Der Neue Merker

Ferruccio FURLANETTO – vor allem ein starker Darsteller mit Herz

Ferruccio Furlanetto – nicht nur Sänger, sondern vor allem ein starker Darsteller mit Herz

Interviews über den Werdegang von KS Ferruccio Furlanetto gibt es in ausreichender Menge. Kürzlich erschien Furlanettos neue CD mit Franz Schuberts Winterreise, und im April war der Sänger in der Staatsoper erneut als Boris Godunow zu bewundern. Das folgende Gespräch drehte sich daher vor allem um die Winterreise und um Operninterpretationen.

Von Renate Publig


Ferruccio Furlanetto. Foto: Renate Publig

Herr KS Furlanetto, Österreich kennzeichnet viele Meilensteine in Ihrer Karriere, ein weiteres Beispiel dafür ist Ihre jüngste CD mit Schuberts Winterreise. Was bedeutet dieses Land und seine Musik für Sie?

Nun, ich komme aus Friaul, dessen Bewohner dem Nachbarland Österreich immer stärker verbunden waren als Italien. Debütiert habe ich in Triest, aber es lag nahe, Auftritte in Österreich zu machen! 1985 sang ich meinen ersten Figaro an der Wiener Staatsoper, zwei Jahre später folgte der Leporello in Salzburg. Mittlerweile habe ich hier eine Wohnung, Wien heißt für mich, nach Hause zu kommen!

Ihre CD wurde bei Prestige Classics, einem kleinen, unabhängigen Label aufgenommen, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

In den 90er Jahren studierte ich mit Alexis Weissenberg Lieder von Mussorgsky und Rachmaninov ein, die präsentierten wir es auch in einem Liederabend im Musikverein. Diese Lieder sollten auf CD aufgenommen werden, unglücklicherweise ist der Klassikzweig von Sony kollabiert. Nach der Erkrankung von Weissenberg wollte ich diese Lieder erst lange Zeit nicht singen, bis mein Management vorschlug, diese Zyklen mit dem jungen ukrainischen Pianisten Igor Tchetuev zu machen. Das hat sehr gut geklappt, mein Manager hatte dann die Idee, eine CD mit einem jungen Label, mit Prestige Classics aufzunehmen, mittlerweile gibt es die zweite CD, die Winterreise. Es war einfach Schicksal!

Operngesang unterscheidet sich wesentlich von Liedgesang, wo liegen für Sie persönlich die größten Unterschieden, die größten Herausforderungen?

Ein Liederabend erfordert mehr Konzentration, Winterreise zu singen bedeutet über eine Stunde lang volle Konzentration auf Text, Klangfarben etc. In der Oper hat man doch zwischendurch Pausen. Es ist schön, in der Oper für ein paar Stunden einen anderen Charakter anzunehmen, wie Filippo oder Don Quichotte – im Lied ist man aber viel präsenter, man muss mehr Farben zeigen.

Wo liegen für Sie die Unterschiede zwischen Orchester- und Klavierbegleitung?

Wenn man die Chance hat, mit einem Pianisten wie Weissenberg zusammenzuarbeiten, erlebt man eine unglaublich tiefe musikalische Zusammenarbeit, man geht viel unmittelbarer auf einander ein und erzielt dadurch ein feineres Ergebnis. Ich fühle mich richtig geborgen, auch jetzt mit Tchetuev! In meiner langen Opernkarriere ich kann mich nicht erinnern, dieses Gefühl der Geborgenheit bei Orchesterbegleitung zu haben. Es ist natürlich viel schwieriger für einen Dirigenten, einen Sänger mit einem Orchester zu begleiten! Das habe ich nur bei Karajan erlebt, auch mit Solti, dessen resche Tempi fantastisch waren.

Wie kam es zur Winterreise?

Ich habe mit der Winterreise um 1992 begonnen, mit Weissenberg, Mitte der 90er Jahre war sogar eine Aufführung geplant. Aber ich habe festgestellt, dass ich noch nicht reif dafür war. Jetzt, 17 Jahre später sind auf einmal die Klangfarben da, meine Seele war bereit. In all diesen Jahren habe ich viele Versionen angehört, manche empfand ich „nur“ schön. Die Aufnahme, die wirklich zu mir gesprochen hat, war jene von Hans Hotter aus 1943. Für diesen Künstler hatte ich immer eine starke Vorliebe, ich kann sehr gut nachempfinden, was er mit seinem Gesang ausdrücken möchte.

