweck der Provokation eingestellt werden, haben in diesem Forum nichts zu suchen.

Grundsätzlich verkehren unsere Diskutierenden per Sie miteinander, wenn sich Bekannte duzen wollen, ist das natürlich möglich, soll aber die Ausnahme sein, nicht die Regel. Höfliche Umgangsformen setzen wir voraus.

Das Forum wird eine Funktion erhalten, durch die es Ihnen möglich ist, mit einem Gesprächspartner unter Wahrung der eventuellen Pseudonyme direkten Kontakt aufzunehmen, sozusagen am Forum vorbei (bei Mitteilungen bzw. persönlichen Bemerkungen, die nicht von allgemeinem Interesse sind).

Das „Online-Merker“-Team

Diese Seite drucken

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

No permission to create posts
sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Themeninstrumentalisierung für Politisches
24. April 2017
18:47
zerbino
Member
Members
Forumsbeiträge: 56
Mitglied seit:
27. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Fanny sagt

Werter Zerbino,

nennen Sie mir bitte eine einzige Oper vor dem 20.Jhdt., die ein "Bildungserlebnis" in dem Sinne vermittelt, dass es darin um historisch korrekte Inhalte ginge! Ich hoffe, kein Opernbesucher ist so naiv und glaubt, dass es im Alten Ägypten tatsächlich so zugegangen ist wie in "Aida" oder dass der Konflikt zwischen Elisabeth und Maria Stuart derart banale Wurzeln gehabt hätte wie bei Donizetti & Co - abgesehen davon, dass es nie zu einer Begegnung zwischen den beiden gekommen ist. Oper als Geschichtsunterricht ist wohl so absurd wie die Bildzeitung als Grundlage für politische Bildung.

Was Amfortas betrifft - schade um jedes Wort.....

lg Fanny

Bildungserlebnis bedeutet nicht, dass man die authentische historische Wirklichkeit abgebildet vorfinden muss; ich bezog mich auf die literarischen Quellen, die eine gewisse historische Situation vermitteln. Ich vermag z.B. nicht zu verstehen dass man in der Tosca unbedingt ahistorische politische Allmacht in Form von "the great brother is watching you" inszenieren muss, wie unlängst in der sehr abgespeckten Regie von Himmelmann in Baden Baden zu sehen war. Die historische Atmosphäre in Rom um 1800 muss unbedingt wiedergegeben werden, mit Scarpia und seiner Perücke, die das ancien regime verdeutlicht etc. etc. Davon lebt der Plot und wird undeutlich, wenn irgendein Freiheitskämpfer irgendeine Dame liebt. Absurd war z.B., dass Tosca (Opolais) für ihren Strauss für die Madonna in Ermangelung des respektiven Altars erst hinter der Bühne eine Vase suchen muss. Sehr gut sind in der Beziehung Opernführer, die die resp. historischen und literarischen Quellen wiedergeben, wie es neuerdings bei Reclam geschieht. Das sollte auch eine Anregung für die Regisseure sein. Hilsdorf sagte mir, dass er sich daran halten wolle.

Diese Seite drucken

24. April 2017
18:41
alcindo
Member
Members
Forumsbeiträge: 114
Mitglied seit:
27. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

ad Fanny und Amfortas: historisch gesehen ist die oper vor allem als UNTERHALTUNG bei hof gedacht. alle diese schaefergeschichten und aehnliches hatten nur den sinn schoene musik und gute saenger zu praesentieren, und dies auf relativ einfache weise. also die oper interessierte vor allem ihrer musik oder der saenger wegen. die schrecklichen zeitumsetzungen fuehren dann fast immer dazu, dass der text laecherlich wird und die musik nicht mehr der optik entspricht. manche, wie Fanny moegen das, wie sie es immer wieder ausdrueckt "spannend" finden, fuer viele andere ist es einfach aergerlich und vom wesentlichen ablenkend. opern wie Aida oder Ma Stuart sind nicht dazu gedacht, die heutige weltlage zu erklaeren oder zu bewaeltigen, dazu braucht man schon anderes. ich habe dieser tage oefters Mezzotv gesehen, und da gibt es viel aus Bruessel: grauenhafte aktualisierungen, wo dann eigentlich fast nichts mehr stimmt: Manon Lescaut spielt in einer schalterhalle, Manon raucht kontinuierlich im outfit einer prostituierten, was soll da erklaert werden, welche bildung geht davon aus?? oder Don Giovanni in einer abstossenden form, mit viel nacktem fleisch und wenig stil im gesang. in der Tosca aus Baden Baden wird Cavaradossi wie ein schwein im schlachthof erledigt, und Floria springt nicht, sondern greift auch zur schlachtpistole....bitte was bringt das? ausser, dass gewisse insider meinen koennen, das noch nie so gesehen zu haben. Danke, da ist mir doch die Wiener Tosca lieber, und die wird ueberleben. all diese "zeitgenoessischen" versionen haben immer ein kurzes leben und verschwenden leider oft oeffentliche gelder
mit gruss alcindo

Diese Seite drucken

24. April 2017
17:37
Amfortas
Member
Members
Forumsbeiträge: 64
Mitglied seit:
16. März 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Selbstverständlich vermittelt jede Form von Kultur auch Bildung, und natürlich auch historische Bildung. Ist es ein Zufall, dass wenig gebildeten Menschen meistens auch die Hochkultur vorschlossen bleibt? Kunst hat Bildung zu vermitteln. Was sie nicht darf: Sie darf nicht missbraucht werden im Sinne der Mächtigen. Zwar wurde Kunst immer zur Absicherung bestehender Machtverhältnisse, zur Veherrlichung der Machthaber oder zur Legitimationen gegebener Machtverteilungen missbraucht, aber mit dem eigentlichen Wesen der Kunst hat das nichts zu tun. Kunst kann - und soll - die Köpfe der Menschen öffnen.

Und Fanny: Täusche ich mich, oder wollen Sie wieder versuchen, durch vorsätzliche Polemik und Unsachlichkeit die Diskussion derart ad absurdum zu führen, dass sie geschlossen werden muss?

Diese Seite drucken

24. April 2017
16:48
Fanny
Member
Members
Forumsbeiträge: 102
Mitglied seit:
2. Januar 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Werter Zerbino,

nennen Sie mir bitte eine einzige Oper vor dem 20.Jhdt., die ein "Bildungserlebnis" in dem Sinne vermittelt, dass es darin um historisch korrekte Inhalte ginge! Ich hoffe, kein Opernbesucher ist so naiv und glaubt, dass es im Alten Ägypten tatsächlich so zugegangen ist wie in "Aida" oder dass der Konflikt zwischen Elisabeth und Maria Stuart derart banale Wurzeln gehabt hätte wie bei Donizetti & Co - abgesehen davon, dass es nie zu einer Begegnung zwischen den beiden gekommen ist. Oper als Geschichtsunterricht ist wohl so absurd wie die Bildzeitung als Grundlage für politische Bildung.

Was Amfortas betrifft - schade um jedes Wort.....

lg Fanny

Diese Seite drucken

24. April 2017
13:41
Amfortas
Member
Members
Forumsbeiträge: 64
Mitglied seit:
16. März 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Den letzten beiden Beiträgen entnehme ich, dass es vielen nicht um eine Entpolitisierung der Kunst geht sondern darum, künftig die Kunst nicht mehr zu missbrauchen um eine gewisse Ideologie zu transportieren. Dass solches nicht nur in ausgewiesenen Diktaturen stattfindet sondern auch hier und jetzt in unseren Ländern, lässt sich schwer leugnen. Schon die Tatsache, dass wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts bedauernd feststellen müssen, dass die Kunst wieder einmal von Machthabenden missbraucht wurde um das Volk zu erziehen, zeigt uns, dass eine politische Kunst wichtiger ist denn je. Aber eben eine politische Kunst, die es sich NICHT einfach macht, nicht ausgetretene Wege geht und einen Opernstoff zum gefühlten tausendsten Mal in einem Konzentrationslager spielen lässt sondern auf die wahren politischen Probleme der Jetztzeit eingeht.

Diese Seite drucken

24. April 2017
13:16
zerbino
Member
Members
Forumsbeiträge: 56
Mitglied seit:
27. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Argus sagt

Völlig richtig, zurück zu den Wurzeln.
Kultur im Allgemeinen und Oper im Speziellen sollten primär unterhalten und bestenfalls aufzeigen, aber nicht ständig mit erhobenem Zeigefinger belehren und erziehen oder gar Ideologien vermitteln.
Und genau das ist der springende Punkt. Wenn ein wild gewordener Regisseur eine Neudeutung vermittelt und die Handlung anders als ursprünglich gedacht erzählt, ist man meist mitten in der Politik.
Genau das sollte verhindert werden, zumindest in diesem Forum.

Sehr richtig. Zurück zu den Quellen, auch den literarischen Quellen der jeweiligen Opern, und weg von der ständigen Beziehung auf die Jetztzeit und ihre (politischen und ideologischen ) Probleme. Operninhalte sind auch Bildungserlebnisse; man versetze sich dazu in die historische Vergangenheit und erweitere seinen auch historischen Horizont. Über nichts wurde so viel polemisiert wie über die vorgeschlagene Änderung der deutschen Erinnerungskultur. Ich sehe mit Genuss, wie das französische TV (mit dem vortrefflichen Stephane Bern, der übrigens jüdischer Herkunft ist) sein kulturelles "Patrimoine" pflegt und höchstes Vergnügen bereitet, mit aller gebotenen Parodie und Ironie, aber auch Hochachtung. Dann blicke ich wieder in das einseitige trübe deutsche TV mit seinen ideologischen Stereotypen und dem ständig erhobenen (unehrlichen) Zeigefinger und muss leider abschalten.

Diese Seite drucken

24. April 2017
09:55
Klein Zack
Member
Members
Forumsbeiträge: 58
Mitglied seit:
29. Juni 2016
sp_UserOfflineSmall Offline

Es fängt einmal damit an, daß der Mensch schon rein als Existenz ein politisches Wesen ist (das hat Aristoteles vor ziemlich geraumer Zeit ausgesprochen ...); wahrscheinlich kann sich nicht einmal ein absichtlich als Eremit auf einer einsamen Insel Lebender dieser Wesenhaftigkeit völlig entziehen; Polis = Gemeinschaft, Bevölkerung im Allgemeinen, Mitmenschen.
Und auch wenn wir den Begriff "Politik" auf das wohlbekannte "garstig(e) Lied" verkürzen, wird man sich ihr nicht gänzlich entziehen können, und wenn man noch so sehr um Desinteresse und innere Emigration bemüht ist. Diese Unmöglichkeit haben "die 68er" richtigerweise aufgezeigt. Daß damit aber auch verbunden war und ist, jedem Werk gewaltsam einen politischen, womöglich einförmigen succus aufzuokrtoyieren, ist natürlich ein böser Fehlgriff und bietet breitgefächerte Möglichkeiten für künstlerische Vergewaltigungen und sonstige Ärgernisse. Die (wenn schon notgedrungen anhand von Politrichtungen definierte) Breite eines Stückes bzw. dessen verbiegungsfreien Interpretation muß zumindest den Verfassungsbogen umfassen können und dürfen! Zensur etwa anhand von "politischer Korrektheit" ist ein Unding und grundsätzlich kunstfeindlich, und dezidierte "Lehrstücke" (auch wenn sie als solche geschrieben wurden) sind meist ohnedies nur zum Gähnen und per se überdies gehirngebrauchsfeindlich.
Ein Idealfall waren für mich die "Producers": köstliche Unterhaltung - und wenn man aufpaßt, gibt's darin eine Fülle von politisch relevanten Anspielungen. Der, der nicht aufpaßt, bekommt halt weniger Gegenwert für seine Karte, hat sich aber immer noch gut unterhalten.

Diese Seite drucken

24. April 2017
09:16
Amfortas
Member
Members
Forumsbeiträge: 64
Mitglied seit:
16. März 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Komisch irgendwie! Ständig hören wir, Kunst sei nur dann echte Kunst, wenn sie politisch sei. Vor allem von Linken hört man solche Aussagen regelmäßig. Wenn plötzlich Nicht-Linke politische Kunst machen, sei das unzulässig. Also was jetzt?

Diese Seite drucken

22. April 2017
12:45
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 172
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Völlig richtig, zurück zu den Wurzeln.
Kultur im Allgemeinen und Oper im Speziellen sollten primär unterhalten und bestenfalls aufzeigen, aber nicht ständig mit erhobenem Zeigefinger belehren und erziehen oder gar Ideologien vermitteln.
Und genau das ist der springende Punkt. Wenn ein wild gewordener Regisseur eine Neudeutung vermittelt und die Handlung anders als ursprünglich gedacht erzählt, ist man meist mitten in der Politik.
Genau das sollte verhindert werden, zumindest in diesem Forum.

Diese Seite drucken

21. April 2017
17:23
yamadori1994
Member
Members
Forumsbeiträge: 24
Mitglied seit:
2. Januar 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

michael koling sagt

In diesem Punkt muss ich yamadori vol und ganz zustimmen.
Ich ergänze aber noch um einen Satz. Man soll auch nur über Aufführungen diskutieren, die man selbst gesehen hat und nicht von einem einzelnen Bild - oft aus dem Zusammenhang gerissen oder nur Teile wiedergebend - über eine Inszenierung urteilen.

Vollkommen richtig, Michele.Ich bilde mir immer erst SELBST ein Urteil.

Diese Seite drucken

21. April 2017
16:56
michael koling
Member
Members
Forumsbeiträge: 29
Mitglied seit:
6. Juni 2013
sp_UserOfflineSmall Offline

In diesem Punkt muss ich yamadori vol und ganz zustimmen.
Ich ergänze aber noch um einen Satz. Man soll auch nur über Aufführungen diskutieren, die man selbst gesehen hat und nicht von einem einzelnen Bild - oft aus dem Zusammenhang gerissen oder nur Teile wiedergebend - über eine Inszenierung urteilen.

Diese Seite drucken

21. April 2017
16:19
yamadori1994
Member
Members
Forumsbeiträge: 24
Mitglied seit:
2. Januar 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich verstehe nicht, warum man nicht EINMAL in diesem Forum über Künstlerisches diskutieren kann, ohne daß gleich wieder politisiert wird.
Ich finde das wirklich zum Speiben!

Diese Seite drucken

No permission to create posts
Zeitzone des Forums: Europe/Vienna

Am meisten Mitglieder online: 80

Zurzeit Online:
8 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge:

Mitglieder:

Moderatoren:

Administratoren:

Forumsstatistiken

Gruppen:

Foren:

Themen:

Beiträge:

Neuste Mitglieder:

Dr Hans Peer, swbb, Pwolf, morosus, Toni, Ermione, Liesel, kafsabizarin, contealmaviva, Feldmarschall

Administratoren: