Der Neue Merker

DVD: Hector Berlioz BEATRICE ET BENEDICT

DVD Cover  Berlioz  Beatrice und Benedikt

Hector Berlioz:
Beatrice et Benedict  
Aufnahme August 2016 aus dem Glyndebourne Opera Festival House
1 DVD Opus Arte

Im Gegensatz zu seinen Riesenopern ist „Beatrice et Benedict“ geradezu filigran: Hector Berlioz hat, um Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ zu einer Opera comique umzuschmelzen, stark gekürzt und vor allem seiner Musiksprache eine bei ihm selten zu hörende Lockerheit verliehen. Mit gesprochenen Passagen versehen, ist das Werk dennoch nicht allzu populär geworden – vielleicht, weil gerade die Leichtigkeit so evident schwer zu realisieren ist. Dergleichen ist allerdings bei Festivals gut aufgehoben, und 2016 hatte Glyndebourne den französischen Regisseur Laurent Pelly verpflichtet, das Werk auf die Bühne zu bringen.

Es ist formidable gelungen, wenngleich die englische Presse auch eine Menge Einwände hatte. Tatsächlich gibt es bei Pelly keinen Realismus, sondern ausschließlich Stil – und das in jeder Hinsicht. Die Ausstattung von Barbara de Limburg bringt Schachteln auf die Bühne, zuerst absolut riesige, aus deren aufgeklapptem Deckel die Choristen hervorlugen, dann kleinere, über einander gestapelte – in dieser Welt spielen sich die Liebeswirren gewissermaßen hüftenwackelnd und trippelnd ab: Es ist eine Welt in zarten Grau-Schattierungen, wobei die Mode an die fünfziger Jahre mit ihren schwingenden Röcken erinnert. Es herrscht komplette Künstlichkeit – und genau damit erreicht Pelly die ziselierte Komik seiner Produktion, auch, weil sich die Akteure dermaßen darauf einlassen, Lebendigkeit und Pointensicherheit vorzuführen – man denke nur an die köstliche Chorprobenszene.

Das Parlando von Gesang und Musik verlangt den Interpreten alles ab, und sie bieten es: die Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac, dunkle Locken, große Augen, geschmeidig-komisch, als Beatrice, und der Tenor Paul Appleby, in Uniform, als ihr Benedict, die raufen sich zusammen. Auch ein paar prächtige Nebenrollen, darunter Sophie Karthäuser, ganz Fünfziger-Jahre-Blondinchen, als Hero (sie darf ganz drollig ein Hochzeitskleid bewundern).

Pelly hat viele Franzosen besetzt, das alles läuft auch sprachlich wie am Schnürchen ab, und gleicherweise liefert das London Philharmonic Orchestra unter Antonello Manacorda lyrische Schönheit und flottes Parlando. Man kann sich von Herzen unterhalten.

Renate Wagner

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Hector Berlioz
„Béatrice et Bénédict“

Stéphanie d’Oustrac (Béatrice)
Paul Appleby (Bénédict)
Sophie Karthäuser (Héro)
Philippe Sly Claudio)
Lionel Lhote (Somarone)
Frédéric Caton (Don Pedro)
Katarina Bradic (Ursula)

Regie: Laurent Pelly
Ausstattung: Barbara de Limburg
Musikalische Leitung: Antonello Manacorda
London Philharmonic Orchestra
Glyndebourne Chorus

Aufnahme August 2016 aus dem Glyndebourne Opera Festival House

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