Der Neue Merker

Online Merker-Forum

Wir begrüßen Sie beim Forum des „ONLINE-MERKER“. Sie sind eingeladen, in dieser Website Themen (vorwiegend aus dem Opern- und Theaterbereich) zu diskutieren.  

Rassistische bzw. beleidigende Äußerungen, Produktwerbung sowie politische Werbung in Form von Parteiwerbung werden vom Moderator umgehend gelöscht.

Beiträge, die nur zum Zweck der Provokation eingestellt werden, haben in diesem Forum nichts zu suchen.

Grundsätzlich verkehren unsere Diskutierenden per Sie miteinander, wenn sich Bekannte duzen wollen, ist das natürlich möglich, soll aber die Ausnahme sein, nicht die Regel. Höfliche Umgangsformen setzen wir voraus.

Das Forum wird eine Funktion erhalten, durch die es Ihnen möglich ist, mit einem Gesprächspartner unter Wahrung der eventuellen Pseudonyme direkten Kontakt aufzunehmen, sozusagen am Forum vorbei (bei Mitteilungen bzw. persönlichen Bemerkungen, die nicht von allgemeinem Interesse sind).

Das „Online-Merker“-Team

Diese Seite drucken

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

No permission to create posts
sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Operndirektor
28. Dezember 2016
09:29
Klein Zack
Member
Members
Forumsbeiträge: 21
Mitglied seit:
29. Juni 2016
sp_UserOfflineSmall Offline

Zum Bruch oder nicht nach Strauss: im 20. Jahrhundert, besonders nach 1945, haben sich die "ohrgängigeren" Opern nach ihrer Herkunft eher nach dem russischen Raum, GB und den USA verlagert.
Gerard Hoffnung, früh verstorbener liebevoll bis sarkastisch auf die Musikszene Blickender, hat im Rahmen eines seiner markerschütternder Konzerte einen bösartigen Sketch über "die Darmstädter" untergebracht, in dem ein "Karl-Heinz Jaja" eine Ansicht äußert etwa der Art "Wenn se Publikum says it leiks se Melodie, sis is BAD Musik".
WENN man schon einen Bruch in der Operngeschichte konstatieren will, dann beginnt es schon mit Tristan zu bröckeln, und irgendwo zwischen Pelléas et Melisande und Salome kracht es dann wirklich. Was nicht heißen soll, daß nicht später viele wieder um einiges hinter 1900 zurückkehrten (wenn auch nicht hinter Wagner). Und wenn ich "Pelléas..." und Saariahos "Amour de loin" nebeneinanderstelle, so hört sich das nicht unbedingt nach 100 Jahren Unterschied an, die man hingegen beim Vergleich der "Entführung" mit "Parsifal" durchaus merkt...

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
23:38
lohengrin
Member
Members
Forumsbeiträge: 143
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Fidelio halte ich überhaupt nicht für eine Oper; vergleichbar mit Damnation de Faust von Berlioz, sind hier Motive zu Beethovens Freiheitsgedanken dramaturgisch äußerst fragwürdig zusammen gestellt. Dass die Musik überragend ist, kann natürlich nicht in Zweifel gezogen werden! Haydn war auch so ein "gescheiterter" Opernkomponist... Nicht jeder Komponist, der symphonisch großartige Werke geschrieben hat, hatte auch ein Händchen für die Bühne. Mahler, obwohl / oder weil Operndirektor, hat gar kein entsprechendes Werk hinterlassen (wer weiss ob es Pläne gab?).

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
23:19
andronico
Member
Members
Forumsbeiträge: 40
Mitglied seit:
10. April 2015
sp_UserOfflineSmall Offline

Naja, der Fidelio halte ich schon für eine erstrangige Oper. Bei Schubert kann man sicher streiten, die Musik ist für mich großartig, ob es die Opern sind ist fraglich, denn die Werke tun sich doch sehr schwer es ins Repertoire zu schaffen.

