Der Neue Merker

DVD Richard Wagner: DIE WALKÜRE (Salzburg 2017)

DVD Cover Wagner, Walküre, Thielemann, Salzburg~1

DVD
Richard Wagner:
DIE WALKÜRE
Salzburger Osterfestspiele, April 2017
2 DVDs,
c major

Es gab viel Gerede und es gab viele Zweifel: 50 Jahre nach Karajan, als dieser mit einer szenischen „Walküre“ die Osterfestspiele in Salzburg etablierte, hatte sein „Nachfolger“ (es gab viele dazwischen!) Christian Thielemann die Idee einer „Re-Kreation“: Er wollte diese „Walküre“ in dem rekonstruierten Bühnenbild der ersten Opernproduktion der Osterfestspiele Salzburg von 1967 zeigen, auch eine kleine Verbeugung vor Günther Schneider-Siemssen (1926-2015), der schließlich für die Ästhetik des Karjan’schen Opernschaffens zuständig gewesen ist. Dass Vera Nemirova „inszenieren“ sollte, vernahm man nicht ohne Sorge, aber sie hielt sich zurück – man merkte ihr Walten kaum. Ideal.

Und darum ging es möglicherweise Christian Thielemann. Man kann sich gut vorstellen, dass er Karajans Idee teilte, lieber das Werk an sich auf der Bühne zu sehen als die Interpretation eines Regisseurs, die ja dann – aus seiner Sicht ist das berechtigt –letztlich von der Musik ablenkt, weil die Konzentration eines irritierten Publikums abgezogen wird.

Dazu gibt es hier szenisch keine Gelegenheit. Das Bühnenbild von Schneider-Siemssen hat noch immer den herrlichen „Ring“-Schwung (Autobahn-Auffahrt hat man vor 50 Jahren seinen runden Steg, der sich über die Bühne zieht genannt). Eine mächtige Eiche, ein Fauteuil (an den man sich gar nicht erinnert), ein paar Walküren Flügelhelme (tatsächlich), Fricka im eleganten Abendkleid, enttäuschend am Ende nur der „Feuerzauber“, von paar von Menschen getragene Fackeln, wo Wagners Musik doch einen Feuersturm verheißt.

Solcherart war alles minimalistisch genug, um nicht aufzufallen und sich der „Monumentalität“ nicht entgegen zu stellen: Archaiisch wirkte das, was Schneider-Siemssen als Raum kreierte, allemale, darin lässt sich prächtig Wagner spielen, einfach aus der Psychologie der Figuren heraus. Und, wie gesagt, keine Ablenkung von der Musik, es sei denn durch die Persönlichkeit der Sänger.

Und diese trumpften auf, alle. Peter Seiffert war – und das ist nicht als Beleidigung gemeint – der einzige, der ein wenig das „Oldie“-Gefühl vermittelte, einfach weil die anderen so viel jünger und lebendiger wirkten. Er kann einen Siegmund noch immer singen, hohe Töne so lange aushalten, wie es eben geht, nur manchmal klingt das Angestrengte dann nicht schön. Seine Schwester hingegen war in Gestalt von Anja Harteros uneingeschränkte Pracht – die schöne Frau, die von Leidenschaft getrieben wird, deren Sopran bei Wagner so wunderbar erblüht. Dagegen stand Georg Zeppenfeld dünn und böse, aber stimmgewaltig, als Hunding.

Ja, so stellt man sich idealerweise eine Brünnhilde vor, wie Anja Kampe, die so blond, strahlend, jugendlich auf die Bühne stürmte und zuerst in Vitalij Kowaljow einen langhaarigen und ähnlich jugendlichen Wotan-Vater hatte: Götter auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihrer Lust. Es hat immer gewundert, dass Kowaljow nach seinem Wotan 2011 an der Scala nicht als „der“ Wotan heute entdeckt wurde – Thielemann holte ihn, und da ist die sehr bassige Stimme, fast belcantesk, die stupende Erscheinung, die Wandlung zum Gott, der in sich zusammen fällt, wenn er nicht nur Sohn Siegmund, sondern auch Tochter Brünnhilde opfern muss… Seine Gatten störte ihn da weniger, so flott und energisch und elegant Christa Mayer als Fricka auch agierte.

Und Anja Kampe ist die Brünnhilde „vor“ der ganz Hochdramatischen, keine Schmetterstimme, sondern noch eine jugendliche, und das steht dieser Göttertochter wunderbar. Schade, dass man zu Ostern 2018 auf eine ganz normale Tosca zurückfällt, statt den „Ring“ weiterzuführen. Karajan hat ihn ja letztendlich auch ganz geschmiedet.

Thielemann und die Dresdener Staatskapelle konnten – weil kein Regiekonzept drei Viertel des Raums der Feuilleton-Besprechungen eingenommen hat – als die unangefochtenen Helden dieser „Walküre“ hervorgehen. Da konnte man dem Text zuhören, der Musik in feinste Verästelungen nachgehen, aber auch ihren Sturm, ihre Kraft empfinden. Wagner regierte, vielmehr Thielemann mit ihm (wie einst Karajan mit ihm), und so „retro“ dieses Ereignis auch sein mochte – ein Ereignis ist es allemale, wunderbar, es auf zwei Scheiben zuhause zu haben.

Renate Wagner

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DVD DER NUSSKNACKER (The Royal Ballet, 2016)

DVD Cover Nutcracker x~1

DVD
DER NUSSKNACKER
von P.I.Tschaikowsky
Covent Garden, London / The Royal Ballet / 2016
1 DVD, Opus arte

Der „Nussknacker“ ist nicht nur ein Longseller des Royal Ballets in London, seit Jahr und Tag immer wieder hervorgeholt, zumal zu Weihnachten; Die Aufführung – sie hatte im Jahr 1984 Premiere, ohne dass sie in den Jahrzehnten runzelig geworden wäre! – ist an sich schon eine Legende. Peter Wright, der 90jährige (der die Ballettwelt zuletzt mit seinen offenherzigen, zynischen Memoiren geschockt hat), hat sie geschaffen. Die Aufzeichnung von 2016 beweist wieder einmal, wie ein Werk, das man optisch (wollte man böswillig sein) in die Welt des Kitsches verweisen könnte, einfach nur den Mut zum ultimativen Zauber beweist.

Der „Nussknacker“ basieret auf einer Erzählung von E. T. A. Hoffmann, und Ballett-Zauberer Marius Petipa verfasste das Libretto, das er aus Krankheitsgründen nicht selbst realisieren konnte. Die Handlung ist hier einfach – die junge Clara (aus reichem Haus) bekommt von Onkel Drosselmeyer, der auch ein bisschen ein Zauberer ist, zu Weihnachten einen hölzernen Nussknacker geschenkt, der nicht nur lebendig wird, um den Mausekönig zu besiegen, sondern auch, um mit Clara in das Reich der Süßigkeiten zu reisen, bevor sich der Rahmen wieder schließt – zuhause, in der Weihnachtsnacht.

