Der Neue Merker

Online Merker-Forum

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Themeninstrumentalisierung für Politisches
28. April 2017
19:50
lohengrin
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11. Mai 2012
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London fand ich sterbens (!) langweilig.
München ist zwar für den Zuschauer (!) ein Arbeitseinsatz, aber das Zeitgemälde hat mich überzeugt.
Von der Wiener Fassung kenne ich nur ein paar Fotos, naja, man/frau wird sehen, wenn man/frau Karten kriegt oder wenigstens den Stream sehen (und natürlich hööööören) kann.

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28. April 2017
18:59
Fanny
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Forumsbeiträge: 102
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2. Januar 2012
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<img src="http://der-neue-merker.eu/wp-c.....&quot; title="Wink" alt=

lohengrin sagt

"....welche die Gräuel der Robbespier'schen Schreckensherrschaft zu einem bunten historischen Bilderbogen verniedlicht."
Fanny, da können Sei aber nur die Rosamunde-Pilcher-Fassung aus London gemeint haben.

Nein, ich meinte eigentlich die Wienerische Variante von Rosamund PilcherWink Möglicherweise finden Sie im nächsten Jahr im direkten Vergleich das Original gar nicht mehr so schlimm....

lg Fanny

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28. April 2017
18:57
Fanny
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Forumsbeiträge: 102
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2. Januar 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Klein Zack sagt

zu fanny:
"ohne jede Doppelbödigkeit oder gar tieferen Sinn und völlig konträr zu dem, was mir die Musik erzählt"

MUSS denn alles (auch Hintergründiges!) überdeutlich bebildert werden??
Ich bitte z. B. die Regieanweisungen des Originaltextes zu beachten, die gerade bei Werken, die im Prinzip unter heute auch üblichen technischen und personellen (Theater)Bedingungen entstanden sind, wie das bei Janácek definitiv der Fall ist! WOLLTE der Komponist eine Sache, die in der Musik vorhanden ist, explizit darstellen lassen? Oder wollte er eine Parabel oder Fabel schreiben, die zwar "schöne" Bilder bietet, aber eben gerade DADURCH ihre Spannung und eben so eine Doppelbödigkeit erhält, daß die Musik (zeitweise) was anderes erzählt als der Text und das Bühnenbild? Ich weiß konkret beim Füchslein nicht, wie das ist, gebe es aber zu bedenken. Und gerade bei Janácek ist "Doppelbödigkeitsverdacht" sicher nicht weit hergeholt - man bedenke beim Füchslein z. B. den Dachs... Immerhin war J. ein ausgefeilter Musikdramatiker, der auch mit Effekten wie dem erwähnten umgehen konnte.

Holzhammer, Lehrstück, ewige Syntonien etc. sind FAAAAD!

In der Kunst gibt es für mich kein MUSS, sondern nur ein DARF. Natürlich darf ein Regisseur das Füchslein als harmlosen Kinderg'schnas inszenieren und ich darf dabei gähnen und einer vertanen Chance nachtrauern, nämlich der Chance, dieses Stück in all seinen Facetten realisiert zu sehen. (Wobei "all" natürlich zu hoch gegriffen ist, einige würden mir schon genügen!)

Einig sind wir uns in der Ablehnung von Holzhämmern, deshalb reagiere ich auch so allergisch auf den Holzhammerhumor von OS.

lg Fanny

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28. April 2017
09:10
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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zu fanny:
"ohne jede Doppelbödigkeit oder gar tieferen Sinn und völlig konträr zu dem, was mir die Musik erzählt"

MUSS denn alles (auch Hintergründiges!) überdeutlich bebildert werden??
Ich bitte z. B. die Regieanweisungen des Originaltextes zu beachten, die gerade bei Werken, die im Prinzip unter heute auch üblichen technischen und personellen (Theater)Bedingungen entstanden sind, wie das bei Janácek definitiv der Fall ist! WOLLTE der Komponist eine Sache, die in der Musik vorhanden ist, explizit darstellen lassen? Oder wollte er eine Parabel oder Fabel schreiben, die zwar "schöne" Bilder bietet, aber eben gerade DADURCH ihre Spannung und eben so eine Doppelbödigkeit erhält, daß die Musik (zeitweise) was anderes erzählt als der Text und das Bühnenbild? Ich weiß konkret beim Füchslein nicht, wie das ist, gebe es aber zu bedenken. Und gerade bei Janácek ist "Doppelbödigkeitsverdacht" sicher nicht weit hergeholt - man bedenke beim Füchslein z. B. den Dachs... Immerhin war J. ein ausgefeilter Musikdramatiker, der auch mit Effekten wie dem erwähnten umgehen konnte.