Johann Strauß und die anderen Operettenkomponisten könnte man nennen, aber ich finde es verwunderlich, dass Wien, obwohl damals sicher mit DIE Musikmetropole der Welt und Österreich doch recht wenig Opern in dieser Zeit hervorgebracht haben. Dvorak und Smetana könnte man zu Österreich zählen, aber die Werke sind ja fast alle explizit tschechisch komponiert, also eher in einer bewussten Abgrenzung zu Österreich und der deutschen Sprache. Wilhelm Kienzl fällt mir noch ein.

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
23:04
lohengrin
Member
Members
Forumsbeiträge: 143
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Andronico:".... Interessant ist auch, dass nach Beethoven und Schubert ein gewisser Mangel in Österreich entstanden ist, was erstrangige Opernkomponisten angeht...."
Es ist mir völlig neu, dass Beethoven und Schubert erstrangige Opernkomponisten waren. Da hab ich was verschlafen! Beethoven hat es einmal probiert und bei Schubert hats auch nicht wirklich gut geklappt....
Sonst stimme ich Ihnen Ausführungen durchaus zu.
Komme eben von einer sehr witzigen, modern inszenierten Nozze in einem "deutschen Provinztheater" und bin ganz begeistert, szenisch wie musikalisch!

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
21:27
andronico
Member
Members
Forumsbeiträge: 40
Mitglied seit:
10. April 2015
sp_UserOfflineSmall Offline

Die Analyse, dass die Musikgeschicht von Monteverdi bis Richard Strauss mehr oder weniger bruchlos verlaufen ist und dann der große Bruch kam würde ich nicht teilen. Die Geschichte der Oper ist voller Brücher, und mancher Komponist, der heute gerade von Konservativen höchst verehrt wird war in seiner Zeit die Spitze der Avantgarde, oft heftig bekämpft von den eher Konservativen seiner Zeitgenossen (man lese nur mal, was Hanslick oder Brahms so von den Kollegen Wagner oder Bruckner hielten, um eines der bekanntesten Beispiele zu nehmen). Der Schritt, den Schönberg, Berg und andere gegangen sind war konsequent und zwingend, also nicht der radikale Bruch, als den wir ihn heute vielleicht oft empfinden. Auch Mahler und Strauss sind an die Grenze der Tonalität gestoßen. Strauss hat nach der Elektra den nächsten logischen Schritt gescheut und ist einen andere Weg gegangen, den zwangsläufigen Lauf der Entwicklung konnte er so dennoch nicht aufhalten.

Gerade den vielleicht bedeutendste Opernkomponist deutscher Sprache im 20. Jahrhundert, Alban Berg sollte doch vor allem in Wien höchste Ehre gebühren (2017/18 soll eine neue Lulu an der Wiener Staatsoper kommen). Interessant ist auch, dass nach Beethoven und Schubert ein gewisser Mangel in Österreich entstanden ist, was erstrangige Opernkomponisten angeht (oder hab ich wen vergessen grob zwischen 1830 und 1900?), eine Lücke, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts, dann aber umso eindrücklicher geschlossen wurde mit der 2. Wiener Schule. Auch sind viele Opern des 20. Jahrhunderts längst ins Repertoire eingegangen, von Britten, Schostakowitsch, Prokoffiev, Berg, B. A. Zimmermann, Reimann, Bartok, Poulenc, Messiaen, Janacek, Martinu, Zemlinsky, Schreker, Krenek, Hartmann, Nono, Ligetti, Hindemith, Henze. Auch zeitgenössische Oper kann fesselnd sein, von Reimann bis Widmann, von Ades, Benjamin bis Rihm, Philip Glass, John Adams etc. etc.. Dabei ist die Tonsprache all dieser Komponisten sehr unterschiedlich, durchaus nicht immer atonal. Und ich denke, da haben viele Opernhäuser, nicht nur in Wien oder München noch vieles zu entdecken oder wieder zu bringen. Und natürlich ist es die Aufgabe der Opernhäuser, neue Opern in Auftrag zu geben, was ja auch D. Meyer gemacht hat. Die besten Komponisten unserer Zeit müssen unbedingt auch verführt werden für das Musiktheater zu schreiben.

Und ich kann durchaus nachvollziehen, dass man sich mit moderner Oper schwer tut. Das geht mir oft auch so, allerdings bin ich schon oft auch positiv überrascht worden.