Die Uraufführung 1892 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg choreographierte dann Lev Ivanov, auf dessen Version sich Peter Wright in London stützte. Es ist zweifellos die am wenigsten „interpretierte“ und am stärksten auf den kindlichen und weihnachtlichen Effekt hin ausgerichtete Fassung, die man sich denken kann, ganz auf das optische Gesamtkunstwerk ausgerichtet (Designer: Julia Trevelyan Oman).

Als eines der drei „großen“, abendfüllenden Tschaikowsky-Ballette – neben „Schwanensee“ und „Dornröschen“ – schien „Der Nussknacker“ auf Anhieb am wenigsten Erfolg zu haben, bis er zu „dem“ Weihnachts-Stück mutierte (auch die Wiener Staatsoper setzt zu Weihnachten mehrere Vorstellungen an) – in London ohnedies immer ausverkauft.

Dabei mixt das Werk die „Spielzeug“-Szenen für die Kinder sehr raffiniert mit dem, was Erwachsene in einem großen Tschaikowsky-Ballett auch sehen wollen: Wenn Clara auf ihrer Reise durch ein Reich des Schnees kommt, übernehmen die Schneeflocken die Funktion von zumindest der „kleinen Schwäne“, im Zuckerland gibt es dann „exotische“ Tanzeinlagen wie in „Schwanensee“ (spanisch, arabisch, chinesisch, russisch) – und die Zuckerfee nimmt es mit allen Feen von „Dornröschen“ und fast auch der Schwanensee-Odette auf.

Für die Kinder quirlt das Spielzeug über die Bühne, wenn in Claras Familie Weihnachten gefeiert wird, Nussknacker gegen eine Mäuseschar ist auch mehr als kindergerecht – und an der „Wright nach Iwanow“-Choreographie wird in London offenbar ununterbrochen gefeilt, denn Präzision und witzige, „darstellerische“ Details (auch in der Familie – Vater, Mutter, Bruder) sind schier unübertrefflich. Selbst mit den doch sehr kitschigen Engeln kann man in dieser Welt leben.

Ein Artikel im Beiheft erzählt sehr hübsch, wie die meisten heutigen Hauptdarsteller ihren Weg durch die Minirollen des „Nussknackers“ gemacht haben, ob Schneeflocke, ob Maus, und auch diese Vertrautheit mag mitwirken, dass alle Solisten untereinander und das Corps dazu eine solche beschwingte Einheit ergeben.

Die Clara der Francesca Hayward ist nicht zuletzt so bezaubernd, weil man ihr das halbe Kind glaubt, das junge Mädchen, verliebt in den Spielzeug-Nußknacker und mehr noch in den lebenden jungen Mann, den Alexander Campbell tanzt und springt. Daneben ist das Paar Lauren Cuthbertson und Federico Bonelli als Zuckerkönigin und ihr Prinz für die brillanten „klassischen“ Nummern (allein und gemeinsam und hööchst kunstvoll) zuständig. Und weil es immer in diesen Balletten „Magie“ geben muss, hat man hier den unendlich liebenswürdigen, aber auch hintergründigen Gary Avis als Drosselmeyer. In diesem Rahmen stellen alle ideale Besetzungen dar.

Ein russischer Dirigent wie Boris Gruzin lässt die Musik so schweben wie die Tänzer, schließlich stammen vor allem aus dem zweiten Teil des Balletts einige von Tschaikowskys allerberühmtesten Melodien. Und das ist eben Musik, die für Ballett geschaffen wurde und entsprechenden Schwung weitertragen muss.

Am Ende, beim stürmischen Applaus, strahlt der 90jährige Peter Wright, der sich noch immer sehr gerade hält, und darf den persönlichen Triumph einer seiner „unsterblichen“ Schöpfung auch auf DVD verewigt wissen.

Wenn man seine Kindheit in die Tasche gesteckt hat und sie für zwei glückliche Stunden hervorholen will, ob Weihnachten oder nicht (aber dann wohl besonders), dann kann man sich nichts Besseres tun, diesen „Nussknacker“ ins DVD- oder BlueRay-Gerät zu schieben. Und ihn Menschen zu schenken, die man sehr mag und von denen man weiß, dass sie unblasiert genug sind, ihn zu würdigen zu wissen …

Renate Wagner

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HEINRICH IGNAZ FRANZ von BIBER: MISSA SALISBURGENSIS – NAXOS DVD Live-Verfilmung eines Konzerts der Salzburger Festspiele vom 27. Juli 2016

HEINRICH IGNAZ FRANZ von BIBER: MISSA SALISBURGENSIS – NAXOS DVD

Live-Verfilmung eines Konzerts der Salzburger Festspiele vom 27. Juli 2016

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Die von Intendanten Alexander Pereira 2012 ins Leben gerufene und von seinem Nachfolger beibehaltene Ouvertüre spirituelle erweist dem Genius loci der Stadt Salzburg alle Ehre. Sie bildet seither den Auftakt zu den Salzburger Festspielen und ist der Sakralmusik und dem Dialog der Religionen gewidmet. Das vorliegende Konzert in dieser Reihe aus dem Salzburger Dom wurde vom Konzertchef der Festspiele, Florian Wiegand, konzipiert. Neben der Missa Salisburgensis à 53 voci erklangen unter der Leitung  von Václav Luks ausgewählte späte Kompositionen von Claudio Monteverdi. Das 2005 von Luks gegründete Prager Collegium Vocale 1704 und das auf Originalklanginstrumenten spielende Barockorchester Collegium 1704 musizierten das Dixit Dominus SV 264, den Psalm Beatus Vir, SV 268, die Sonate sopra „Sancta Maria ora pro nobis“, SV 206, das Laudate pueri (Psalm 113), SV 270, und das berückend schöne Gloria in excelsis Deo á 7 voci concertata SV 258. Alle entstammen der Sammlung venezianischer Kirchenmusik „Selva morale e spirituale“ (=moralisch-geistlicher Wald).

 

Heinrich Ignaz Franz Biber schrieb die äußerst prunkvolle „Missa Salisburgensis“ 1682 zum 1100-jährigen Bestehen des Bistums Salzburg in polychoraler Vielstimmigkeit am Übergang zwischen Renaissance und Frühbarock. Die musikalische Regie verteilte die Musiker geschickt im Dom, sodass der Klang in der Kirche wohl wie Dolby Surround geklungen haben muss. Altarraum, Vierungsbalkone, alles wurde genutzt, um Posaunen und Flöten, Pauken und Geigen optimal zu positionieren. Man kann sich kaum vorstellen, welchen Eindruck diese Musik auf die damals Gläubigen ausgeübt haben muss.  Ob man damit das heliozentrische Weltbild von Kopernikus auf die Musik übertragen wollte, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist diese Missa ein musikhistorisch singuläres Werk, dessen Stellenwert am besten mit den Worten des Dirigenten Paul McCreesh umrissen werden kann: „Wie der Mount Everest die Bergwelt zu seinen Füßen, so überragt die Missa Salisburgensis das Reich der mehrchörigen Musik – das Non plus Ultra im klanglich räumlichen Ausdruck göttlicher und weltlicher Macht.“

 

Ein besonderes Lob gebührt dem ganz vorzüglichen Collegium Vocale 1704. Uneingeschränkte Freude bereiten sowohl die Chorsolisten als auch die unglaublich ausdrucksstark, homogen und intonationssicher musizierenden Sängerinnen und Sänger. Noch die komplexesten polyphonen Verstrickungen erklingen durchhörbar und mit immenser Leuchtkraft. Das kommt auch Monteverdis kostbaren Kompositionen zugute, die das Gotteslob mit hoher emotionaler Tiefe und anschaulicher Klangrhetorik kontrastreich in Harmonik, Melodik, Rhythmik und Tempo dem Text entsprechend besingen.

