FARADZH KARAEV, ORCHESTERWERKE – CD Paladino music – Patricia Kopatchinskaja, Azerbaijan State Symphony Orchestra

by D. Zweipfennig | 28. Mai 2016 16:47

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FARADZH KARAEV,  ORCHESTERWERKE – CD Paladino music – Patricia KopatchinskajaAzerbaijan State Symphony Orchestra, Russian State Symphony Capella

(Der 1943 geb. aserbaidschanische Komponist wird auch als Faraj Garayev in Lexika und Internet geführt > https://en.m.wikipedia.org/wiki/Faraj_Garayev)

Konzert für Orchester und Sologeige

Meine Erstbegegnung mit Faradzh Karaevs Musik war zunächst ein kleiner Schock. Gerade auch wegen der Widmung dieses Violinkonzerts für seine Mutter. Da drängte sich spontan der Gedanke auf, ob der Komponist wohl ein etwas gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter gehabt haben könnte. Die hohen „Sägetöne“ der Geige zu Anfang bohren sich richtig ins Ohr, und mit dem Weiteren wird womöglich nur ein Musikwissenschaftler froh. >

   Booklet: Wenn man alle üblichen Konnotationen, die mit dem Wort „Meisterwerk“ verbunden sind, außer Acht lässt, ist eine präzise Beschreibung für Faradzh Karaevs Konzert für Orchester und Sologeige schwer zu finden. In seiner Musik gibt es ein „ewiges“ Thema, mit dem sich Faradzh Karaev immer wieder beschäftigt: „Diese riesige Welt und ich“. In seinen schillernden Texturen bleibt ein romantischer Gestus stets bestehen, als würde er sich aus unserem kulturellen Langzeitgedächtnis speisen. Die zarten Zitate und subtilen Anspielungen, sein Eintauchen in den Klang, seine Auflösungen und seine Kunst des Übergangs zwischen dem musikalischen Material entfalten kontinuierlich eine zeitlose Musik. Gleichzeitig ist seine Musik imstande durch seinen oft schmerzhaften schrillen Ton, eine Leidenschaft und ein intensives Brennen innerer Stärke zu vermitteln. Seine Musik kann höchste Anspannung erzeugen, genauso wie sie zu Tränen rühren kann. Darin liegen Karaevs große kreative Momente. Aus dem Moskauer Musikleben ist er nicht mehr wegzudenken – die Aufführungen seiner Werke sind Ereignisse. 

Vingt ans après – nostalgie …

Weitaus spannender, besonders auch vom Instrumentarium her, fand ich dieses, Alfred Schnittke und Edisson Denissow gewidmete, symphonische Werk. Hier fällt das längere Zuhören deutlich leichter, weil es schlichtweg „interessant“ ist, und in diesem Fall nicht nur für den Musikwissenschaftler. >

   Booklet: Vingt ans après – nostalgie … ist eines der herausforderndsten und tragischsten Werke von Faradzh Karaev. Dem Stück haftet, wie im Titel schon genannt, tatsächlich etwas Nostalgie an. Jedoch gibt es in dieser Musik keine schweren, traurigen Momente wie etwa in seiner Serenade Ich nahm Abschied von Mozart auf der Karlsbrücke in Prag, sondern vielmehr dreht sich dieses Stück um die Substanz des Lebens, die Lasten des Lebens. „Die Schwere der Substanz des Lebens“, wie man es mit Platonov sagen könnte, oder wie die Arbeit diese Schwere Millimeter für Millimeter zu überwinden. Die Qual selbst und der Gedanke daran sind am Ende doch dasselbe. Das Werk ist zugleich auch ein „in memoriam“ Alfred Schnittke und Edisson Denissow gewidmet. Und so ist auch dieses Werk eine Mediation über das „ewige Thema“. 

Infos, Hörproben und Downloads > https://www.paladino.at/de/cds/pmr-0070

Booklet zum Download > https://www.paladino.at/sites/default/files/downloads/pmr0070_karaev_booklet.pdf

DZ

 

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