Was mich in der ganzen Debatte im den neuen Operndirektor als Nicht-Österreicher sehr irritiert, ist, dass dauernd parteipolitsche Erwägungen, Vorurteile, auch Beschimpfungen ins Spiel gebracht werden - "der rote Minister beruft einen roten Operndirektor" - da wäre ja dann bei dem Umweg über eine "rote Findungskommission" auch so passiert - denn der Wunsch nach der Findungskommission beinhaltet ja vermutlich die Hoffung, dass diese eine andere Person berufen hätte, was aber reine Spekukation ist.

Vielleicht ist das ja wirklich so politisch in Wien, ich weiß es nicht. Aus Deutschland kenn ich das so eher nicht. In Bayern regiert ja bekanntlich seit 60 oder 70 Jahren immer die CSU, meist mit absoluter Mehrheit, und der Staatssekretär im Kunstministerium, der im Wesentlichen Personalien wie Intendanz und GMD der Bayerischen Staatsoper entscheidet (wie der Name schon sage eine Einrichtung des Freistaats Bayern, nicht der Stadt München, die traditionell eher SPD regiert ist), ist sicher ein mindestens der CSU gewogener Mann (vermutlich ein strammer Parteisoldat), dennoch wurde meines Wissens noch nie groß über Parteipolitik bei solchen Personalien gesprochen. Und mit Sir Peter Jonas, Nikolaus Bachler oder Martin Kusej hat man, würde ich behaupten, immer wieder Leute berufen, die nun persönlich eher nicht im konservativen Spektrum zu verorten sind und auch in der Spielplänen durchaus nicht das machen, was sich mancher CSU-Grande wünschen mag. Dennoch lässt man den Künstlern freie Hand. Es spielt einfach keine Rolle (zu Franz Josef Strauß' Zeiten mag das noch anders gewesen sein), weil sich die Politik in nicht in die Gestaltung der Spielpläne einmischt (es mag gelegentlich Versuche in dieser Richtung geben, worauf aber die Öffentlichkeit in der Regel sehr empfindlich reagiert). Und weil es in der Regel einfach darum geht einen geeigneten Kandidaten zu finden. Ich hoffe, das wird auch bei der Berufung der Nachfolger von Bachler und Petrenko wieder so gehandhabt werden.

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
20:04
Klein Zack
Member
Members
Forumsbeiträge: 21
Mitglied seit:
29. Juni 2016
sp_UserOfflineSmall Offline

upps natürlich müßte mein post mit argus beginnen!! TschuldigenS, Schwanenritter!

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
20:00
Klein Zack
Member
Members
Forumsbeiträge: 21
Mitglied seit:
29. Juni 2016
sp_UserOfflineSmall Offline