Holzhammer, Lehrstück, ewige Syntonien etc. sind FAAAAD!

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28. April 2017
08:35
lohengrin
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Forumsbeiträge: 386
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

"....welche die Gräuel der Robbespier'schen Schreckensherrschaft zu einem bunten historischen Bilderbogen verniedlicht."
Fanny, da können Sei aber nur die Rosamunde-Pilcher-Fassung aus London gemeint haben.

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27. April 2017
22:17
Fanny
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Forumsbeiträge: 102
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2. Januar 2012
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rgus,

Argus sagt

Fanny, wie setze ich die Klammer zwischen der Ablehnung der Inszenierung und dem Wunsch, Oper live zu hören? Die Divergenz zwischen Szene und Musik ist schwer zu lösen und ich begebe mich in ein Musiktheater und in keine Idelogiezentrale, auch in kein Kabarett (außer vielleicht beim Barbier oder beim Liebestrank).
Wie Sie aber richtig erkannt haben, ist Oper bei allen historischen Aspekten kein Geschichtsseminar - Hollywood und TV übrigens auch nicht.

Argus, dieses Dilemma kenne ich nur zu gut! Es stellt sich mir, wenn z.B. meine Liebe zu Janacek so groß ist, dass ich mir das "Schlaue Füchslein" trotz einer Inszenierung anschaue, die mir suggerieren will, dass es sich dabei nur um ein kitschiges Märchen handelt, ohne jede Doppelbödigkeit oder gar tieferen Sinn und völlig konträr zu dem, was mir die Musik erzählt.
Oder wenn meine Neugier, Jonas Kaufmann erstmals live als Andrea Chenier zu erleben, größer ist als meine Abneigung gegen eine Inszenierung, welche die Gräuel der Robbespier'schen Schreckensherrschaft zu einem bunten historischen Bilderbogen verniedlicht.
So hat halt jeder seine Crux......

lg Fanny

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27. April 2017
19:56
zerbino
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Forumsbeiträge: 59
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27. Dezember 2011
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Amfortas sagt

Geschätzter Klein Zack, Sie haben Recht mit der Feststellung, dass bereits die Nazis viele Opernproduktionen missbraucht haben um ihre Ideologie ans Volk zu bringen. Alle autoritären Regime machen das. Um so bedenklicher ist die Tatsache, dass seit den 70er-Jahren die Linken mit der Erfindung des modernen Regietheaters eine Methode entwickelt haben, um ihre Ideologie zu verbreiten und diese Methode bis heute zur Anwendung kommt.

Das ist sicher richtig. Gleichzeitig wird eine gewisse "politische Korrektheit" bei uns von Staats wegen gefördert. Wie ich aus erster Hand weiß, werden bestimmte Tendenzen in Inszenierungen ausdrücklich gewünscht und finanziell vom Staat unterstützt. Kein Regisseur ist frei vorzutragen, was er will. Vater Staat bestimmt die Richtlinien, nicht nur am Theater, sondern in der BRD auch allgemein in den Medien. Wodurch erklärt sich denn sonst, dass von der FAZ bis zur linkesten Berliner Zeitung vorbehaltlos gegen die AfD gehetzt wird. Auf der Bühne gilt ebenso, alle gegen "Rechts", was immer das sein soll. Ich warte seit Jahren darauf, einmal Wagners Ring adäquat dargestellt zu finden.

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27. April 2017
13:44
Argus
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Forumsbeiträge: 201
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18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Fanny, wie setze ich die Klammer zwischen der Ablehnung der Inszenierung und dem Wunsch, Oper live zu hören? Die Divergenz zwischen Szene und Musik ist schwer zu lösen und ich begebe mich in ein Musiktheater und in keine Idelogiezentrale, auch in kein Kabarett (außer vielleicht beim Barbier oder beim Liebestrank).
Wie Sie aber richtig erkannt haben, ist Oper bei allen historischen Aspekten kein Geschichtsseminar - Hollywood und TV übrigens auch nicht.

