Der Neue Merker

DUBLIN HAT WIEDER MUT

Dublin hat wieder Mut, 07. April 2015

Von Ursula Wiegand

 Dublin, die Hauptstadt der Republik Irland, zeigt sich jung, lebendig und in guter Laune. Die Cafés und Pubs sind voll, der Verkehr rollt. Die Hoffnung wächst, das Schlimmste sei überstanden. Gemeint sind das Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 und die anschließende Wirtschaftskrise.

 Dublin, der Verkehr rollt
Dublin, der Verkehr rollt. Foto: Ursula Wiegand

 Die EU und der Internationale Währungsfonds haben Irland damals vor der Staatspleite bewahrt. Die Iren selbst, viele bis über beide Ohren verschuldet, haben den Gürtel enger geschnallt, gearbeitet und nie den Kopf hängen lassen. Diese fröhliche, offene Wesensart ist ihnen angeboren und macht Irland – ohnehin mit Natur und Kultur gesegnet – zu einem äußerst sympathischen Reiseziel. Die Touristenzahlen steigen wieder deutlich.

 Hairy Lemon Pub morgens, Stephen Street Lower
Hairy Lemon Pub morgens, Stephen Street Lower. Foto: Ursula Wiegand

 Klar, dass auch die Besucher gerne in die Pubs gehen, nicht nur im Bezirk Temple Bar, und das traditionelle Guinness genießen. Sie sind dabei in bester Gesellschaft, zog es doch auch die Dichter und Schriftsteller ständig dorthin. Kneipentouren mit Live-Musik werden gerne gebucht.

Immerhin hält Irland mit drei in Dublin geborenen Literatur-Nobelpreisträgern – William Butler Yeats, George Bernard Shaw und Samuel Beckett – den Rekord. 1991 hat man für sie und ihre Kollegen, wie Jonathan Swift, Oscar Wilde und James Joyce, das „Dublin Writers Museum“ geschaffen.

 Alte Bibliothek, Old Library, 1732 von Thomas Burgh
Alte Bibliothek, Old Library, 1732 von Thomas Burgh. Foto: Ursula Wiegand

 Für den Blick in ein ganz besonderes und überaus kostbares Buch stehen die Besucher sogar täglich Schlange: für das „Book of Kells“, gehütet im Trinity College (von 1592), Irlands ältester Universität, und dort in der Old Library, erbaut 1732. Schon ihr langer Saal (Long Room) mit den unzähligen Folianten sowie den Büsten der Dichter und Denker von Homer bis Shakespeare ist eine Attraktion.

Alte Bibliothek, Büste von Shakespeare 
Alte Bibliothek, Büste von Shakespeare. Foto: Ursula Wiegand

 Das „Book of Kells“, das alle vier Evangelien enthält und seit 2011 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehört, wurde vermutlich um 800 im schottischen Kloster Iona geschrieben. Aufs Allerfeinste mit ungemein detailreichen Initialen. Eine Text- und eine Bildseite sind aufgeschlagen (absolutes Fotografierverbot).

 Christ Church Cathedral (1170), Kirchenschiff
Christ Church Cathedral (1170), Kirchenschiff. Foto: Ursula Wiegand

 Darüber hinaus bietet Dublin Bauten aus acht Jahrhunderten. Zu den ältesten zählt die Christ Church Cathedral von 1170,  ein Steinbau im Auftrag des normannischen Adligen Richard de Clare. Das großartige Kirchschiff, in dem noch Teile aus jener Zeit erhalten sind, nimmt sogleich gefangen.

In der Krypta können nicht alle andächtig bleiben, denn dort sind auch zwei Kuriositäten zu sehen: eine mumifizierte Katze und eine ebensolche Ratte, beide in Orgelpfeifen gefunden. Dass dieser Dom zwischenzeitlich völlig baufällig war und erst von 1871 bis 1878 wieder in Stand gesetzt wurde, ist kaum vorstellbar.  

 St. Patrick's Cathedral von 1220
St. Patrick’s Cathedral von 1220. Foto: Ursula Wiegand

 Ganz ähnlich erging es der St. Patrick’s Cathedral ( von 1220), Dublins Wahrzeichen. Sie ist dem Nationalheiligen St. Patrick gewidmet, der Irland im 5. Jahrhundert das Christentum brachte. Neben dem gewaltigen Gotteshaus ist eine kleine Stelle in Stein gefasst und eine Inschrift tut kund, dass dort eine Quelle war, an der St. Patrick viele Einwohner im 5. Jahrhundert getauft habe. Anhand eines Kleeblatts hat er ihnen – so die Legende – die Dreifaltigkeit erklärt.

Dieses Gotteshaus ließ Benjamin Guinness, ein Enkel des Brauereigründers, in den 1860’er Jahren auf eigene Kosten gründlich sanieren. Heutzutage zeigt es sich, die Baustile von Epochen vereinend, erneut voller Pracht und Patina.