Lohengrin: "je mehr Menschen in Entscheidungen eingebunden sind, umso demokratischer sind die Strukturen"
Das ist - gesagt aus rund 40 Jahren Erfahrung als Mitglied diverser Gremien - KEINESwegs die automatische und garantierte Folge, eine Art "Naturgesetz"; siehe auch das schon zitierte Buch über die "68er": da hat sich auch letztendlich, bei aller vorgeblicher Demokratie, ein ideologisierter Klüngel durchgesetzt.... das ganze dann vielleicht noch durch das (Animal farm schau owa!) pleonastische Bemäntelungswort "Volksdemokratie" (was heißt denn "demos"?) garniert.
Schon gar nicht ist gesagt, daß die Entscheidungen, soweit das überhaupt objektivierbar ist, "besser" werden - manches ist eben nur von Spezialisten überblickbar, und leider gibt es die unentrinnbare Tendenz aller Systeme, mit fortschreitendem Alter immer komplexer zu werden. Z. B.: eine juridische Konstruktion, die verschiedenste Interessen nach bestem Wissen und Gewissen, womöglich noch unter Berücksichtigung verschiedener höchstrichterlicher Entscheidungen, einigermaßen fair berücksichtigen will, läßt sich nicht mehr ehrlich und umfassend auf der Dorfallmende abhandeln.
Und die Entscheidung, wer Operndirektor werden soll, ist - nicht nur meiner Meinung nach - eben auch nicht prototypisch für eine "demokratische Entscheidung" geeignet: WER soll denn entschieden? Eine (eh vom Minister und vielleicht noch ein, zwei seiner Vertrauten zusammengesetzte) "Findungskommission"? Letztendlich wird's wohl eh darauf hinausgelaufen sein, denn ich kann mir nicht recht vorstellen, daß der Minister nicht zwei, drei, vier oder mehr Leute zumindest informell nach ihrer Meinung und Empfehlung gefragt hat - immerhin kostenlos, eine offizielle Kommission hätt man zahlen müssen (samt dem vielleicht noch wesentlich teureren Verwaltungsaufwand). Oder hätte man die Entscheidung den "Freunden der Wiener Oper" überlassen sollen? (Jessmarandjoosef, da könnten womöglich auch einige dabei sein, die Zeitgenössisches auf der Bühne erleben wollen?!) Oder der Wiener Hoteliersvereinigung (die hängt vielleicht auch dem naiven und jedenfalls irrtümlichen Glauben an das Gute, Wahre und Schöne an)? Dem Betriebsrat der STOP?
Ich denke daß irgendwer, den Operntheater genug interessiert, um hier herum oder auf anderen einschlägigen Seiten mitzudiskutieren, unzufrieden gewesen wäre, egal wie die Entscheidung zustande gekommen und ausgefallen wäre.
Jetzt ist sie nun einmal gefallen, und 2020 werden wir sehen und hören, was ihre Konsequenzen sind. Vor der ersten Spielplan-PK von Dr. Roscic wird man sich schwer tun, mit anderen Informationen als solchen aus der Gerüchteküche zu "argumentieren", und sowas ist dann halt nicht rasend seriös...

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
19:48
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Erlaubt ist, was gefällt oder de gustibus non est disputandum.
Gehen Sie zu Britten, der aber ohnehin schon zum Repertoire zählt, und lassen Sie mir meine Musikwelt. Aber vielleicht ist das die Ausnahme, die die Regel bestätigt, dass nach RS nichts mehr nachgekommen ist.

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
18:18
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 5
Mitglied seit:
15. Februar 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Argus sagt

Lohengrin, früher gab es scheinbar mehr Konsequenz und weniger Brüche in der Entwicklung der Musik. Von Monteverdi über Bach bis Mozart und Beethoven, die opernaffinen Italiener mit Verdi als Höhepunkt bis hin zu Puccini, die Franzosen, die Spätromantiker und bis hin zu Mahler war ein klarer Entwicklungsbogen erkennbar, der so um die Zeit von WK I (scheinbar Musikdadaismus) abrupt geendet hat, mit Ausläufern in die 20er- und 30er-Jahre (Turandot, Spätwerke von R. Strauss). Mit 12-Ton und sonstiger atonaler Musik (fast ein Oxymoron) begibt sich das Genre auf eine tiefere Ebene. Wer Verdi oder Gounod schätzt, kann beispielsweise mit dem "Riesen vom Steinfeld" nichts am Hut haben. Früher galt in der Kunst das "Wahre, Gute und Schöne" als Maßstab. Wenn man das umdreht, kommen "Lüge, das Schlechte und das Hässliche" zum Vorschein - wollen wir das unter dem Tarnmantel des Realitätsbezugs und der Modernisierung?

Um Himmels willen... es gibt offenbar noch genügend Opernbesucher, die glauben, dass nach Richard Strauss nix Gscheites mehr gekommen wäre und dabei mit Pauschalisierungen nur so um sich schmeißen... Mir ist zum Beispiel Brittens Peter Grimes ca. 1000mal lieber als alle italienischen Opern zusammen, aber trotzdem mag ich Verdis Simon Boccanegra, wie ich auch keine Abneigung gegen Cerhas Opern empfinde... Es ist nicht alles so schwarz-weiß, wie Sie sich das vorstellen. 😉