 

Bei dieser Aufnahme, die im DVD bzw. Blu-ray Format erhältlich ist, handelt es sich um die erste audiovisuelle Produktion der Biberschen Missa Salisburgensis, noch dazu am Ort der Uraufführung. Sie ist in jeder Hinsicht gelungen und stellt eine willkommene Bereicherung des Katalogs dar, der bisher mit den Aufnahmen von Ton Koopman, Reinhard Goebel und Jordi Savall schon beachtlich gut aufgestellt war.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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DVD Giuseppe Verdi: ERNANI

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Giuseppe Verdi:
ERNANI
Recorded live from the Opéra Monte-Carlo, 2014
1 DVD Arthaus Musik / Naxos

Schon die ersten Töne klingen so sehr nach Rigoletto, dass der Komponist nicht in Frage steht. Und doch, es ist noch ein früher Verdi, seltener gespielt, obwohl er für die üblichen Stimmlagen die bei ihm üblichen großen Rollen bietet und auch die Chöre entsprechend bedacht sind. Die Aufführung, die 2014 im prachtvollen Opernhaus von Monte Carlo Premiere hatte, verströmt auch von der DVD musikalischen Glanz: Daniele Callegari, oft auch in München und Dresden tätig, von italienischen Häusern abgesehen, lässt den Abend zünden.

Inszeniert hat ihn der Direktor des Hauses, Jean-Louis Grinda, der damit in seiner Heimatstadt tätig ist, nachdem er jahrelang der Opéra Royal de Wallonie geleitet hat (und nun auch dem Sommerfestival Les Chorégies d’Orange vorsteht). Er hat Monte Carlo schlagartig ins Bewusstsein und Gespräch der Opernfreunde gebracht, als er zu Beginn des Jahres 2917 den französischen „Tannhäuser“ mit José Cura ansetzte und damit für eine veritable Sensation sorgte. Ähnlich spektakulär fiel sein „Ernani“ – in Co-Produktion mit Liège – nicht aus, aber es ist eine sehr solide Aufführung.

Die Kritik erwähnte den „Mut“, ein Stück in historischen Gewändern auf die Bühne zu bringen, wobei allerdings die Ausstattung Isabelle Partiot-Pieri ein für die Regie wesentliches Element einbringt: Zahlreiche Spiegel brechen das Bild immer wieder, werfen automatisch die Frage nach der „Wirklichkeit“ auf, was eine „normale“ Opernhandlung dann doch interessanter macht.

Ramón Vargas ist ein viel beschäftigter, vorzüglicher Sänger, dem wohl nur die Heldenstatur gefehlt hat, um statt seines soliden Wegs die große Glitzerkarriere zu machen. Mit der Oper in Monte Carlo scheint er eng verbunden, er sang nach dem Ernani-Titelhelden auch den Gabriele Adorno in „Simon Boccanegra“ (und wird dort demnächst als Karl Moor in Verdis „Masnadieri“ zu hören sein – offenbar ist der frühe Verdi dem Intendanten ein Anliegen).

Ähnlich „teuer“ und populär ist die Besetzung von jenem Don Carlo, der Kaiser Karl V. sein sollte – Ludovic Tézier ist der interessante und rare Fall, dass ein Franzose zum führenden Verdi-Bariton aufgestiegen ist. Er hat das Samttimbre und die fließende Kantilene, die ein Kavaliersbariton braucht, samt dramatischer Attacke. Zu den Hauptrollen-Herren gesellte sich noch der russische Baß Alexander Vinogradov als Don Ruy Gomez de Silva, während die scharfstimmige, ein wenig hektisch singende und agierende Bulgarin Svetla Vassilieva gegen die starke Männerbesetzung etwas abfällt.

Sicher, es gibt auf DVD noch die „Ernani“-Aufführungen mit Pavarotti aus der Met (1983) und mit Domingo zur gleichen Zeit aus der Scala, aber das sind historische Ereignisse, die längst jeder Verdi-Freund zuhause hat. Als Ergänzung kann man sich auf seinem Bildschirm gut in das schöne Opernhaus von Monte Carlo begeben.

Renate Wagner

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Giuseppe Verdi
ERNANI

Ernani – Ramón Vargas
Don Carlo – Ludovic Tézier
Don Ruy Gomez de Silva – Alexander Vinogradov
Elvira – Svetla Vassilieva
Giovanna – Karine Ohanyan
Don Riccardo – Maurizio Pace
Jago – Gabriele Ribis

Daniele Callegari, conductor
Monte Carlo Opera Choir
(chorus master: Stefano Visconti)
Monte Carlo Opera Orchestra

Jean-Louis Grinda, stage director
Isabelle Partiot-Pieri, set designer
Teresa Acone, costume designer

Recorded live from the Opéra Monte-Carlo, 2014

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DVD Siegfried Wagner: AN ALLEM IST HÜTCHEN SCHULD!

DVD Cover  WagnerSiegfried, Hütchen~1

Siegfried Wagner:
AN ALLEM IST HÜTCHEN SCHULD!
Aufgenommen im Oktober 2015 in Bochum
1 DVD
MARCO POLO / Naxos

Zu einer DVD wie dieser greift man aus blanker Neugierde. Siegfried Wagner (1869-1930), das ist der „Sohn“, der es nicht geschafft hat. Der in die Fußstapfen des Vaters treten wollte und, ja, auch Opern geschrieben hat – vergeblich. Ist er anders denn als „Sohn“ bekannt? Hat man von ihm einen Titel im Ohr? Ja, „Der Bärenhäuter“, davon hat man gehört (obwohl man auch dazu nichts Genaues zu sagen wüsste). Und was soll „An allem ist Hütchen schuld“ heißen – was, ehrlich gestanden, ein wenig alberner Titel ist? Eine Erich-Kästner-Kinderoper vielleicht (weil es doch dort in „Emil und die Detektive“ ein Ponyhütchen gibt? Aber das ginge sich zeitmäßig nicht aus, schließlich ist Wagners Oper schon 1917 Stuttgart uraufgeführt worden…) Kurz, man ist neugierig.

Man hat auf DVD eine Aufführung vor sich, die 2015 live in Bochum stattgefunden hat, und das nicht in einem Theater, sondern im AudiMax der dortigen Ruhr-Universität. Vorne eine Art „Bühnenraum“, dahinter auf gleicher Ebene das reich besetzte Orchester, ganz im Hintergrund eine Riesenleinwand, die fast permanent für Projektionen genützt wird. „Armes Theater“ nennt es der Regisseur, und es ist sicher billiger, ein Computerprogramm erstellen zu lassen, als die Dinge „in echt“ auf die Bühne zu bringen.