In einer fremden Sprache zu singen ist eine besondere Herausforderung. Wie bereiten Sie sich auf einen Zyklus wie „Winterreise“ vor?

Man muss die Texte sowohl sprachlich, als auch inhaltlich verstehen, man muss genau wissen, wovon man gerade singt. Dann muss man an der Aussprache arbeiten, aber genauso die richtigen Klangfarben für eine Sprache finden. Was für Italienisch gut klingt, muss nicht automatisch für Deutsch passen! Für die Winterreise habe ich in Wien Menschen, denen ich in sprachlichen Fragen vertraue. Ich habe ein gutes Gespür für Sprachen, das nenne ich mein musikalisches Ohr, und natürlich versuche ich, das einzusetzen!

Musik und Interpretation sind sehr persönliche Angelegenheiten. Sie haben Forstwirtschaft studiert, ein Studium, das sehr viel mit Natur zu tun hat.
Auch die Winterreise ist eine Wanderung durch die Natur, durch die sich verändernde Landschaft – auch wenn diese natürlich die inneren Zustände und Vorgänge widerspiegelt?

Da muss man schon früher ansetzen, ich ging in eine humanistische Schule, mit Latein, Altgriechisch, Italienische Geschichte usw. Damals fragte ich mich, warum ich mich mit diesen Fächern beschäftigen muss, heute bin ich froh darüber, es ist eine sehr gute Erziehung für einen offenen Geist! Es hat dazu geführt, dass ich mich mit Forstwirtschaft beschäftigt habe, dadurch habe ich meine Affinität zur Natur, ich nehme meine Umgebung, die Menschen, die Sonne, den Regen wahr. Wenn man dieses Stadium erreicht hat, ist man bereit, die Winterreise zu singen. Nicht lediglich auf Schöngesang zu achten, was natürlich wichtig ist, sondern diese Gefühle ausdrücken zu können, diese Veränderungen wahrzunehmen, die sich in der Natur und in einem selbst abspielen. Es ist vielleicht berührender, Klänge zu finden, die vielleicht nicht ganz so „rein“ sind, die aber zum Publikum „sprechen“!

Gibt es in dem Zyklus Lieder, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Als ich mit dem Einstudieren begonnen habe, hatte ich mehrere Lieblingsstücke. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr Stücke sind es geworden, und mittlerweile liegen mir alle am Herzen! Wenn ich mich entscheiden muss, dann „Auf dem Fluss“, „Die Krähe“, oder „Das Wirtshaus“. Und natürlich „Die Nebensonnen“ – das ist meiner Meinung nach das letzte Lied, bei dem der Wanderer noch am Leben ist, für mich ist der „Leiermann“ quasi die Null-Linie des Enzephalogramms.

Am 21. August wird es die Winterreise beim Carinthischen Sommer geben, sind weitere Aufführungen geplant?

Im Juni gab es in St. Petersburg am Marinsky-Theater eine Aufführung, ein Liederabend ist in Mailand geplant. Beim Liederabend an der Staatsoper kommende Saison singe ich das russische Programm. Die Arbeit an der CD-Aufnahme war sehr schön, aber die Erfüllung, den Zyklus live und in einem Stück zu singen, ist unglaublich. Gesanglich strengt es mich überhaupt nicht an, konditionell könnte ich den Zyklus nach dem Ende sofort wiederholen! Die Konzentration ist schon ein anderes Kapitel, am größten ist jedoch die emotionale Herausforderung. Die Winterreise bringt einen in einen Zustand, in dem das Gehirn leer und ausgewrungen ist.

Sind andere Liederzyklen geplant?

Ich bin kein Liedersänger, mein Terminkalender ist mit Oper ausgebucht. Zudem hat das Studium der Winterreise sehr lange gebraucht, diese lange Zeit, mich mit etwas zu beschäftigen, habe ich nicht mehr. Es gibt jedoch Pläne für Schumann, für Wolf und für die Vier ernsten Gesänge.

Um auf die Oper überzuleiten … welche Rollen faszinieren Sie?

Mich interessieren keine nur gesanglich schönen Rollen, in denen nichts von einem selbst kommen kann. Ich habe Zaccaria in Nabucco 31 Jahre gesungen, das war oft ganz schön, aber es ist eine langweilige Rolle. Man bekommt einen Stab in die Hand, geht auf die Bühne und singt diesen äußerst schwierigen Part, und das war’s. Hingegen Boris, Filippo, Giovanni und wie sie alle heißen, das ist etwas ganz anderes.

