Der Neue Merker

DVD Rossini: MOSÈ (Mailand 2015)

DVDCover  Rossini, Mose

DVD  
Rossini: MOSÈ
Aufgezeichnet im Mailänder Dom im Juli 2015
Cmajor

Man kennt die Oper italienisch als “Mose in Egitto“ (als solche 1818 in Neapel uraufgeführt), man kennt auch die Fassung als Grand Opéra, „Moïse et Pharaon“, 1827 für Paris „umkomponiert“, aber tatsächlich hatte Rossini diese klassische biblische Geschichte – Moses kämpft mit dem Pharao um den Auszug der Israeliten aus Ägypten – tatsächlich als eine Art Oratorium („azione sacra“) für die Passionszeit geplant.

Und zu dieser Form kehrte die Aufführung, die im Juli 2015 einige Male im Dom von Mailand stattfand, zurück. Ohne Theatermaschinerie, also gewissermaßen „halb-szenisch“, aber mit pompösen Kostümen, von den Darstellern voll „gespielt“ (Cecilia  Ligorio  und Tiziano Mancini als Regisseure), wobei der Dom natürlich als das gewaltigste Ambiente mitwirkt, das man sich denken kann. Man gewinnt tatsächlich den Eindruck einer religiösen Handlung – und doch ist das Gebotene von hoher Lebendigkeit

Ruggero Raimondi hat den Moses schon früher gesungen. Man weiß, dass er stimmlich nicht mehr voll Saft und Kraft ist, aber tatsächlich könnte Moses in seiner vollen biblischen Größe nicht idealer besetzt sein als mit diesem alten, starken Mann mit der trockenen Stimme, der dem Pharao (Filippo Polinelli in dem klassischen ägyptischen Kostüm, das immer nach Kino aussieht) so großartig entgegensteht.

Die volle Handlung wie in der Oper entwickelt sich natürlich nicht, das Werk, auf weniger als eineinhalb Stunden zusammen gestrichen, ist auf das „fromme“ Event angelegt. Und das vermittelt sich – begleitet vom Orchester  und Chor della Veneranda unter Francesco Quattrocchi – auch von der DVD. Und es ist ein schönes Dokument für den alternden Ruggero Raimondi (*3. Oktober 1941 in Bologna), der heuer 75 wird und auf eine gloriose Karriere zurückblickt.

Renate Wagner

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