Es handelt sich ja bei den ganzen Unternehmen eindeutig um ein Stück Privatinitiative – Peter P. Pachl, Jahrgang 1953 (es muss etwas für ihn bedeuten, dass er in Bayreuth geboren wurde), ist heutzutage fast der Einzige, der sich unerschütterlich als Regisseur und Produzent für diesen Siegfried Wagner einsetzt, über den er auch eine Biographie (mit dem Untertitel „Genie im Schatten“) geschrieben hat. Das von ihm initiierte „piano-pianissimo Musiktheater“ steht hinter dieser Produktion, zu der er die Bochumer Symphoniker und den Sonderchor der Ruhr-Universität heranziehen konnte. Immerhin hat er für sein Unternehmen, das offenbar nur eine Aufführung erlebte (Spieldauer des Werks: knapp zweidreiviertel Stunden), einige Beachtung in der Presse gefunden, offenbar ein Publikum – und nun die Möglichkeit, Siegfried Wagner per DVD weiter zu verbreiten.

Ein Mann vor dem Orchester blättert in Büchern, „Märchen“ steht auf einem (später erfahren wir, dass er Siegfried Wagner sein soll). Ein kleines rotmütziges Geschöpf läuft herum. Im Hintergrund wechseln die Projektionen. Eine der ersten gilt dem bekannten Doppel-Denkmal der Brüder Grimm. Ja, das hat man nachgelesen – an die 40 Märchen der beiden hat Siegfried Wagner benützt („zusammengebraut“, nennt es Peter P.Pachl), um Elemente daraus in sein Werk zu kompilieren. Emsige Forscher haben weitere Märchen und Motive nachgewiesen. Keine Chance, etwas genau zu erkennen, zumal es sich keinesfalls um die bekanntesten Grimm-Schöpfungen handelt – Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Die sieben Raben, Tischchen deck dich, Rapunzel sind noch die bekanntesten.

„Der Frieder und das Katherlieschen“ aus einem Grimm-Märchen stehen als Paar im Zentrum der bunten, wurligen Geschichte, bei der es nicht darauf ankommt, dass man wirklich immer weiß, was passiert… Wahrscheinlich ist der Kobold namens „Hütchen“ an allem schuld, indem er alles durcheinander bringt. Und weil alles wirklich durch und durch ironisch gemeint ist, sind Siegfried Wagner und Jacob Grimm (letzterer bewegt als Statue den Mund, die Sprache steuert der Regisseur bei) noch ganz kurz als Mitspieler Figuren vorgesehen und diskutieren gegen Ende, ob man so etwas überhaupt darf…

Man darf. Die Aufführung – optisch ein wenig Fetzenkarneval, logistisch frech und unbekümmert und im Ganzen recht lustig – mag nun nicht als Meisterstück gelten (wenn jemand mit reichlich Mitteln an Geld und Phantasie sich damit befasste, könnte das eine herrliche Sache werden), aber jedenfalls macht die Musik nachdrücklich auf sich aufmerksam. Sie klingt feingliedrig, geradeaus romantisch und – ein wenig nach Wagner. Wie auch nicht. Einerseits läuft da einer vor dem Papa und seiner Bombastik davon, indem er etwas anderes machen will. Andererseits parodiert er ihn lächelnd. Die Bochumer Symphoniker realisieren das unter der Leitung von Lionel Friend wirklich schön. Vielleicht ist das, was man akustisch geboten bekommt, für die drei Stunden durchgehend zu lieblich, aber dass dieser Siegfried Wagner ein Könner war, steht außer Zweifel. Er stünde heute vermutlich höher im Kurs, wenn er nicht „der Sohn von…“ wäre, was Vergleiche evoziert, denen niemand stand hielte.

Nur die beiden Hauptrollendarsteller müssen nur „sie selbst“ sein, alle anderen sind in vielen Rollen eingesetzt. Der Frieder wird von Hans-Georg Priese gesungen, der anderswo (meist im deutschen Osten, den es noch immer gibt, wenn es auch glücklicherweise kein anderes Land mehr ist) auch als Tannhäuser und Parsifal, Max und Florestan unterwegs ist, die Rolle fällt ihm also nicht zu schwer. Sein, Katherlies’chen, Rebecca Broberg, ist eine hübsche Amerikanerin mit Wagner-Repertoire und klaren Höhen. Als Hütchen springt fröhlich ein 11jähriger Junge (Alexander Lueg) herum, die Singstimme leiht ihm Laura Lietzmann.

Eine DVD, die Lust macht auf ein bisschen Siegfried Wagner. Er könnte das „Repertoire unbekannter Werke“ sicherlich hübsch aufputzen.

Renate Wagner

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RICHARD WAGNER: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Teatro Real de Madrid 2016 harmonia mundi DVD – Leidenschaftlich dirigierte Aufführung in bildmächtiger Regie von Àlex Ollé (La Fura dels Baus)

RICHARD WAGNER: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Teatro Real de Madrid 2016 harmonia mundi DVD – Leidenschaftlich dirigierte Aufführung in bildmächtiger Regie von Àlex Ollé (La Fura dels Baus)

 

„Ach möchtest du, bleicher Seemann, sie finden!“

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Ein Fliegender Holländer mit überwältigenden Meeresstürmen, alles verschlingender Wassergewalt, irrlichternder Besatzung auf einem rostigen Abwrackkahn. Die Inszenierung findet in einer surrealen Industriewüste statt, in der das Boot des Holländers gestrandet ist. Männer und Frauen haben bereits mit dem Zerlegen des Schiffsrumpfs begonnen, am Strand liegen Rohre und andere Metallteile herum. „Zu ebener Erde und erster Stock“ heißt das schon seit Nestroy bekannte Prinzip: Hoch oben in der Kapitänskajüte, die über einen schwindelerregend steile Leiter erreicht werden kann, hausen Daland und die Seinen, während im Rumpf die ausgelaugten Gestalten des Holländers und seiner weißgesichtigen ausgemergelten Mannschaft hausen. Es ist die gequälte Kreatur selbst, die sich im Konflikt zwischen materieller Gier und Freiheit, imaginiertem Wiedergängertum und fantastischer Ichprojektion am Limes zur Katastrophe spiegelt und darin be- und gefangen ist. Ein sehr interessanter Ansatz, der aber im Detail nicht immer hält.

 

Pablo Heras-Casados lässt in seiner spektakulären musikalischen Deutung alle schäumenden Orchesterwogen auf die Urängste der zwei Außenseiter Holländer und Senta prallen, bis zu einer Art von erlösender mystischer Union (Liebestod oder doch Senta als neue Unerlöste auf den Meeren umherirrend?) am Ende der Aufführung. Der spanische Regisseur Àlex Ollé, einer der sechs künstlerischen Leiter von La Fura dels Baus, hat eine hochdramatische, bildgewaltige Transposition der Musik auf die Bühne des Teatro Real gewuchtet (die echte Premiere fand 2014 in Lyon statt). Projektionen zu Beginn und am Ende (Urs Schönebaum, Franc Aleu), die in ihrer raumgreifenden Poesie und düster schimmernden Farbintensität samt ständigen Beleuchtungswechseln an die Arbeiten Günther Schneider-Siemssens erinnern, verstärken noch den visuellen Eindruck.