St. Patrick, Chormitglieder in der Marienkapelle 
St. Patrick, Chormitglieder in der Marienkapelle. Foto: Ursula Wiegand

 Eines sollten Musikfreunde nicht versäumen: von Montag bis Samstag um 17.30 Uhr singt dort gratis der Kirchenchor, mal im Gotteshaus, mal – in kleiner Besetzung – in der gerade frisch restaurierten Marienkapelle.

 Dublins Schloss, Anfang 12. Jahrhundert
Dublins Schloss, Anfang 12. Jahrhundert. Foto: Ursula Wiegand

 Ein Besuchermagnet ist auch Dublins Schloss. Der Record Tower, ein wuchtiger Rundturm von 1226,  stammt noch aus der Zeit der normannischen Eroberer. Das Schloss selbst erhielt im 18. und 19. Jahrhundert sein heutiges Aussehen und war Sitz des englischen Vizekönigs. Entsprechend prächtig ist der Thron-, Bankett- und Ballsaal. Bei der Führung werden auch die unterirdischen Reste der von den Wikingern erbauten Stadtmauer gezeigt.

 Aviva-Rugbystadion, 2010, Populous und  Scott Tallon Walker Architects
Aviva-Rugbystadion, 2010, Populous und  Scott Tallon Walker Architects: Foto: Ursula Wiegand

 Nach solchen Besichtigungen locken die Bänke in den gepflegten Parks zum Pausieren, doch die Entdeckerlust bleibt. Wo ist denn die Moderne aus den Zeiten des Baubooms? Diese Bauten reihen sich am Liffey-Fluss, in den sog. Docklands. Die letzten Gebäude wurden noch 2010 fertig gestellt, und alle können sich sehen lassen. So das riesige austernförmige Rugby-Stadion Aviva, geplant von Populous und Scott Tallon Walker Architects.

 Calatrava-Brücke, Durchblick aufs Convention Centre
Calatrava-Brücke, Durchblick aufs Convention Centre. Foto: Ursula Wiegand

 Ein Hingucker am Liffey-Nordufer ist das Convention Centre von Kevin Roche, New York, dem in Dublin geborenen Star-Architekten. Gleich daneben schwingt sich die Samuel Beckett Bridge über den Fluss, eine drehbare Schrägseilbrücke von Santiago Calatrava in Gestalt einer liegenden Harfe, dem Wappen der Republik Irland. Gefertigt wurde sie in Rotterdam und in 5 Tagen auf einem 90 x 29 Meter großen Ponton nach Dublin transportiert. 

 Riverside 1, 2006, Scott Tallon Walker Architects
Riverside 1, 2006, Scott Tallon Walker Architects. Foto: Ursula Wiegand

 Auf der Südseite des Liffey-Flusses fällt wegen der goldbraunen Fassade das Riverside 1 von 2006 auf, konzipiert von Scott Tallon Walker Architects. Gleich daneben duckt sich The Ferryman, ein Ziegelgebäude, erbaut 1780 im georgianischen Stil (benannt nach vier Königen namens Georg auf dem Britischen Thron). Nun ist es ein preiswertes Hotel. 

 Grand Canal Square Theatre , Daniel Libeskind, 2010
Grand Canal Square Theatre , Daniel Libeskind, 2010. Foto: Ursula Wiegand

 In dieser illustren Architektenrunde fehlt auch nicht Daniel Libeskind. Sein Grand Canal Square Theatre, ein dynamischer Stahl-Glas-Beton-Bau mit schimmernden Schrägflächen, wurde im März 2010 fertig. Die Pläne für weitere spektakuläre Gebäude, wie Norman Fosters U2 Tower, verschwanden wegen der Immobilienkrise in der Schublade. Stattdessen waren allenthalben Bau-Ruinen zu sehen.

 Libeskinds Theater und Hotel The Marker
Libeskinds Theater und The Marker Hotel. Foto: Ursula Wiegand

 Wie ein Lichtblick wirkte dann die nach einer Umplanung im Jahr 2013 geglückte Eröffnung der Luxusherberge „The Marker Hotel“, ein strahlend weißer Bau gegenüber Libeskinds Theater.

Allmählich bessert sich die Situation. Die Regierung ließ für die neue Intercity-Straßenbahn die Rosie Hackett Bridge (von 2014) errichten. „Die Banken sind, wenn auch zögerlich, wieder zur Kreditvergabe bereit,“ äußert Diplom-Architekt Máirtín D’Allon. Architektur-Firmen haben wieder gut zu tun und stellen Leute ein. „Alle meine fertig ausgebildeten Studenten an der Architecture Technology School haben 2014 einen Job gefunden,“ freut sich Máirtín.

 Auskünfte: Tourism Ireland, Libellenweg 1, 1140 Wien, Tel. +43-1-50159 6000, Internet: www.ireland.com  und bei der Irland Information, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt, Tel. +49-(0)69-6680 0950, Internet: www.ireland.com .

Direktflüge mit Aer Lingus nach Dublin von Wien, Frankfurt, Stuttgart, München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf (www.aerlingus.com ) (U.W.)

 

 

     

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