Der Neue Merker

DVD Nikolai Rimsky-Korsakov: DER GOLDENE HAHN

DVD Cover  Rimski Korsakow  The Golden Cockerlel

Nikolai Rimsky-Korsakov:
THE GOLDEN COCKEREL / DER GOLDENE HAHN
Mariinsky-II, St. Petersburg, 2014
1 DVD / 1 Blu-Ray in derselben Packung
BelAir Classiques Naxos

Unter den russischen Opern, die es immer wieder auf unsere Bühnen schaffen, ist auch der „Goldene Hahn“ von Nikolai Rimsky-Korsakov. Hierzulande nimmt man die Geschichte des Zaren, den ein Hahn vor seinen Feinden warnen soll, gut und gern als Politsatire. (Das hat man schon 1907, nach dem Entstehen des Werks, begriffen und es erst einmal verboten. Die Premiere fand, allerdings noch immer im Zarenreich, zwei Jahre später statt.)

Auch die Russen sehen natürlich die Satire, aber sie tun es witzig und unterschwellig, sie mixen sie ganz raffiniert mit dem Märchen aus alten Zeiten. Das zeigt eine Aufzeichnung der Aufführung, die Regisseur Anna Matison 2014 im so genannten Mariinsky-II, dem neuen Haus in St. Petersburg, herausbrachte, und die noch immer am Spielplan steht.

Ungeachtet ihres europäisch wirkenden Namens, kommt die noch junge Anna Matison (zur Zeit der Premiere war sie 31) aus Irkutsk und hat schon als Autorin und Filmemacherin Ruhm geerntet, bevor sie für den „Goldenen Hahn“ alles machte – Regie, Ausstattung und Wahl der computeranimierten Videos, die aber nicht penetrant, sondern im Dienst der diffusen Märchenhaftigkeit eingesetzt werden.

Anna Matison hat ein Zwischending aus Märchen und sanfter Parodie gewählt und gibt quasi einen zeitgemäßen Rahmen: Der titelgebene goldene Hahn, immer von einer hellen Frauenstimme gesungen, kommt in Gestalt von Kira Loginova auf die Bühne – ganz Mädchen von heute, ihr Rucksack ist ein schrill-gelber Hahn, und begeistert schießt sie Fotos mit ihrem Handy. Sie stolpert geradezu in die Welt eines parodierten gestrigen Russlands – da gibt es Riesenhüte, die quasi aus den goldenen Zwiebelkuppeln der orthodoxen Kathedralen bestehen…

Man ist in der Geschichte erst im Königspalast, dann am Schlachtfeld, schließlich in Freien, und die bunten Ideen, die gar nicht Sinn im Sinn von „sinnvoll“ machen müssen, purzeln szenisch nur so durcheinander.

So entwickelt sich die komische Geschichte vom Zaren, der von dem absolut schrägen Astrologen den Hahn bekommt, der ihn vor Feinden schützen soll, von der schönen Königin, die er heiratet – bis der Astrologe den Wunsch, den er frei hat, dahingehend formuliert, diese Dame besitzen zu wollen. Und es ist alles nicht wahr, nur ein Märchen, in dem man auch parabelartig, aber hier nie belehrend, ein paar typische Verhaltensweisen zeigen kann.

Die Russen hatten sich für diese Aufführung Aida Garifullina aus Wien zurückgeholt, die diese Königin von Shemakha so unglaublich blond, verführerisch und reizvoll im kurzen roten Kleidchen spielte und sang, dass das Märchen noch eine sexy Ebene erhielt. Daneben Vladimir Feliauer als Zar Dodon, Andrei Popov in aller Überdrehtheit als Astrologe und eine stimmige Besetzung.

Valery Gergiev ist überall auf der Welt, er ist auch noch in seinem heimatlichen Haus, und natürlich der richtige Mann für diese so komische, so lustige, so exotisch, klanglich scheinbar so ansprechende und dabei raffinierte Oper. Es gab andere Interpretationen des Werks, es verträgt viele, aber diese ist besonders schön, weil sie so viel Humor hat – und so „russisch“ ist.

Renate Wagner

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Nikolai Rimsky-Korsakov:
THE GOLDEN COCKEREL / DER GOLDENE HAHN

Musikalischer Leiter und Dirigent: Valery Gergiev
Mariinsky Orchester und Chor
Inszenierung und Kostüme: Anna Matison
Szenenbildner: Anna Matison und Sergei Novikov

Vladimir Feliauer… Zar Dodon
Aida Garifullina… Königin von Shemakha
Andrei Popov… Der Astrologe
Andrei Ilyushnikov… Zarewitsch Guidon
Vladislav Sulimsky… Zarewitsch Afron
Elena Vitman… Amelfa
Andrej Serov… General Polkan
Kira Loginova… Goldener Hahn

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