 

Das Bühnenbild (Alfons Flores) hält jedoch so manche Tücken bereit: über immense aufgeblasene Höcker – einer Luftmatratze nicht unähnlich, sollen wohl Dünen darstellen – stakst der Chor bisweilen recht unbeholfen durch die Gegend. Die Personenregie veranschaulicht zwar die Hauptbezüge zwischen den Protagonisten recht gut (Senta darf den Holländer nach dem Duett lange und intensiv küssen), der besoffene Chor der Matrosen muss sich jedoch in eigentümlich archaisch formalisierten Bewegungen bewegen, Bollywood lässt grüßen. Die Kostüme (Josep Abril) hingegen konnten mich in ihrem willkürlichen stilistischen Mischmasch nicht überzeugen. Die wie aus indisch-arabischen Second Hand Shops stammenden Kleider für Sentas Gefährtinnen, die am Strand Metallteile reinigen, machen null Sinn und wirken nur banal geschmäcklerisch, was in einer Urkräfte ansprechenden Produktion einen gewissen Widerspruchdarstellt.  Das betrifft auch die putzige Bewegungsregie des Chores.

 

Bei den Männern wird die Aufführung von den beiden nicht verwandten Youns angeführt, Samuel Youn als Holländer und Kwangchul Youn als Daland. Beide sind mit mächtigen Bässen ausgestattet, die sich im Laufe des Abends frei spielen können. Samuel Youn hat eine gigantische, charaktervoll timbrierte Stimme. Leider fehlen ihm stilistisch noch einige Meter, um wirklich ein sehr guter Wagner-Sänger sein zu können. Da wäre einmal der Kampf mit der Diktion, aber schwerer wiegt, dass Samuel Youn die durchaus imposanten Töne einzeln buchstabierend aneinanderreiht. Das geschmeidige Legato, das Formen flexibler Phrasen mit dynamisch differenzierter Textausdeutung sin seine Sache (noch) nicht. So bleibt ein von der Maske zu permanentem Irrsinn gedrillter Titelheld, der mit bloßer Stimmgewalt punktet. Kwangchoul Youn als Daland ist ein hocherfahrener, seriöser Wagner-Bass, dessen Vibrato allerdings auch sehr ausgeprägt ist, was in den gemeinsam gesungenen Passagen mit dem Holländer einigermaßen stört. Rüütel Kai hingegen ist eine durch und durch wunderbare Mary.

 

Sehr erfreulich ist die Besetzung der Tenöre mit dem lyrisch glänzenden Benjamin Bruns als Steuermann und Nikolai Schukoff als feschem Erik.

 

Der leuchtende Stern des Abends ist jedoch Ingela Brimbergs Senta. Was die schwedische Sopranistin, die wie Gwyneth Jones vom Cherubino und anderen Mezzorollen herkommt, hier an lichten, wahrlich jugendlich dramatischen Gesangswonnen verströmt, ist spektakulär und derzeit wohl unerreicht. Ihr finales „Preis deinen Engel und sein Gebot! Hier steh ich – treu dir bis zum Tod!“ kann sich mit den historisch besten Vertreterinnen des Fachs messen.

 

Allerdings begeht Senta am Schluss nicht Selbstmord. Der Titelheld versinkt im Wasser und Senta schmiert sich mit weißer Paste ein, als ob sie in die Rolle des Holländers schlüpfen wollte. Im finalen Projektionsreigen verschluckt sie – im Wasser stehend – eine dunkle Wolke. Keine Erlösung, sondern eine weitere Wiederholung des immer selben Menschheitsfluchs? Will uns das der Regisseur mitteilen? Wie dem auch sei, Wagners Musik übersteht nicht nur alle Deutungsversuche, sie begräbt auch manche von ihnen ganz einfach mit der elementaren Wucht der Musik.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

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DVD Alban Berg: LULU (London, 2009)

DVD Cover  Lulu  London~1

Alban Berg:
LULU
Recorded live at the Royal Opera House, Covent Garden, London,
in June 2009
2 DVDs, Opus Arte Opus arte

Man weiß, wer Christof Loy ist und wie er arbeitet. Ein Opernhaus, das ihn engagiert, will ein Werk gegen den Strich gebürstet. Er hat oft bewiesen, dass er es kann, und er tat es auch 2009 mit Alban Bergs „Lulu“ in London. Die Inszenierung wurde von den Briten nicht durchwegs bejubelt – „this production remains a performance in search of a drama“, hieß es to the point formuliert u.a. in der englischen Presse, die immer nüchtern und unenthusiastisch ist und wo ein Kritiker auch einmal zugibt, sich zu langweilen. Und dennoch wurde gerade daraus schnell eine Kult-Aufführung, verewigt auf DVD, wo man diese „alternative Lulu“ nun betrachten, beurteilen und auch bewundern kann, wenn man Loy-Fan ist.

„Lulu“ ist als Werk nicht einfach, weil schon das zugrunde liegende Wedekind-Drama inhaltlich zerbröckelt, was sich allerdings auf dem Theater eher in den Griff bekommen lässt. Aber Alban Berg „bindet“ natürlich mit der Musik die inhaltlichen und psychologischen Sprünge. An sich ist es eine Geschichte, die ein realistisches Ambiente hat – im Deutschland des Fin de Siècle, die Schauplätze wechseln bis Paris und London (damit die Symbolfigur Jack the Ripper lethal zuschlagen kann), zwischen Zirkusmenagerie (für den Prolog), Atelier, Theater, Salon, bis zur elenden Absteige für das Finale.

Nichts davon gibt es in Loys Inszenierung, die gewissermaßen im leeren Raum stattfindet. Das ist natürlich Konzept, und ob es solcherart für die Zuschauer – die vielleicht nicht alle intime „Lulu“-Kenner sind – leicht wird, dem Geschehen zu folgen, ist keine Überlegung des Regisseurs. Darsteller im heutigen Gewand (besonders bei den Männern total einförmig) müssen einzig durch die Macht der Persönlichkeiten und durch die Konfiguration der Regie wirken. Es gelingt nicht durchwegs.

Londoner Lulu x

Hat man die Produktion gesehen, versteht man, warum Christof Loy Agneta Eichenholz für die Titelrolle wählte, eine Sängerin, die damals noch an deutschen Bühnen am Beginn ihrer Karriere stand, der Name noch nicht in der Opernwelt präsent, fast ein unbeschriebenes Blatt also. Jede andere Sängerin, der Loy die charakteristische Lulu-Pose – „Das wahre Tier, das wilde, schöne Tier“ heißt es schließlich dezidiert im Prolog – dermaßen verweigert hätte, wäre vermutlich mit irgendeinem eigenen Image in den Clinch geraten. So wie Agneta Eichenholz auf der Bühne steht, die dunklen Haare zusammen gebunden, im schwarzen Etuikleid, mit undurchdringlicher, sogar starrer Miene, weist nichts an ihr auf die erotische femme fatale hin, die Wedekind (damals zur Empörung seiner Mitwelt) geschaffen und die Berg musikalisch umgesetzt hat: Die Frau, die sozusagen Erotik sprüht und damit die Männer in den Untergang treibt. Agneta Eichenholz sprüht, wenn das nicht ein Widerspruch in sich wäre, Kälte. Nicht wie eine Sexgöttin, wie eine Todesgöttin steht sie auf der Bühne.