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27. April 2017
09:55
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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noch was zu spiderman: Das liegt kaum an AC (weil seine politischen Randbemerkungen führen höchst selten zu neuen Forums-threads) sondern eher daran, daß man bei einer Inszenierung von irgend einem Stück immer wieder eine zumindest nicht vordergründig vom Autor intendierte politischen Absicht merkt, die das jeweilige Inszenierungsteam dazuerfunden hat - und daher ist man verstimmt.
Und artikuliert diese Verstimmung in geeigneter Umgebung.

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27. April 2017
09:50
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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Klarer Fall von "Jo, eh!"
Die Parallelen sind tatsächlich ziemlich fatal.
Auf die Gefahr, langweilig zu sein, wiederhole ich dazu meine Leseempfehlung von Götz Aly's "Unser Kampf" - der arbeitet diese unguten Ähnlichkeiten der "jungen Progressiven" der 30er- und der 60er Jahre schön heraus. Er wurde natürlich von seinen ehemaligen "Mitkämpfern" fürchterlich beschimpft - aber in der Sache konnten sie ihn nicht widerlegen.

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27. April 2017
09:45
spiderman
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Forumsbeiträge: 40
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22. Februar 2012
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yamadori1994 sagt

Ich verstehe nicht, warum man nicht EINMAL in diesem Forum über Künstlerisches diskutieren kann, ohne daß gleich wieder politisiert wird.
Ich finde das wirklich zum Speiben!

Das liegt vermutlich auch daran, dass der Leiter der Seite selber jeden Tag seine politischen Ansichten (und höchst eindeutig welcher Richtung er selbst angehört) in den letzten Zeilen seiner täglichen Glosse mitteilt. Jetzt werde ich sicher gleich wieder gescholten. Nichts für ungut lieber Herr Cupak.

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27. April 2017
09:27
Amfortas
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Forumsbeiträge: 67
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16. März 2017
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Geschätzter Klein Zack, Sie haben Recht mit der Feststellung, dass bereits die Nazis viele Opernproduktionen missbraucht haben um ihre Ideologie ans Volk zu bringen. Alle autoritären Regime machen das. Um so bedenklicher ist die Tatsache, dass seit den 70er-Jahren die Linken mit der Erfindung des modernen Regietheaters eine Methode entwickelt haben, um ihre Ideologie zu verbreiten und diese Methode bis heute zur Anwendung kommt.

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27. April 2017
00:48
alcindo
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Forumsbeiträge: 114
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27. Dezember 2011
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guten abend Klein Zack: habe mir noch etwas mehr vom Don G aus Bruessel angeschaut und muss hoffen, dass die vorstellung jugendverbot war,
mit gruss alcindo

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26. April 2017
21:00
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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Da muß man sich ja mindestens 72 Stunden durchgehend in den so verlockenden Brüsseler "Freßgassen" herumgetrieben haben, um genug Material zu akkumulieren, daß man ausreichend k... kann, um der Inszenierung Gerechtigkeit angedeihen zu lassen! Wink
Wobei es durchaus schräge Inszenierungen gibt, die, freilich mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Eleganz gestaltet sind, ganz wunderbar funktionieren.

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26. April 2017
18:26
alcindo
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Forumsbeiträge: 114
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27. Dezember 2011
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apropos schweinerei, die muss weder von links oder von rechts kommen. gestern habe ich ein stueck Don Giovanni aus dem Theatre de la Monnaie gesehen. selbige schweinerei braucht weder links noch rechts. Donna Anna erschiesst im finale Don Ottavio. D Giovanni schneidet sich die kehle durch und wird noch als leiche von einem transvestiten vernascht. die kostueme und die farben auf der buehne koennen Sie sich vorstellen. fazit eines heute erfolgreichen regisseurs scheint zu sein: so hat das noch niemand gemacht...ob das der richtige weg in die zukunft der oper ist; und wie soll das weitergehen?

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26. April 2017
15:43
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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Werter Amfortas, das stimmt sicher. Aber ist natürlich keine Erfindung der 60er oder 70er - denn z. B. um den "Ring" in ein Stück über edle deutsche Helden zu verbiegen, muß man auch einiges GEGEN Wagners Text (der ja eigentlich nur fragwürdige Charaktere kennt...) inszenieren - und das genau geschah vor 1945.
Eines ist klar: ob die regisseurstheaterliche Schweinerei einem Stück eine ursprünglich nicht vorhandene rechte oder linke Tendenz aufdrückt - die Schweinerei bleibt die selbe.