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
17:01
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Lohengrin, früher gab es scheinbar mehr Konsequenz und weniger Brüche in der Entwicklung der Musik. Von Monteverdi über Bach bis Mozart und Beethoven, die opernaffinen Italiener mit Verdi als Höhepunkt bis hin zu Puccini, die Franzosen, die Spätromantiker und bis hin zu Mahler war ein klarer Entwicklungsbogen erkennbar, der so um die Zeit von WK I (scheinbar Musikdadaismus) abrupt geendet hat, mit Ausläufern in die 20er- und 30er-Jahre (Turandot, Spätwerke von R. Strauss). Mit 12-Ton und sonstiger atonaler Musik (fast ein Oxymoron) begibt sich das Genre auf eine tiefere Ebene. Wer Verdi oder Gounod schätzt, kann beispielsweise mit dem "Riesen vom Steinfeld" nichts am Hut haben. Früher galt in der Kunst das "Wahre, Gute und Schöne" als Maßstab. Wenn man das umdreht, kommen "Lüge, das Schlechte und das Hässliche" zum Vorschein - wollen wir das unter dem Tarnmantel des Realitätsbezugs und der Modernisierung?

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
16:04
lohengrin
Member
Members
Forumsbeiträge: 143
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Argus: "....Die Menschen wollen etablierte, bewährte Musik in anständigen Inszenierungen und gut besetzt, keinen Klamauk mit Musik oder politisch eingefärbte Auftragswerke von politischen Günstlingen........"
Was für ein Glück,dass die Menschen früher offener und experimentierfreudiger waren, sonst hätte es die gesamte derzeitige Opernliteratur gar nicht gegeben!
So was "etabliertes, bewährtes" hab ich eben in Berlin gehabt. War wirklich nett, aber trotz guter Sänger keineswegs über den Tag hinaus bemerkenswert. Derartiges braucht doch nur ein Publikum, das sich das Denken bereits abgewöhnt hat und nur mehr konsumiert.
Dafür so ein gewaltuges Unternehmen aufrecht zu erhalten, ist nicht angemessen. Es muss wirklich mehr leisten als reinen Zeitvertreib.

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
16:02
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Klein Zack, je mehr Menschen in Entscheidungen eingebunden sind, umso demokratischer sind die Strukturen und gipfeln in der direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild, wo zu wichtigen Themen jeder einzelne Bürger befragt wird und auch ergebnisorietiert entschieden wird - et vice versa!

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
15:58
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Es ist natürlich auch die Art der Bestellung, die mich stutzig gemacht hat, ein reines Politikum, aber weniger die Person und die damit verbundene Berufsbiografie, sondern seine Ankündigungen als gefährliche Drohung, gleichermaßen alles ändern zu wollen. Wohin Reformen um der Reformen willen führen, sieht man in der Politik, speziell derzeit in der Bildungspolitik, wo eine überforderte und weitgehend inkompetente Ministerin, die scheinbar von Pädagogik weder in der Theorie und schon gar nicht in der Praxis irgend etwas versteht, nur mehr wild um sich schlägt, um von den eigenen Defiziten abzulenken und glaubt, dass mehr Autonomie die Qualität des Outputs verbessert. Diese Art von Politik ist im Kulturbetrieb mehr als entbehrlich.
Was will der zukünftige WSO-Dir. groß ändern und zeitgemäßer gestalten? Die Menschen wollen etablierte, bewährte Musik in anständigen Inszenierungen und gut besetzt, keinen Klamauk mit Musik oder politisch eingefärbte Auftragswerke von politischen Günstlingen oder Angehörigen gleicher Netzwerke, was letztlich wieder nur dem Proporz und der unqualifizierten Geldzuschieberei im weitesten Sinn entspricht.
Nochmals: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Basta.

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
11:19
Klein Zack
Member
Members
Forumsbeiträge: 21
Mitglied seit:
29. Juni 2016
sp_UserOfflineSmall Offline

Zu "argus", weiter unten: Diktatur ist NICHT als Entscheidung durch eine Einzelperson definiert!