Doch sie fasziniert auf ihre Art, in tiefinnerer Gleichgültigkeit und dann doch einiger Zielstrebigkeit, wenn sie etwa zur absolut bewussten Vernichtung von Dr. Schön ansetzt. Sie singt die stellenweise mörderische Passage mit derselben Selbstverständlichkeit, wie sie diese Lulu der anderen Art ist. Hier wollen Männer (auch wenn sie gelegentlich betatscht wird) weniger ihren Körper als ihre Gefühle – und nein, die gibt sie nicht. Mit dieser Lulu konnte Loy sein Konzept realisieren, konnte verständlich machen, dass Lulu auch jenseits von vordergründigem, brütendem Sex und weiblichem Hüftwackeln funktioniert.

Dass das Geschehen um Lulu gelegentlich einförmig wirkt, weil es szenisch nicht gegliedert wird (immerhin, die Waffen für diverse Selbstmorde und Morde sind vorhanden), kann nur von den großen Interpreten unterbrochen werden, voran Michael Volle als großartigem Dr. Schön, der diese Lulu regelrecht körperlich abschütteln will und ihr dennoch erliegt, so wie Klaus Florian Vogt als anfangs naiv wirkender, nach und nach mehr in den Untergang gezogener Alwa. Ein Fall für sich ist Jennifer Larmore als Geschwitz, vom Klischee her die „männliche“ Lesbe, verkrampft in ihrer Verfallenheit an Lulu: Jennifer Larmore hingegen ist weiblicher, weicher und auch erotischer als die Lulu dieses Abends, was einen seltsamen Kontrast bietet.

Loy hat für das Orchesterzwischenspiel, das Lulu im Gefängnis „überbrückt“, ein Video erstellen lassen, das markante Szenen des bisherigen Geschehens als schwarz-weiße Rückblende zeigt, Großaufnahmen, die sich in dieser perfekten Videoaufzeichnung der Aufführung ohne weiteres einfügen. Dass das Ende nachher in London in derselben Nicht-Welt spielt wie der Rest der Oper, war logische Konsequenz der Inszenierung. Nur das Finale in einem Lichtkegel könnte vielleicht eine Art Symbol sein – wofür bloß?

„Lulu“ ist auch nach oftmaligem Hören für das Publikum nicht einfach, weil die Zwölf-Ton-Musik in der Musikwelt nicht präsent genug ist, um für unsere Gewohnheiten leicht rezipierbar zu sein. Wenn ein Abend musikalisch so leicht und selbstverständlich wirkt wie unter der Leitung von Antonio Pappano, der mit dem Orchester „mitspielt“ und viel szenisch Fehlendes musikalisch zu ersetzen scheint, dann ist das eine große Leistung.

Die Londoner Aufführung unter Christof Loy ist also eine zwar andere, aber doch großartige „Lulu“ – und vermutlich nur mit dieser Hauptdarstellerin zu realisieren. Wenn Agneta Eichenholz nun in Willy Deckers Inszenierung an der Wiener Staatsoper die Lulu sein wird, ist das die Nagelprobe für eine große Künstlerin, wie viele andere Facetten der Lulu noch in ihr stecken.

Renate Wagner

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Alban Berg: LULU

London, Covent Garden, 2009
Antonio Pappano (conductor)
Christof Loy (director)

Agneta Eichenholz (Lulu),
Michael Volle (Dr. Schön/Jack the Ripper),
Klaus Florian Vogt (Alwa),
Jennifer Larmore (Countess Geschwitz),
Philip Langridge (Prince/Manservant/Marquis),
Heather Shipp (Dresser/Schoolboy/Groom),
Will Hartmann (Painter/Policeman/Negro),
Jeremy White (Banker/Professor)
Peter Rose (Animal Trainer/Athlete)

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DVD Strauss: DER ROSENKAVALIER (Met, 2017)

DVD Cover  Der Rosenkavalier Met

Richard Strauss:
DER ROSENKAVALIER
Metropolitan Opera, New York, 2017
2 DVDs (auch BlueRay): DECCA / Universal Music

Die Metropolitan Opera bietet immer wieder Aufführungen, die sich nicht zuletzt durch ihre außerordentlichen Besetzungen auszeichnen. Aber manche Produktionen sind dann noch „besonderer“ als andere – etwa jener „Rosenkavalier“, in dem zwei große Sängerinnen unserer Zeit von Rollen Abschied nahmen, die für sie so wichtig waren wie für das Publikum: Renée Fleming von der Marschallin, Elina Garanca vom Octavian. Und sicher wird beide auch das Gefühl glücklich gemacht haben, dass sie es mit Hilfe von Regisseur Robert Carsen in Rolleninterpretationen tun durften, die nicht so schnell Vergleichbares finden. Schöner geht es nicht. Und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten (und nicht, wenn es zu spät) ist…

Carsens Inszenierung rückt den „Roscnkavalier“ aus dem Wien Maria Theresias in jenes der sterbenden Monarchie – wenn er am Ende im Hintergrund Soldaten zeigt, die wohl in den Krieg (den man später Erster Weltkrieg nennen wird) gehen, ist das sein aufdringlichstes Inszenierungselement. Alles andere fügt sich wunderbar zur Geschichte, allein in den Räumen – die Marschallin ist nicht in ihr Schlafzimmer-Boudoir gesperrt, sondern wohnt in dem weitläufigen Palais ihres Feldmarschall-Gatten, auch um zu zeigen, in welcher Welt sie sich bewegen, wie riskant das Abenteuer eigentlich ist (trotz des getreuen Personals). Und Carsen lässt, nebenbei gesagt, das Liebespaar nicht züchtig sein, sondern jugendlich wild und sinnlich…

Details werden hier klug anders gezeigt als sonst, wenn sich die „drei adeligen Waisen“ nicht als schwarz gekleidete Fräuleins, sondern als Kadetten herausstellen, oder wenn „Hunderln ganz klein“ von einem Herrn im Tirolerhut angeboten werden, der zwei Riesenhunde mitgebracht hat… das sind wirklich amüsante Details. Der „Sänger“ bekommt einen Soloauftritt, wie einer der Stars, die man auch heute um großes Geld mieten kann… nicht irgendein armer herbei geschleppter Künstler.

Wenn im zweiten Akt kurz eine Kanone herumsteht, um zu zeigen, womit der Herr von Faninal (wie viele andere damals auch) reich geworden ist, und wenn eine Frühform der Hochzeitgesellschaft in weißen Gewändern Walzer tanzt (als seien sie das Jung-Komitee am Opernball), dann passt das ebenso in das Konzept dieser Regie wie das lustvoll mit Personal und Accessoirs ausgeschmückte Puff am Ende – zumal, wenn man weiß, wie sich Bordelle in Wien hinter Restaurants oder gar Beiseln („ein ordinäres Beisl“!) tarnten…

Kurz, dieser von Paul Steinberg & Brigitte Reiffenstuel ausgestattete „Rosenkavalier“ des Robert Carsen kreiert eine völlig überzeugende Welt in sich, in der zwar die bekannte Geschichte erzählt wird, aber mancher Akzent doch anders gesetzt ist als sonst, was für den Kenner des Werks  besonderes Vergnügen bedeutet.

