Der Neue Merker

DRESDEN/ Semperoper: SCHWANDA, DER DUDELSACKPFEIFER

DRESDEN/ Semperoper: SCHWANDA, DER DUDELSACKPFEIFER  am 30.1.2014

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In der Hölle ist der Teufel los. Foto: Matthias Creutziger

Jaromír Weinberger erzielte mit seiner 1927 im Prager Nationaltheater uraufgeführten Oper „Švandadudák“ einen sensationellen Erfolg (wenn auch nicht in seiner tschechischen Heimat). Das Werk erlebte in den nächsten Jahren weltweit zahlreiche Aufführungen und wurde vor allem im deutschen Sprachraum sehr beliebt. Die Oper wurde 1930 an der Wiener Staatsoper (mit Karl Hammes, Margit Schenker-Angerer, Alfred Piccaver, Gertrude Rünger und Richard Mayr) und 1931 sogar an der Metropolitan Opera in New York in deutscher Sprache (!) gespielt (mit Friedrich Schorr, Maria Müller, Rudolf Laubenthal, Karin Branzell und Gustav Schützendorf). Das Wiener Publikum kann sich vielleicht noch an die letzte Produktion an der Wiener Volksoper erinnern (1980 mit Robert Granzer, Mirjana Irosch, Alois Aichhorn, Christiane Sorell und Hans Kraemmer; in der Wiederaufnahme 1986 waren dannWicus Slabbert, Jolanta Radek, Kurt Schreibmayer, Christiane Sorell und Michael Glücksmann zu hören).

Der 1896 in Prag geborene Komponist studierte in Prag und Leipzig (u.a. bei Max Reger) und lebte einige Jahre in Baden bei Wien. 1938 musste er als Jude emigrieren und kam 1939 über Frankreich in die USA, wo er 1967 – wohl in dem Bewusstsein als Komponist vergessen worden zu sein – Selbstmord beging. Von seinen übrigen Werken ist der Nachwelt außer „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ höchstens noch seine 1937 an der Wiener Staatsoper uraufgeführte Oper „Wallenstein“ ein Begriff, die 2012 im Wiener Konzerthaus wenigstens in konzertanter Form wieder aufgeführt wurde.

„Švandadudák“ ist eine Volksoper im wahrsten Sinne des Wortes (in der Nachfolge der Volksopern Smetanas und Dvořáks).Die Geschichte vom lustigen Bauern Schwanda, der vom Räuber Babinsky überredet wird mit seinem Dudelsack eine verzauberte Königin zu befreien, nur knapp einer Hinrichtung entgeht und schließlich in der Hölle landet, wo ihn Babinskybefreit, indem er den Teufel beim Kartenspielen betrügt. Schließlich nach all den Erlebnissen in der großen Welt findet Schwandaglücklich zu seiner Frau heim. Das Libretto basiert auf einer Volkssage. Musikalisch dominieren folkloristische Elemente und böhmische Tänze (die Polka wurde sozusagen operntauglich) von enorm melodiösem Reichtum, die musikalischen Vorbilder Smetana und Dvořák sind nicht zu verleugnen, aber man merkt auch genau den Einfluss seines Lehrers Max Reger, ja zwischendurch blitzen Anklänge an Humperdinck und Richard Strauss und sogar an Janáčekdurch. Eine der Höhepunkte der Oper ist die sogenannte Höllenfuge, in der der Teufel erfolglos (sprich: mit vielen falschen Tönen) versucht auf dem Dudelsack zu spielen.

Die Sächsische Staatsoper brachte vor zwei Jahren eine Produktion in tschechischer Originalsprache heraus (ein Mitschnitt der damaligen Premiere ist soeben auf CD veröffentlicht worden), die nun erfreulicherweise wieder aufgenommen wurde. Die Inszenierung stammt von dem ehemaligen Counter-Tenor und nunmehrigen Intendanten der Oper Halle Axel Köhler. Das Bühnenbild von Arne Walther ist praktikabel und ermöglicht rasche Umbauten. Im ersten Bild sehen wir Schwanda und seine Frau Dorotka in einer kleinen Hütte, die eher einem kleinen Glashaus ähnelt. Der Eispalast der Königin wirkt dagegen wie eine mehrfache Vergrößerung dieses Glashauses, während die Hölle eine unterirdische Variante dieses Eispalastes darstellt. Dort geht es sehr lustig zu (also vor dieser Hölle braucht sich wirklich niemand zu fürchten!): da werden die Neuankömmlinge von einer Zahnradmaschine zermalmt, bevor sie von einem Bischof (Ähnlichkeiten mit dem vor Kurzen verstorbenen Bischof Krenn sind wahrscheinlich nur zufällig und nicht beabsichtigt) die Hörner aufgesetzt bekommen. Wenn der Regisseur auch gelegentlich den Chor nur statuarisch herumstehen lässt, gelingt ihm insgesamt doch mit pointierter Personenführung eine unterhaltsame und vergnügliche Inszenierung. Die bunten und märchenhaften Kostüme stammen von HenrikeBromber.

Als liebenswerter Schwanda überzeugt Christoph Pohl mit nicht allzu großem, aber angenehm timbriertem Bariton. Marjorie Owens sang die warmherzige Dorotka mit jugendlich-dramatischem Sopran. Für den Tenor Ladislav Elgr muss diese Aufführung so etwas wie ein Heimspiel sein, ist er doch der einzige Tscheche in diesem Ensemble. Sein Babinsky ist ein Gentleman-Gauner, der alle Sympathien auf seiner Seite hat. Stimmlich gerät er zwar manchmal an seine Grenzen, doch konnte er auch in dieser Hinsicht voll überzeugen. Einen gemütlicheren Teufel als Michael Eder kann man sich gar nicht vorstellen. Tilmann Rönnebeck war als Magier zufriedenstellend. Einzig Tichina Vaughn klang als Königin schon ziemlich ausgesungen. Grandios der Sächsische Staatsopernchor. Constantin Trinks am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden brachte den Farbenreichtum der Partitur zum Erblühen.

Diese Oper fehlt im Wiener Repertoire. Es wäre schön, wenn die Wiener Volksoper auch wieder dieses Werk auf den Spielplan setzen würde, anstatt andauernd Opern, die sich ohnehin im Repertoire der Wiener Staatsoper befinden (wie z.B. „Rigoletto“, „Tosca“, „Salome“, „Fidelio“ etc.), herauszubringen.

Walter Nowotny

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