Wenn man alles und jedes durch Kommissionen etc. nach Mehrheit entscheiden ließe (vorbehaltlich der Zusammensetzung besagter Kommissionen, die ja auch allerhand ... Möglichkeiten bietet, wie hier mehrfach völlig richtig angesprochen), würde nach kürzester zeit eine völlige Administrationsblockade herauskommen - siehe die "Räte-Leidenschaft" der "68er"; bitte dazu u. a. nachzulesen im vielleicht nicht ganz wissenschaftlichen, aber mit Herzblut und Ehrlichkeit geschriebenen Buch "Unser Kampf" von Götz Aly.
SELBSTVERSTÄNDLICH muß es Entscheiderinnen und Entscheider geben! Genau das ist ja eine Krankheit unserer Zeit, daß quasi niemand mehr Verantwortung übernehmen will und jegliche Entscheidung an einen Arbeitskreis (bekanntlich das ultimative Symptom das nicht-weiter-Wissens) oder ähnliche Gremien abgibt und sich für seine Mutlosigkeit und Verantwortungsabschiebung als großer Demokrat feiern läßt. Wenn der maßgebliche Gesetzgeber (sei es das Volk direkt, seien es dessen verfassungsgemäß amtierende Vertreterinnen und Vertreter im Parlament) bestimmt hat, daß gewisse Entscheidungen in den Händen der und der verantwortlichen Einzelperson liegen, dann ist das natürlich mit einer demokratischen, gesetzeskonformen Verfaßtheit zu vereinbaren und keineswegs Symptom einer Diktatur!

Wohlgemerkt betrifft dieses post nur die Einschätzung der Vorgangsweise des Ministers, nicht deren personelle bzw. sachliche Richtigkeit und schon gar nicht das seitens Drx. Wagners, Anton Cupaks und anderer richtigerweise angesprochene "Rätsel" des "Anrufes durch eine bislang unbekannt bleiben müssende Person"...

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
07:54
lohengrin
Member
Members
Forumsbeiträge: 143
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber AC!
Schön, dass Sie sich die Mühe einer so ausführlichen "Antwort" machen. Mein Eindruck war schon der, dass "der Minister einen Ungeeigneten ausgewählt hat". Das trifft nicht nur den Minister, sondern auch seinen Favoriten.
Jetzt warten wir mal in Ruhe, welche Egebnisse hereintröpfeln -so alt sind wir nun auch noch nicht (bin etwa in Ihrem Alter)- und dann mögen die (sachlichen) Wogen hoch gehen!
Angst vor etwas Neuem sollten auch wir Älteren nicht haben.
LG
Lohengrin

PS: Ich war am Christtag in der Boheme in der Deutsch Oper Berlin; "süß", schön gesungen, brav musiziert, Festtags-Bonbon halt, mehr brauchte es auch nicht unbedingt zu sein). Meie Tochter meinte: "sehr gute Hausmannskost".........

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
07:13
ac
Administrator
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
8. November 2011
sp_UserOfflineSmall Offline

Sehr geehrte(r) "Lohengrin"

Nicht Herr Roscic, sondern die Art der Bestellung wurde kritisiert. Der "Online-Merker" besteht aus Einzelmeinungen, ist keineswegs die Summe der Meinungen.

Ich als Herausgeber habe nie gegen Herrn Roscic angeschrieben, weil ich ihnen für einen bltzgescheiten Top-Manager halte - und von den Alternativen hat mich keine begeistert.

Kritisiert wurde bei uns in erster Linie der Minister, der den von ihm so salopp hingeworfenen Begriff "Staatsoper 4,0 nicht einmal im Ansatz erklären konnte. Bogdan Roscic war der Lichtblick bei dieser Präsentation, über die beiden anderen Herren möchte ich mich hier nicht äußern! Es wird von mir auch nicht als Todsünde empfunden, bei Oe3 tätig gewesen zu sein, denn ich bin nicht stolz darauf, noch nie im Leben Oe3 gehört zu haben. Im Gegenteil ich höre auch Oe3, denn ständig nur Oper zu hören, würde mich verrückt machen. Herr Roscic war nach dieser (von mir gar nicht als solche empfundenen) Jugendsünde viele Jahre erfolgreich im Klassik-Bereich tätig, gar so "exotisch" ist diese Bestellung also gar nicht.

Wie gesagt, bei uns im Online-Merker herrscht Meinungsfreiheit, keine Blattlinie.