Man muss mit dem Ochs von Lerchenau beginnen, denn er ist der Motor des Abends. Allein, wie er auftritt, die Hände selbstbewusst in die Hüften gestützt, „Mariandl“ umweglos belästigend, sich zur Marschallin aufs Bett legend, sprühend vor Überheblichkeit, durchaus zu gewalttätigen Aktionen neigend – da spielt Günther Groissböck die Art von Mann, die wir zu verabscheuen gelernt haben – was nicht bedeutet, dass man nicht ein negatives Beispiel, so klug ausgefeilt wie dieses, auf die Bühne bringen kann. Ein harmlos-liebenswürdiger Ochs, der sich halt aus Dummheit schlecht benimmt, wie ihn frühere Generationen auch gesehen haben mögen, ist für uns nicht mehr denkbar. Groissböck, der die Rolle bis ins Detail „richtig“ singt, hat tausend stimmige, witzige, abgründige Nuancen, die diese Figur ununterbrochen interessant machen – bis zu seiner Demütigung mit Glatze und Pferdeschwanz im letzten Akt, wo er am Ende noch mit Mühe versucht, Haltung zu bewahren… Zweifellos, Groissböck wird auf Jahre „der“ Ochs unserer Zeit sein.

Renée Fleming verabschiedet sich in dem Bewusstsein, eine der denkbar wunderbarsten Marschallinnen gewesen zu sein – nicht auf die Trauerweide gepolt, die viele Kolleginnen spielen mussten. Ihr Schicksal ist nicht wirklich tragisch, und man erlebt diese kluge, souveräne Frau eigentlich ärgerlich darüber, wie es im Leben so läuft, dass nichts Gutes bestehen bleibt, dass die schlechten Leut’ Oberhand haben, dass man nichts gegen das Älterwerden tun kann… sie ist zu gescheit, um zu leiden, es ist eben so… Makellos gesungen, wunderbar gespielt, und, warum soll man es leugnen, sicher auch einen legitimen Teil der Wirkung aus ihrer blonden Schönheit holend.

Auch der Octavian der Elina Garanca ist anders als üblich, erwachsener als nur der „Bub“, auch ein Früchtchen, ein junger Mann, der nicht nur Spaß an der Situation hat, dass Ochs da plötzlich im Schlafzimmer auftaucht, sondern von Anfang an frech und aktiv mitagiert – auch eine nicht zu oft so modelliertes Charakterbild. Vor allem ist sie dann im dritten Akt, im Bordell, entfesselt in der Frauenrolle, schamlos, voll böser Lust, dem Ochs ein auszuwischen: Mariandl nicht auf schüchtern, sondern eine herausfordernde Teufelin. Das prickelt.

Dieses Dreieck bestimmt das Geschehen, in dem sich Erin Morley als Sophie, Markus Brück als Faninal und Matthew Polenzani, ein Liebling des Met-Publikums, als Sänger hochkarätig einfügen und das Orchester (jahrzehntelang geschult von James Levine) unter Sebastian Weigle einen prächtigen Strauss spielt.

Selbst, wenn man die Übertragung aus der Met schon gesehen hat – diese Aufführung ist es wert, sie immer wieder anzusehen und neben die ganz großen „Rosenkavaliere“ der Geschichte (wie man sie glücklicherweise in den „Konserven“ hat) zu stellen. Was nun per DVD / BlueRay glücklicherweise leicht möglich ist.

Renate Wagner

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J.S.BACH: MESSE IN H-MOLL (Gewandhausorchester; Blomstedt; Landshamer, Kulman; Lattek, Pisaroni; Dresdner Kammerchor

J.S.BACH: MESSE IN H-MOLL (Gewandhausorchester; Blomstedt; Landshamer, Kulman; Lattek, Pisaroni; Dresdner Kammerchor

Blu-ray und DVD

Nichts, was er geschrieben hat, ist so allumfassend wie die h-Moll-Messe – nicht einmal seine großartigen Passionen“

J.S. Bach: h-moll-Messe BWV 232 [DVD]

Gewandhausorchester Leipzig
Dresdner Kammerchor
Dirigent: Herbert Blomstedt

Christina Landshamer (Sopran)
Elisabeth Kulman (Alt)
Wolfram Lattke (Tenor)
Luca Pisaroni (Bass)

Katalognummer: ACC10415 (Blu-Ray) / ACC20415 (DVD)

Das findet Herbert Blomstedt, der diesen Auftritt dirigierte und damit das große Bachfest Leipzig im Juni 2017 abschloss. Das Konzert wurde in der Thomaskirche – Bachs Wirkungsstätte – aufgenommen und galt als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Maestro Blomstedt, der nur wenige Wochen danach seinen 90er feierte.

Die Messe in h-Moll ist eines der vor Bachs Tod zuletzt fertiggestellen  Werke – genau ein Jahr vor seinem Tod 1750. Zu Bachs Lebzeiten wurde das Werk jedoch nie in seiner Gesamtheit aufgeführt. Diese Messe sieht Blomstedt als den Höhepunkt in Bachs kreativem Schaffen und als eines der wichtigsten Werke in seinem Leben an. „Es ist wie eine Reflexion des Zweifelns, es ist außerordentlich kraftvolle Musik, auf die gleiche Weise kraftvoll wie ein Keil“. Laut Peter Wollny, Leiter des Bach-Archivs Leipzig, ist es ohne Zweifeldie intellektuell und musikalisch viefältigste und herausfordernste Komposition Bachs“ und „eines der größten Werke der westlichen Kultur“.

Die Bedeutung dieses Werkes wird wahrlich durch diese außerordentliche Kollaboration zwischen Dresdner Kammerchor, Gewandhausorchester Leipzig  und Blomstedt noch gesteigert, der seit 2005 Ehrendirigent des Orchesters ist und es darüber hinaus von 1998 bis 2005 als Chefdirigent geleitet hat.

Diese Aufführung wurde zu einem zweistündigen, hochmeditativen Gebet, das in fast übernatürlicher Ruhe und Klarheit ablief!

A.C.