Winterreise ist psychisch sehr fordernd – wie sehr fordert Sie Oper?

Nehmen wir zum Beispiel den aktuellen Boris an der Wiener Staatsoper, die Urfassung ohne Pause. Ich bevorzuge unbedingt diese Fassung, es ist auch wesentlich spannender, das Stück ohne Pause durchzuspielen. Da steigert und steigert sich die Spannung und lädt sich auf bis zum Ende, bis zum Tod des Boris, das ist ein Universum, ein Wirbelsturm der Gefühle – und für den Boris natürlich emotional äußerst fordernd!


Ferruccio Furlanetto als Biris Godunow. Foto: Pöhn/ Staatsoper

Ihr Boris ist in dieser Produktion eine tief menschliche Figur; Man fühlt mit diesem Boris mit, mit seiner Verzweiflung, man ist berührt von seinem Tod.

In den 13 Jahren, die ich diese Figur singe, habe ich mich natürlich weiterentwickelt. Ich sehe diese Figur sehr menschlich, von Zweifeln gepackt, dem Wahn immer mehr verfallend. Pushkin unterstellt Godunow den Mord am Zarewitsch; das wurde historisch nie nachgewiesen, aber Boris könnte zumindest von dem Plan gewusst habe oder möglicherweise sogar Schuiski – der vielleicht der Täter war – beauftragt haben. Ich glaube nicht, dass Boris den Mord begangen hat. Das kann ich in den Worten, die er zu singen hat, nicht finden! Wenn man jemandem etwas lange genug einredet, beginnen jedoch die Zweifel. Boris zweifelt, er weiß, dass Schuiski eine Schlange ist, er warnt seine Kinder vor ihm. Aber er braucht ihn, alles, was Boris zu Schuiski sagt, trieft daher vor Ironie.

Sie singen Boris Godunow in verschiedenen Fassungen. Wie schwierig ist es, zwischen den Versionen zu wechseln?

Ursprünglich befürchtete ich, dass das schwierig wäre! Die Herausforderung liegt natürlich in den vielen kleinen Unterschieden. Wenn man nicht in seiner Muttersprache singt, ist man andererseits umso konzentrierter. Ich habe das Werk nun innerhalb kurzer Zeit erst in der Urfassung, dann in der längeren Mischfassung, jetzt wieder in der Urfassung gesungen, die Umstellung war kein Problem!

Die Frage über Regisseure und Dirigenten ist Ihnen schon oft gestellt worden, ich möchte stattdessen über Bühnenpartner und deren Bedeutung sprechen.

Die sind natürlich sehr wichtig, besonders, wenn es um Opern wie Boris Godunow oder Don Carlo geht, wo man sehr von den Reaktionen der anderen handelnden Personen abhängt. Mit jemandem zu spielen, der eine ähnliche Auffassung von einem Stück hat, ist wirklich wunderschön! Z. B. die Beziehung zwischen Leporello und Don Giovanni, wenn man jemanden wie Bryn Terfel damals in Salzburg mit Chéreau hat, dann läuft es großartig!

Umgekehrt erinnere ich mich an eine Produktion von Don Carlo. Der Sänger von Posa hatte große stimmliche Schwierigkeiten, sang aber dennoch bei allen Proben alles voll aus. Bei der Premiere merkte man dann nach dem Duett mit Don Carlo, dass Posas Stimme nicht durchhielt. Diese große Szene zwischen Filippo und Posa zu singen mit dieser Verzweiflung in seinen Augen, das machte es sehr schwer. Man singt seinen Part, und von der anderen Seite kommt nichts! Man ist nicht mehr in seinem Charakter, in der Epoche, man singt nur einfach. Wenn in diesen Opern, Boris, Don Carlo, Don Giovanni, eine der Hauptfiguren ausfällt, ergibt das einen Dominoeffekt, die ganze Produktion fällt in sich zusammen!

Zu Filippo in Don Carlo gibt es sehr unterschiedliche Interpretationen?