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26. April 2017
13:34
Amfortas
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Forumsbeiträge: 67
Mitglied seit:
16. März 2017
sp_UserOfflineSmall Offline

Der moderne Regietheater, das die klassischen Werke der Opern- und Theaterliteratur vergewaltigt, ist eine Erfindung linker Regisseure aus den 70er-Jahren. Von Anfang an musste dieses Regietheater gegen den Widerstand des Publikums ankämpfen, aber Intendanten und Regisseure waren sich lange Zeit darüber einig, dass Opern- bzw. Theaterregie primär den Zweck hat, das Volk zu erziehen. Dass eine solche Erziehung überhaupt notwendig ist, erklärt sich dadurch, dass man die eigene Gesellschaft, in der man lebt, als etwas Erziehungsbedürftiges erlebt. Das moderne Regietheater entspringt also aus der selben Quelle wie all die anderen Versuche, die Gesellschaft nötigenfalls mit Gewalt umzumodeln.

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24. April 2017
22:58
alcindo
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Forumsbeiträge: 114
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27. Dezember 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Klein Zack, Sie schreiben mir hier einiges aus der seele: Tosca ist ganz einfach zeitmaessig genau fixiert(Marengo) und abweichungen gehen bei dem, der das stueck kennt ins laecherliche, in Lissabon habe ich eine Tosca gesehen, wo der Scarpia mit einem Chevrolet daherkam, was soll das? oder Baden Baden das schlachthausfinale. was soll man in der Manon denken, wenn von der postkutsche die rede ist, und die eisenbahn drueberfaehrt...
ganz richtig ist, dass die abstraktion eine sehr gute loesung ist "modern' zu inszenieren, das ueberlaesst dann der phantasie des zuschauers spielraum, was manche " spannend" finden, ist moeglicherweise die erwartung noch nie gesehener, aber meist unnoetiger regieeffekte. auf Mezzotv kommt jetzt bald wieder die Manon aus Bruessel mit den 2 Muenztelefonen, ist doch sicher "spannend" heraus zu finden, was die fuer eine rolle spielen, Danke, da ist mir die Wiener Tosca, obwohl schon etwas verstaubt, lieber, oder halbszenische auffuehrungen wie Harnoncourt sie im ThadW praktiziert hat....war vielleicht spaete einsicht ueber regietheater von ihm.
sehr gut Ihre bemerkung ueber die witzlosigkeit des witzes, den man erklaeren muss...deshalb die vielen einfuehrungsvortraege bei bekannten repertoireopern - Troubadour Wien, erklaeren warum man daneben geschossen hat. erklaeren wieso Leonora von " in questa oscura notte" singt, aber taghell beleuchtet wird, ja der spanische buergerkrieg, wo in der WSTO die roten prozessionen machen, wo sie aber 1938 kirchen pluenderten und geistliche ermordeten...ja da muss man halt erklaeren, auch was die frommen damen im hintergrund der 1.arie der Leonora vor der stretta dort eigentlich zu suchen haben: ablenken vom tollen gesang der AN, es muss halt auch "spannend" sein den tieferen sinn zu erhaschen. ich frage mich auch immer wieder nach dem sinn, dass in so vielen "modernen' inszenierungen so viele nackte oder halbnackte herumtummeln, also fuer einen saenger ist das keine gute loesung, singen ist schwerarbeit, man kommt ins schwitzen und kann sich leicht verkuehlen. aber will man damit ein neues publikum finden?
mit gruss alcindo