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MOZART: COSÌ FAN TUTTE – Anne Teresa De Keersmaeker Palais Garnier 2017 Überzeugendes Konzept: Getanzte Algorithmen der Leidenschaft zwischen Mann und Frau – ARTHAUS Musik Blu-Ray

MOZART: COSÌ FAN TUTTE – Anne Teresa De Keersmaeker Palais Garnier 2017

Überzeugendes Konzept: Getanzte Algorithmen der Leidenschaft zwischen Mann und Frau – ARTHAUS Musik Blu-Ray

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Auf einer neuen Blu-Ray kann jetzt die vorstellbar aufregendste, originellste und ganz auf die Beziehung der Personen zueinander in Szene gesetzte Così fan tutte bestaunt werden. Choreographin und Regisseurin Anne Teresa De Keermaeker und ihr Set-Designer Jan Versweyveld schufen eine geometrische Versuchsanordnung auf leerer weißer Bühne. Pentagramme, Kreise und Spiralen sind am weiß lackierten Boden sichtbar. In diesem abstrakten Labor der Liebenden findet ein symmetrisches Spiel zwischen Verbindung und Auflösung, Anziehung und Abstoßung statt. Diese Szene ist prädestiniert, um die etablierte Ordnung zwischen Mann und Frau in Zeiten grundlegenden gesellschaftlichen Wandels in Frage zustellen und auf Basis des Verstands (ganz im Sinne der Philosophie der Freimaurer) neu zu bewerten. De Keersmaeker konstatiert zutreffend, dass „die Musik noch viel weiter geht als die eigentlich Intrige. Selten drückt Musik mit einer solchen Farbvielfalt und Prägnanz die Beziehung zwischen Verlangen und Tod aus… Es ist die Musik, die bewirkt, das die augenscheinlich burleske Banalität der Komödie die Betrachtungsweise ändert, geprägt von sehr melancholischen, fast religiösen Momenten“.

Rein aus dieser revolutionären Musik heraus entwickelt De Keersmaeker ein komplexes fluoreszierendes Bewegungsspiel zwischen unseren sechs Protagonisten und deren tänzerischen Doppelgängern. Der dezente Einsatz von Farbe in den einfachen aber wirkungsvollen Kostümen von An D‘Huys visualisiert zusätzlich das mathematisch choreographierte Beziehungsgeflecht. Ebenso spielen Blicke eine große Rolle in dieser Inszenierung, bei oftmals sparsamen Bewegungen der Hände und Arme sind sie es, die Emotion und Raum miteinander in Spannung setzen.

Zu Beginn des ersten Aktes – alle in schwarz gewandet – beschränkt sich der Bewegungskanon noch auf dezent unisono Chorisches, zuerst nur variiert, indem die Personen in immer größeren Abständen voneinander driften dürfen. Farbe kommt erst ins Spiel, als die beiden Männer zur Prüfung der Treue ihrer Verlobten scheinbar per Schiff in den Krieg ziehen. Musikalische und optische Höhepunkte markieren das Quintett „Di scrivermi ogni giorno“ und das Terzett „Soave sia lil vento“. Alle wissen in diesen Augenblicken, nichts wird wieder so sein, wie es einmal war. Wie hier Unruhe und Sorge, Angst vor Künftigem und dennoch das schicksalhafte Überlassen des Weiteren den Stürmen seelischer Tiefseebeben in theatralischen Ausdruck gegossen wird, ist ereignishaft. Später wird ja die Erkundung zur Bereitschaft zu sexueller Freiheit auch von den Frauen getestet. Zuerst von Dorabella, dann zögerlich von Fiordiligi, stets mit der Alfonsos Intrige stärkenden, mit allen Wassern gewaschenen Despina als Katalysatorin und diabolischer Kupplerin.

Zur Umsetzung der klugen, optisch kurzweiligen und ästhetisch einzigartig schönen Versuchsanordnung steht der Opéra national de Paris ein homogenes, hervorragendes junges, auch optisch in jeder Hinsicht ansprechendes Sänger- und Tanzensemble zur Verfügung. Rein gesanglich haben die beiden männlichen Protagonisten allen anderen eine Nasenlänge voraus: Frédéric Antoun als Ferrando und Philippe Sly als Guglielmo rufen goldene Mozart-Zeiten in Wien/Salzburg der 50-er und 60-er Jahre wach. Antoun (expressiv auch sein Double Julien Monty) singt seine berühmte Arie „Un‘aura amorosa“ mit beispielhaften Legato, schwebenden Piani und  das bei markant dunkel virilem Timbre. Für den Guglielmo bringt Philippe Sly einen edel timbrierten Kavaliersbariton mit. Eine klare Diktion, berückende Stimmfarben und stimmliche Wandlungsfähigkeit machen aus diesem Sänger einen ganz große Hoffnung für die Zukunft. Außerdem ist er ein begnadeter Darsteller. Paulo Szot stellt einen vom Alter her noch knackigen Alfonso auf die Bühne, hochmusikalisch, aber für den „negativen Moralisten“ wirkt er zu harmlos in Auftreten und zu wenig scharf in der Artikulation. Das alles hat sein weibliches Pendant Despina, die quicklebendige und augenrollende Ginger Costa-Jackson hingegen im Übermaß. Ganz wunderbar, wie sie in ihrer Arie im ersten Akt „In uomini, in soldati sperare fedeltà“ in einen inneren Monolog mit ihrem Schatten (Marie Goudot) tritt. Jacquelyn Wagner als Fiordiligi und Michèle Losier als Fiordiligi und Dorabella dürfen instrumental geführte Stimmen mit exquisiten Farben ihr eigen nennen. Frau Wagner müsste allerdings in der Höhe freier und fließender werden und Madame Losier vokal weniger neutral agieren, dann wäre viel gewonnen. Beiden gelingen jedoch in Symbiose mit den kongenialen Tänzerinnen Cynthia Loemij und Samantha van Wissen berührende Porträts der beiden Frauen im Strudel ihrer entwurzelnden Liebeserfahrungen.

Das Orchester der Pariser Oper hat von Philippe Jordan gelernt, einen idiomatisch modernen Mozart abseits aller rein intellektuellen Fragen rund um Originalklang zu spielen. Die schräge Opera Buffa kommt bei dem designierten Musikdirektor der Wiener Staatsoper ebenso zu ihrem Recht wie der melancholische Unterton bzw. die Momente der Stille, wie Jordan dies nennt. Der Chor der Pariser Oper (Einstudierung Alessandro Di Stefano) hat allerdings schon bessere Zeiten gesehen, besonders die Damen singen zu unruhig und vibratoreich.

Ob Mozart als Freimauerer davon überzeugt war, dass der Mensch wirklich glücklich wird, wenn er all sein Vertrauen in die Vernunft steckt, wird im Booklet hinterfragt? Das darf angesichts der Musik im zweiten Akt und des Ausgangs dieser Schwarzen Komödie zumindest stark bezweifelt werden. Laut De Keersmaeker lautet die eigentliche moralische Lektion, der wir uns ohne Einschränkungen anschließen wollen, so: „Ja, es tut weh, ja, die Liebe ist kompliziert, beunruhigend, entwurzelnd, aber niemand kann etwas dafür.“

Fazit: Eine kühne, ästhetisch anspruchsvolle Inszenierung mit ebenso wunderbaren Sängerleistungen, getragen von dem für Mozarts intimstes Stück prädestinierten Philippe Jordan. Als eine der wenigen unter (sehr) vielen Opernverfilmungen wartet die neue DVD auch mit einer höchst gelungenen perspektivenreichen Umsetzung in einer flotten Schnittregie aus Einzel- Gruppen- und Gesamtansichten auf.  Die Dynamik des Tanzes übersetzt als Kadenzgeber das Tempo der Cuts. Endlich wieder einmal eine auch visuell künstlerische geglückte Adaption auf Augenhöhe mit der Inszenierung. Tipp: Ansehen und sich auf dieses rare Opernabenteuer einlassen!

 Dr. Ingobert Waltenberger

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