Der Neue Merker

DRESDEN/ Semperoper: JUBILÄUMSKONZERT 200 JAHRE SÄCHSISCHER STAATSOPERNCHOR

Dresden / Semperoper JUBILÄUMSKONZERT 200 JAHRE SÄCHSISCHER STAATSOPERNCHOR –  8.10.2017

Seit seiner Gründung im Jahre 1817 durch Carl Maria von Weber ist der Sächsische Staatsopernchor Dresden, einer der bekanntesten und besten Opernchöre Europas, aus dem Dresdner Musikleben und speziell der Dresdner Oper nicht mehr wegzudenken, „ein Schatz, ein Aushängeschild dieses Hauses“ wie Intendant und Kaufmännischer Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater, Wolfgang Rothe, in seiner Begrüßungsrede betonte. Dieser Chor  war in Vergangenheit und Gegenwart nicht selten das Beste mancher Aufführung. Er war und ist Stütze und Fundament der meisten Opernaufführungen und verhalf so mancher Vorstellung durch seine Qualität zum Erfolg.

Mit seinen derzeit 92 Sängerinnen und Sängern (Mitwirkende an diesem Abend: 75) kann er auch sehr große Aufgaben, wie die monumentalen Chöre in Hector Berlioz‘ Oper „Les Troyens/Die Trojaner“, die erst kürzlich (8.10.) in der Semperoper Premiere hatte, bewältigen, was er in diesem Konzert mit dem Chor „Après dix ans“ (Chorsolist: Norbert Klesse) bewies.

Während die Sächsische Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Asher Fisch den „Einzug der Gäste“ aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“, dessen Uraufführung (wie auch „Rienzi“) in Dresden stattfand, sehr feierlich intonierte, zog der Staatsopernchor in das auf der Bühne aufgebaute „Konzertzimmer“ ein und begann seine Reminiszenz an Wagner, der seinerzeit (1843-1849) die Aufführungen an der Dresdner Oper leitete und zu dem damit auch der Chor ein besonderes Verhältnis hat, mit der „Spinnstube“, gesungen vom Frauenchor, der „Steuermann, lass die Wacht„, gesungen von den Herren, aus „Der Fliegende Holländer“ und der „Pilgerchor“ aus „Tannhäuser“ mit guten und sehr sicheren Chorsolisten (Elisabeth Anke Althoff und Wolfram Reinhold Schreyer-Morlock) folgten.

Wagner bildete mit dem „Wach-Auf-Chor“ aus den „Meistersingern“, dessen heikler Einsatz beim gefürchteten „Wach Auf“ mit äußerster Präzision gelang, als gemeinsame Zugabe von Chor und Orchester auch den endgültigen Abschluss dieses eindrucksvollen und stimmgewaltigen Abends und wirkte wie eine Klammer um das Programm und die Arbeit des Chores.

Mit zahlreichen weiteren, sehr unterschiedlichen Chorklassikern in einem abwechslungsreichen, anspruchsvollen und gut arrangierten Programm gab der Chor seine Visitenkarte ab und erfreute das Publikum mit einem repräsentativen Querschnitt seines großen und vielfältigen Repertoires, den schönsten und beliebtesten Chören, (fast) alles „Ohrwürmer“, die das Publikum immer wieder begeistern, und wenn es sie noch so oft hört. In dieser Interpretation konnte sie allerdings auch der anspruchsvolle Hörer wieder neu für sich entdecken.

Natürlich durfte „Viktoria“ und der „Jägerchor“ aus dem „Freischütz“ von Wagners „Vorgänger“ im Dresdner Amt und Gründungsvater des Staatsopernchores, Carl Maria von Weber, nicht fehlen.

Einen Ausflug in die Moderne bedeutete der Chor „Dein ärgster Feind sitzt in dir selbst“ aus „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith, sehr laut und impulsiv mit ständiger Steigerung gesungen und trotzdem sehr gut und transparent wiedergegeben.

Mit nicht zu überbietender Feinheit, wie „sphärisch verhalten aus dem Nichts auftauchend,  begann die Sächsische Staatskapelle den feinsinnig und leidenschaftlich zugleich gesungenen „Gefangenenchor“ aus „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven (Chorsolisten: Jörg Reißmann, Martin Schubert), auf den der „Chor der Landleute“ aus „Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana folgte.

Beim „Finale“ des 3. Aktes aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet wirkte der Kinderchor der Sächsischen Staatsoper Dresden in der Einstudierung von Claudia Sebastian-Bertsch, dem ebenfalls ein großes Lob gebührt, aus beiden Proszeniumslogen mit.
 
Als Erinnerung an ein eigenes Konzerts, bei dem der Staatsopernchor den „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufführte, wurde „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ angestimmt. Dafür überließ Asher Fisch das Pult Chordirektor Jörn Hinnerk Andresen, der auch die damalige Aufführung leitete. Hier bewies der Chor einmal mehr seine Extraklasse mit seinem berühmten, klangvollen Pianissimo bis Mezzoforte, aber auch kraftvollen Passagen.

Mit der „Singschule“ aus „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing legten Chor und Markus Marquart, der mit Humor und Durchsetzungskraft in die Rolle des Bürgermeisters van Bett schlüpfte, viel Ehre ein, was man von der „Laudatio“ des staatlichen Vertreters bei der anschließenden Preisverleihung nicht unbedingt behaupten konnte. Der Chor erhielt anlässlich seines 200jährigen  Bestehens für seine künstlerischen Verdienste den Preis der Stiftung zur Förderung der Semperoper, die ihrerseits in diesem Jahr auf ein Vierteljahrhundert einzigartigen Engagements für die Semperoper zurückblicken kann.

Dass die Musik italienischer Komponisten in Dresden immer gepflegt wurde, wurde mit dem „Glöckchenchor“ aus „Pagliacci“ von Ruggiero Leoncavallo und drei Chören aus Opern von Giuseppe Verdi Rechnung getragen, mit dem absolut perfekt interpretierten „Patria opressa“ aus „Macbeth“, bei dem Chor und Orchester gleichermaßen hervorragend zusammenwirkten, sowie „Fuoco di Gioia“ aus “Othello“ und dem „Gefangenenchor aus „Nabucco„, der immer wieder die Herzen höher schlagen lässt und nicht fehlen durfte.

Es war ein stimmgewaltiger Abend, bei dem Sächsischer Staatsopernchor und Sächsische  Staatskapelle, mit besonderen Feinheiten, ihrer großen Stärke, dem berühmten „Dresdner Klang“, aber auch massiven Klangballungen, je nach Charakter der Opern und ihrer Chöre, erneut ihre hohe Qualität bewiesen.

Ingrid Gerk

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