Ich bin gespannt auf Bogdan Roscic und hoffe, ihn noch als Staatsoperdirektor zu erleben (so jung bin ich nun auch wieder nicht)

Grüße

Cupak, Herausgeber

PS: Zu der von Ihnen angesprochenen "Chance". Nur wenige Menschen bekommen eine Chance dieses Ausmaßes. Die hat Herr Dr. Roscic nun. Dass er sich keine Fehler leisten kann, weil beim geringsten alle, die es ohnedies immer gewusst haben, über ihn herfallen würden, weiß er, wie sich übrigens alle bisher von Herrn Roscic zum Thema geäußerten Meinungen wohltuend vom Gelabbere der anderen Partner bei dieser Präsentation unterscheiden!

Diese Seite drucken

27. Dezember 2016
00:07
lohengrin
Member
Members
Forumsbeiträge: 143
Mitglied seit:
11. Mai 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Was in den Tageskommentaren von treuen "alten" Merker-Autoren zu lesen ist, macht mir Angst. Ich dachte "Hexenjagd" wird derzeit im Burgtheater gespielt............
Da wird ein Mensch, der in seinem Leben schon einiges geleistet hat und in der Klassik-Welt sich einen Namen gemacht hat, ausgewählt, ein großes, ja - auch wichtiges, Opernhaus in 3 1/2 Jahren zu übernehmen und für -vorerst- Jahre zu leiten. Es wird ihm jedoch in langen Artikeln jede Fähigkeit dafür abgesprochen.
Weil der Mann in jungen Jahren einen österreichischen Staatssender der Pop-Branche erfolgreich gemacht hat, soll er ungeeignet sein, ein Opernhaus zu führen? War den derjenige, der in etwa demselben Alter Schreibmaschinen verkauft hat, für einen solchen Posten geeignet? Zürich hat sehr von dem Herrn profitiert, nur in Österreich wollte man den Österreicher nicht haben.........
Nach meinem Dafürhalten spricht aus der Vorverurteilung die Angst vor jeglicher Veränderung und vor einer schwer - in wienerischer Manier - einzuwickelnden Persönlichkeit. Die als "diplomatisch" eingestufte Art (habe mir heute mal wieder ein Tondokument mit Herrn Meyer von fast 1 Stunde angehört) des gegenwärtigen Intendanten ist doch kaum mehr als Anbiederung.
Jedem Menschen muss man eine, manchmal auch 2 Chancen geben, so auch dem designierten Wiener-Staatsopern-Direktor ab 2020. Oder ist das in Wien zu viel verlangt?

Diese Seite drucken

24. Dezember 2016
18:25
andronico
Member
Members
Forumsbeiträge: 40
Mitglied seit:
10. April 2015
sp_UserOfflineSmall Offline

Da schließe ich mich gerne an! Frohe und friedliche Weihnachten, danke für die interessanten Diskussion, und vor allem danke an AC und das ganze Merker-Team, dass Sie dies hier alles möglich machen!

Auf ein gutes neues Jahr 2017 mit vielen schönen Opernerlebnissen! Alles Gute an alle Mitforisten!

Diese Seite drucken

24. Dezember 2016
15:17
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Frohe Weihnachten an alle im Forum, danke den Bemühungen von ac und auf ein besseres (Opern-) Jahr 2017.

Diese Seite drucken

24. Dezember 2016
11:01
Argus
Member
Members
Forumsbeiträge: 86
Mitglied seit:
18. Juni 2012
sp_UserOfflineSmall Offline

Eine Abstimmung innerhalb einer Expertengruppe ist zumindest demokratischer als eine One-Man-Show.
Ich mag Churchill nicht besonders, aber jetzt sollte man ihn zitieren, nämlich wie er das Prinzip Demokratie relativiert hat.

Diese Seite drucken

No permission to create posts
Zeitzone des Forums: Europe/Vienna

Am meisten Mitglieder online: 80

Zurzeit Online:
10 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge:

Mitglieder:

Moderatoren:

Administratoren:

Forumsstatistiken

Gruppen:

Foren:

Themen:

Beiträge:

Neuste Mitglieder:

Hannesi, Stiglmayr, arthurjones, MaxKeller, hugin, Frasquinetta, Opera, airolf, qwertz123, Eugen

Administratoren: