Der Neue Merker

ELTVILLE / Kulturkapelle St. Elisabeth: CORNELIA HASLBAUER und NADIA BELNEEVA

ELTVILLE / Kulturkapelle St. Elisabeth: CORNELIA HASLBAUER und NADIA BELNEEVA

Am 19. März 2017

Haslbauer-Belneeva
Das Foto zeigt Cornelia Haslbauer (links) und Nadia Belneeva (am Klavier). © Marc Rohde

 Cornelia Haslbauer hat sich insbesondere in der nördlich von Frankfurt gelegenen Wetterau einen Namen gemacht. Seit 2013 organisiert die Mezzosopranistin jährlich eine privat finanzierte Opernproduktion im Friedberger Theater Altes Hallenbad. Sie ist in ihrer Rolle als Organisatorin, aber auch als Akteurin auf der Bühne aus dem Kulturleben der Kreisstadt nicht mehr wegzudenken.

 Ganz andere Töne von ihr hörte ich nun bei einem Liederabend mit dem vielsagenden Titel „Nur wer die Sehnsucht kennt“ in der Kulturkapelle St. Elisabeth in Eltville am Rhein. Der Konzertsaal ist optisch sehr ansprechend, allerdings für eine klassisch geschulte Gesangsstimme fast ein wenig zu klein. Dennoch funktionierte die Akustik, allerdings trübten Straßenlärm und das stete Summen eines Gasheizstrahlers die Eindrücke ein wenig.

 Cornelia Haslbauer begann ihr emotional sehr berührendes Programm mit vier Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy.  Auf Flügeln des Gesanges eröffnete den Reigen musikalischer Kostbarkeiten, gefolgt von Ach, um deine feuchten Schwingen, Was bedeutet die Bewegung und An die Entfernte. Bei der Interpretation der Lieder Mignon I-III und Kennst Du das Land, wo die Zitronen blüh’n von Hugo Wolf musste ich unweigerlich an eine sich anbahnende Karriere als Wagner-Interpretin und insbesondere an eine zukünftige Isolde denken. Die dazu wünschenswerte künstlerische Reife hat Frau Haslbauer zweifellos und auch die im Publikum anwesende ehemalige Wagner-Heroine Ingrid Haubold bestätigte meinen spontanen Gedanken, dass „Wagner bereits grüßen lasse“.

 Der etwas schwermütigere Programmteil vor der Pause wurde durch die Rezitation eines Heinrich Heine Texts und einer eigenen Kurzgeschichte von Harald Haslbauer aufgelockert.

 Der zweite Teil begann mit Alexander Zemlinskys Walzer-Gesängen nach toskanischen Liedern von Ferdinand Gregorovius etwas leichter. Auch die an Chansons erinnernden französischen Lieder von Francis Poulenc, die zum Schluss präsentiert wurden,  thematisieren zum Programm passend verschiedene Sehnsüchte: Voyage à Paris, C’est ainsi que tu es, J’ai traversé les Ponts-de-Ce und abschließend Les Chemins de l’amour. Harald Haslbauer gab zum besseren Verständnis eine kurze Einführung in deutscher Sprache.

 Alles, was Cornelia Haslbauer singt, scheint sie in diesem Moment auch zu durchleben. Ihre hervorragenden stimmlichen Qualitäten werden durch eine wortdeutliche Diktion und ihre attraktive Erscheinung ergänzt. Ihr Mezzosopran besitzt eine profunde Tiefe mit der die Sängerin sinnlich betörend alle Zuhörer in ihren Bann zieht. Auch Exkursionen in sopranhafte Höhen scheinen ihr mühelos und ohne in Schärfe abzugleiten, zu gelingen.  Vom in sich gekehrten Piano bis zum expressiven Forte lässt die Gestaltung keine Wünsche offen.

 Die aus Sofia (Bulgarien) stammende Pianistin Nadia Belneeva holte das Beste aus dem nicht ganz perfekten Instrument heraus und agierte an diesem Abend stets als verlässliche und inspirierende Begleiterin. Sensibel und spielfreudig stand sie der Sängerin ebenbürtig zur Seite.

 

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