Der Neue Merker

DVD / BlueRay Verdi: FALSTAFF (Metropolitan Opera, 2013)

DVD-Falstaff-Met-2013
DVD / BlueRay 
Giuseppe Verdi:
FALSTAFF 
(Metropolitan Opera, 2013)
Decca 2015

Vor zwei Jahren im Kino, jetzt auf DVD / BlueRay und für „Falstaff“-Freunde eine willkommene Ergänzung ihrer Sammlung. Denn es ist eine gewissermaßen drollige Inszenierung, die der Kanadier Robert Carsen hier für die New Yorker Metropolitan Opera geschaffen hat. Er gehört zu jenen Regisseuren, die sich zu Stücken durchaus anderes und mehr ausdenken, als nur im Libretto steht, die aber sorgfältig darauf bedacht sind, das Original nicht zu verfälschen oder zu zerstören – und darauf kommt es ja wohl an.

Der Zeitensprung von Shakespeares England in eine Szenerie der fünfziger Jahre ist gewaltig, aber damit soll ja nur der Beweis angetreten werden, dass eine gewisse Art von Komödie immer funktioniert (man hat ja als Zuschauer auch „Cosi fan tutte“ bei den Yuppies angenommen). Falstaff im Riesenbett statt im Wirtshaus, das Hausfrauenkränzchen der, man sagt es liebevoll, drallen Damen, die durch die knappen Kostüme (enge Taillen, schwingende Röcke)  noch köstlicher wirken (zumal Alice und Quickly), erst im Restaurant, dann in der liebevoll ausgestatteten Küche, macht die Geschichte noch ironischer, und selbst wenn der Pferdestall, in dem der patschnasse Falstaff sich wieder findet, ein bisschen übertrieben sein mag – die Inszenierung stimmt in sich und stimmt mehr oder minder (meist mehr, selten minder) mit dem Original überein. Und ist ein Vergnügen anzusehen (wenn auch manche Szenen bei der Übertragung für den Betrachter immer wieder zu dunkel geraten sind, was man für die BlueRay leider nicht korrigiert hat).

Dieser „Falstaff“ zeigte wieder, dass James Levine (damals nach längerer Krankheit wieder am Met-Pult) wahrscheinlich einer der wenigen echten „Alleskönner“ ist, der für Verdi genau so souverän den „Ton“ findet (in diesem Fall Tempo, Präzision, Leichtigkeit und ein paar kraftvolle Orchester-Brummer) wie etwa für Wagner und viele, viele mehr. Da kann nichts passieren.

Sagen wir, dass die Met schon glanzvoller besetzt hat als hier? Immerhin ist Ambrogio Maestri sicher einer der führenden Falstaffs unserer Tage, der einen prächtigen, echt italienischen Bariton (der auch im Falsett schmeicheln kann)  mit ausreichender Kraft und der herrlichen Schlitzohrigkeit verbindet, die die Persönlichkeit des dicken Schwandroneurs benötigt, um den Abend mühelos vor sich her zu schieben.

Angela Meade gehört zu jenen Damen mit  Stimme und Talent, die leider den europäischen Model-Schönheit-Ansprüchen an Sängerinnen nicht entsprechen und folglich meist an der Met tätig sind, wo das (in einem Land der Übergewichtigen) nicht so viel ausmacht. Ähnliches gilt für die köstlich komische Mrs. Quickly der Stephanie Blythe, dafür ist das Liebespaar (Nannetta: Lisette Oropesa, Fenton: Paolo Fanale) ansehnlich, aber wiederum nicht besonders auffallend – man kann offenbar nicht alles haben. In der Rolle des Ford darf Franco Vassallo ein wenig auf Western-Held machen, was ihm zugute kommt und er temperamentvoll (und nur im Fortissimo angestrengt wirkend) ausführt.

Falstaff hat ja nicht nur das Zeitalter, sondern augenscheinlich auch den Kontinent gewechselt! Und hat die Zeitreisen und Überfahrten glänzend überstanden.

Renate Wagner

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