Der Neue Merker

ERL/ Tiroler Festspiele: SEMIRAMIDE von G. Rossini. Eröffnungspremiere

Tiroler Festspiele: SEMIRAMIDE  – Eröffnungspremiere   7.7.2017 


Copyright: Tiroler Festspiele Erl

Wieder wurde in Erl eine Rossini Oper gespielt. Heuer war, nach Guillaume Tell, wieder eine Große Oper Semiramide dran. Diese 1813 für Venedig entstandene war Rossinis letzte, die er in Italien schrieb, danach wandte er sich endgültig Paris zu. Die große bekannte Ouverture wird von Maestro Gustav Kuhn wohl aus dramaturgischen Gründen am Ende des 1.Akts des langen Zweiakters bei geschlossenem Vorhang gegeben und gibt dem Maestro Gelegenheit, das Festspielorchester in allen seinen Segmenten aufbrillieren zu lassen. Davor waren schon fast alle Auftrittsarien der Protagonistinnen verklungen, die jede/r ein Marmortier als ihre symbolischen Verkörperung mit sich führten, Semiramis eine Löwin, Heerführer Assur einen Elefanten, Arsace, der sich später als der totgeglaubte Königssohn Ninia entpuppt, einen Panther usw. Auch Giraffe und Krokodil kommen im Zoo und in der Regie Gustav Kuhns vor, die in ihrer Opulenz etwas an die Opern der 80er Jahre eines Ponelle erinnert. die Chöre erhalten in dunkler Einheitsgewandung eine heiter witzige Bewegungsnote, indem sie mit Gesichtsmasken im Gleichschritt hintereinander hertrotten. Den ersten musikal.Höhepunkt setzt Arsace, eine mezzo-Hosenrolle, der in berückenden Kantilenen seine Liebe, Prinzessin Azema, besingt und dabei von den Holzbläsern sirrend signifkant unterstützt wird. Immer wieder wird die Orakelverkündigung des neuen Königs (3 Prätendenten) durch heftiges Gewitter unterbrochen, wobei sich Kuhn auch auch als Lichtkünstler in Szene setzen kann. 

Leider wird in der Inszenierung die Rolle der Azema als Haupt-Liebesobjekt nicht entsprechend szenisch verdeutlicht. Man hat eher den Eindruck, dass Arsace-Ninia sich in seine Mutter verliebt, um an ihrer Seite zu regieren. Dementsprechend bringt er sie in der finalen Grabszene auch nicht um. Nach vielen Arien davor ist das ein  ganz schnelles abruptes Ende, für das ‚Furore di Montegral‘ (Bb Alfredo Troisi, Kost.:Lenka Radecky, Choreog: Katharina Glas) stehen.

Den Schatten des Königs Nino singt Szymon Chojnacky unter Kapuze mit gemeißelt klarem Baß, den Mitrane gibt Giorgio Valenta mit quickem, fast genäseltem Tenor. Den Idreno, einen indischen Prinzen mit drei Tänzerinnen im Schlepptau singt Hui Jin mit kräftigem angenehm timbriertem Tenor und sicheren Koloraturen. Den Oroe gestaltet Raphael Sigling mit voluminösem akkurat eingesetztem Baß. Die Azema der Maria Rosaria Lopalco hat in weißem Schleierkostüm mit ihrem geraden Sopran nicht viel zu singen. Semiramis Maria Rodoeva hat dagegen in ganz beinfreiem funkelnden Kostüm und zusammen mit ihrer Löwin echt hervorstechende Auftritte. Da es auch nicht so klar ist, ob sie an der Ermordung ihres Vaters Nino beteiligt war, kann sie auch nicht eindeutig einer ‚Bösen Seite‘, wie z.B. Abigaile, zugeordnet werden. Mit einem warmen aber durchdringenden Sopran ist sie ein Pluspunkt der Aufführung. Ihr Arsace, Svetlana Kotina,kann sie mit ihrem brünstigen voluminösen Mezzo fast noch übertrumpfen. Mit ihren 3 Tänzern, die Schriftrolle, Schwert und Krone tragen, erscheint sie in bis zu den Oberschenkeln reichenden Stilettostiefeln in einem blauen Kurzhosendress und schwarzem Kurzhaar ganz berückend lasziv auf der Bühne.                                                                                

Friedeon Rosén

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