Filippo als trockenen Despoten zu spielen, ist eine Variante. Aber zu zeigen, dass der zu dieser Zeit mächtigste Mann der Welt ein normaler Mann ist, wenn er allein ist, wenn er z.B. seine große Arie „Ella giammai m’amó“ singt, da hat man viel mehr Farben zur Verfügung, das gibt ein Bild mit wesentlich mehr Dimensionen!
Eine Interpretation liegt oft in feinen Details. Z. B. diese Szene mit Elisabetta, sie fällt in Ohnmacht, und Filippo fängt sie nicht auf – das haben wir geändert. Zuerst singt man die Arie, die eine Liebeserklärung ist, und lässt sie dann wie links liegen, wie Fallobst, und niemand schert sich darum? Man kann einen Kampf haben, aber der ist auch aus Eifersucht, und Eifersucht bedeutet Liebe. Er liebt diese Frau – das hat er 10 Minuten lang gesungen!

Die komplette Szene ist vielschichtig, er sieht in Elisabettas Schmuckkästchen das Medaillon mit dem Bild seines Sohnes – jenen Sohn, dessen Tod er will!

Man darf eines nicht vergessen, er hat einen Vertrag mit dem Großinquisitor unterzeichnet, in dem es nicht nur um seinen Sohn, sondern auch um Posa geht. Posa mit all den Eigenschaften, die er sich bei seinem Sohn gewünscht hätte. – Aber Filipo geht darauf ein, weil er das Bild von seinem Sohn in der Elisabettas Schatulle vor Augen hat, als Beweis ihrer Untreue. Ich kämpfe immer wieder mit dem Regisseur, dass ich bei der ganzen Szene die Schatulle auf der Bühne habe!

Vor längerer Zeit sagten Sie in einem Interview, dass von den Mozartopern die Partie des Figaro Ihnen am nähesten ist; In der Zwischenzeit sagten Sie kürzlich, es wäre der Don Quichotte. Eine ziemliche Veränderung und Entwicklung!

Nun, Figaro ist vom menschlichen Aspekt die natürlichste Figur. Don Giovanni ist ein Mythos, eine Figur, wie jeder Mann gerne wäre und wie kein Mann sein sollte. Leporello ist zwar in einer Art auch ein Figaro, mit seinen Freuden und Ängsten. Aber Le Nozze ist eine Komödie, Don Giovanni ist zwar ein dramma giocoso, aber dennoch ein Drama. Deshalb Figaro – obwohl ich natürlich den Don Giovanni sehr gerne gesungen habe. Müsste ich heute, nachdem ich nicht mehr Mozart singe, unter den Mozartpartien auswählen, dann wär’s Giovanni. Mozart schreibt zwar in der Beschreibung „junger Kavalier“, nicht „alter Mann“, das ist aber dennoch eine Oper ohne Zeit, eine Figur ohne Alter.

Don Quichotte, mittlerweile meine Herzenspartie, ist ebenfalls ein Mythos, eine Erfindung, ein idealistischer Charakter. Ein alter Mann, der durch ein langes, ein verrücktes Leben gegangen ist, und der durch Poesie lebt, durch Schönheit, durch Liebe, durch Natur. Er liebt alles, Menschen, Sonne, Natur, Tiere, Regen, alles. Und diese Oper ist so wunderschön geschrieben, mit einer herrlichen Musik! Man hat Momente der Vergeistigung, der Läuterung, wirklich magisch. Rollen wie Boris oder Filippo geben einem Sänger viel Beachtung, wenn man so will. Aber Don Quichotte ist Magie, und ich verstehe nicht, warum diese Oper nicht öfter gespielt wird. Jedes Mal, wenn ich diese Oper gesungen habe, auch in Konzerten, ist das Publikum absolut gefangen, zu Tränen gerührt. Warum wird das nicht gespielt, alles, was diese Oper übermitteln will, ist Liebe und Poesie! Offenbar sind das Dinge, die im Augenblick nicht sehr in Mode sind. Es ist offenbar besser, über Blut, Krieg und Mord zu sprechen.

Aber, wie viele Bassisten singen heutzutage diese Partie?

Nun, ein paar gibt es schon. Es ist natürlich so, dass man für diese Partie nicht nur einen Sänger, sondern vor allem einen starken Darsteller mit Herz braucht. Da gibt es nicht so viele, aber jede Generation produziert einen derartigen Sänger. Der könnte in zwölf Monaten vier, fünf Produktionen singen. Heuer gibt es nur zwei! Zum Glück ist Gergiev von dieser Oper überzeugt, und ich versuche, das Werk Dominique Meyer schmackhaft zu machen. Er möchte zur Vorstellung in St. Petersburg kommen, ich hoffe, dass er diese wunderbare Produktion komplett übernehmen möchte!

Ildebrando Pizzettis „Assassinio nella cattedrale“ ist ein weiteres selten gespieltes Werk, dass Ihnen sehr am Herzen liegt?

Nächstes Jahr singe ich die Partie in San Diego. Ebenfalls wunderschöne Musik, eine höchst interessante Rolle und eine packende Geschichte! Karajan hat sie schon einmal in Wien gemacht, 1964 mit Hans Hotter, in deutscher Sprache, elf Jahre nach der Uraufführung. Dabei war Karajan modernen Stücken nicht so besonders aufgeschlossen.
Yannis Kokkos, der Regisseur von Boris, hat eine sehr schöne Produktion in Mailand gemacht, nicht traditionell, sondern abstrakt. Diese Produktion könnte übernommen werden, die Realisierung wäre sicher nicht teuer, die Besetzung ist sehr klein. Wenn man damit wirbt, etwas auf den Spielplan zu setzen, das Karajan schon 1964 gemacht hat, kann man sicher das Interesse wecken! Oper bedeutet, Kultur zu machen. Besonders wenn man ein Publikum hat, dass für neue Stücke bereit ist.
Es gibt auch Gespräche mit Canterbury, für Aufführungen in der Kathedrale. Dort wäre man von der Idee begeistert! Die Organisation ist nicht ganz einfach, aber wenn man z. B. John Eliot Gardiner gewinnen könnte, der hat ein eigenes Orchester, Canterbury selbst hat genügend Chöre, das ließe sich durchaus realisieren!

Im heiteren Fach sind Sie selten zu sehen, aber nächsten Winter dürfen wir uns auf L’Italiana in Algheri freuen!

Die „Italienerin“ singe ich nur in dieser Produktion, die zum Glück auch auf anderen Bühnen gespielt wird. In New York wurde es gestrichen, weil sie keine Isabella fanden. Das kann ich verstehen – in Wien kommt Agnes Baltsa, man braucht für diese Partie schon eine „gestandene Frau“. Borodina in New York war wundervoll, auch Marilyn Horne hatte so viel Bühnenpräsenz! Man braucht schon jemanden Besonderen, einen echten Mezzo, nicht unbedingt die schönste Stimme, aber unglaublich viel Präsenz.
Ich habe diese Oper in einigen Produktionen gesungen, aber Ponnelle hat die beste Umsetzung gemacht. Die Inszenierung ist von Anfang bis zum Ende lustig!

Es gab Pläne für Rosenkavalier, für Baron Ochs, die Sie wieder aufgegeben haben?

Ja, leider. Diese Rolle muss von jemandem gesungen werden, der die Sprache sehr flüssig spricht. Wenn das Hirn ständig damit beschäftigt ist, was sprachlich als nächstes kommt, kann man die Rolle nicht ausgestalten. Das war wirklich für mich eine große Enttäuschung, ich hätte die Partie gerne gemacht. Meine dritte Oper, die ich je gemacht habe, war Rosenkavalier in Triest, damals habe ich den Polizeikommissar gesungen. Seit damals, 1975, träumte ich davon, diese Partie zu singen. Ich hätte es in San Diego machen sollen, zu dem Haus habe ich eine besondere Beziehung! Aber nachdem ich dort Boris, Faust, Quichotte gesungen hatte, konnte ich nicht mit einer Rolle auftreten, die nur halb „passt“. Das wäre weder für mich noch für das Haus, noch für das Publikum gut.

Gibt es noch Rollen, die Sie noch machen möchten?
Chowanschtschina würde mich eventuell noch interessieren, aber zum Glück habe ich alle Partien gesungen, die ich wirklich machen wollte, und ich könnte mit den vier Partien landauf, landab auftreten. Mit Boris, mit Filippo – aber besonders mit den beiden, für die ich immer kämpfen muss, mit Quichotte und mit Beckett.

Herr Kammersänger, herzlichen Dank für dieses ausführliche Gespräch!

Gerne geschehen! Nach monatelanger Pause freue ich mich jetzt darauf, endlich wieder Golf zu spielen, in Wiens Umgebung gibt es viele wunderbare Golfplätze!

 

Diese Seite drucken