mit gruss alcindo

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24. April 2017
21:58
Klein Zack
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Forumsbeiträge: 58
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29. Juni 2016
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Es gibt vom freilich selbst als Regisseur nicht unumstrittenen Kurt Palm eine köstliche und absolut treffsichere Sottise: "Die Deutschen Regisseure inszenieren nicht das Stück, sondern ihre Neurosen - und die sind halt nicht abendfüllend".
Leute wie Otto Schenk lesen zuerst den Text und die originalen Regieanweisungen, überlegen sich daraus ableitbare Hintergründe, die Gedankenwelt der Verfasser und ihrer Umgebung usw., und machen daraus ihre Version des Stückes. Sogar ein "Extremist" wie Robert Wilson respektiert das Stück in diesem Sinne. Die von ihnen Geschätzten hingegen haben eine Vorstellung von irgendwas, das oft weitab des eigentlichen Stückes gelegen ist, und schnitzen sich die Oper dahingehend zurecht. Spätestens an der Musik, die zumindest seit Mozart & Da Ponte sehr genau Emotionen und nicht ausgesprochene Gedanken im Einklang mit dem und in Fortführung des Libretto transportiert, muß die Inszenierung dann natürlich crashen.
Abgesehen davon: nix ist so lähmend wie ein Witz, den man erklären muß. Und genau sowas passiert in Inszenierungen, die sich nicht aus dem Text ableiten und erspüren lassen. Die Textprompter haben sich da als recht gutes Mittel gegen regisseurstheaterliche Absurditäten erwiesen.
Mozart/Da Ponte ist überhaupt eine quasi Wasserscheide in der Operngeschichte: war es davor (und auch noch bei den höfischen Opern Mozarts) üblich, mit Stereotypen zu arbeiten, die sich an den (propagandistischen) Wünschen der Herrscher orientierten - Emotionen anderer Art gab es höchstens in klassischen Sagen als Stoff, die aber oft schlimm verbogen wurden, etwas zu einem happy end bei Orpheus & Eurydike - schrieb Da Ponte auf einmal völlig normale Menschen aus Fleisch und Blut auf die Bühne, mit natürlichen, komplexen Gedanken und Gefühlen. Und diese Errungenschaft ist der Opernwelt dauerhaft verblieben, auch als Herausforderung an Regie und Bühnenvolk. Fades Stehtheater, in dem "nur" (im besten Fall) schön gesungen wurde, wurde auch schon vor 100 oder 150 Jahren kritisiert.
Gerade die "Tosca" ist ein Paradebeispiel für ein in so vielen Parametern historisch und örtlich klar festgelegtes Stück, daß sich eine Abweichung so gut wie immer grausam rächt. Ob das dann opulent wie in der alten Wiener Inszenierung aussieht oder visuell abstrahiert daherkommt, das läßt sich diskutieren. Ob das Stück in den Irak verlegt wird, das läßt sich nicht diskutieren. Was freilich nichts an der Freiheit der Kunst des Regisseurs beschneidet - aber die schließt eben auch die Freiheit zu scheitern und einen Buh-Orkan zu kassieren ein.

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24. April 2017
20:48
Fanny
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Forumsbeiträge: 102
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2. Januar 2012
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Natürlich MUSS ein REgisseur eine "Tosca" nicht unter dem Aspekt einer "ahistorischen politischen Allmacht" inszenieren, aber er DARF es - das nennt man Freiheit der Kunst! Und der Zuschauer MUSS das nicht grenzgenial finden, sondern er DARF es als total bescheuert ablehnen - das nennt man Freiheit der Meinung.
Und was das in diesem Forum ständig angestimmte Lamento betrifft, die bösen "Regietheater"- Regisseure würden dem Publikum ihre Sicht auf das Stück aufzwingen: Das tut doch jeder Regisseur, egal ob er Otto Schenk oder Stefan Herheim oder wie auch immer heißt. Denn welche Sicht soll er denn inszenieren, wenn nicht die seine? Ihre oder meine Sicht dürfte er ja wohl kaum kennen, und die Vorstellung, dass es nur eine einzige legitime Interpretation gibt - die absolute Wahrheit sozusagen - kann doch keine ernsthafte Diskussionsgrundlage sein.

Wobei ich - und das ist meine subjektive Perspektive ohne jeden Anspruch auf Allgemeingültigkeit! - überhaupt nicht erpicht bin, MEINE Sicht auf ein Stück vorgesetzt zu bekommen. Die kenne ich ja, was mich interessiert, ist andere Sichtweisen kennenzulernen, Denkanstöße in völlig andere Richtungen zu bekommen, bis hin zur Infragestellung meiner bisherigen Position. Eine Inszenierung betrachte ich als spannenden Dialog zwischen dem Regisseur, dem Stück und mir als Zuschauerin, und wie jeder Dialog kann er natürlich auch misslingen, mich ratlos oder verärgert zurücklassen.

lg Fanny

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