Der Neue Merker

DRESDEN/ Semperoper: LOHENGRIN – mit zwei neuen Stars im Wagner-Fach

Zwei „neue“ Stars im Wagner-Fach: Netrebko und Beczala im „Lohengrin“ in Dresden (Vorstellung: 22. 5. 2016)

'Lohengrin', 3. Akt: Anna Netrebko (Elsa) und Piotr Beczala (Lohengrin) © Semperoper Dresden/Daniel Koch

»Lohengrin«, 3. Akt: Anna Netrebko (Elsa) und Piotr Beczala (Lohengrin)
© Semperoper Dresden/Daniel Koch

Mit Anna Netrebko als Elsa von Brabant und Piotr Beczala in der Titelrolle brillierten zwei Stars der Opernwelt an der Semperoper in Dresden erstmals im „Lohengrin“ von Richard Wagner. Sie erfüllten alle Erwartungen des Publikums – sämtliche Vorstellungen waren seit Wochen restlos ausverkauft – und wurden für ihre Leistung frenetisch gefeiert. Vorteilhaft für den großen Erfolg war meines Erachtens auch die schlüssige Inszenierung von Christine Mielitz, die von 1973 bis 1988 als Assistentin von Harry Kupfer und danach als Oberspielleiterin an der Semperoper tätig war und für wegweisende Inszenierungen, wie eben „Lohengrin“, sorgte.  Die Aufführung am 22. Mai 2016 war bereits die 113. Vorstellung dieser Inszenierung (Regieassistenz: Bernd Gierke). Für das anschauliche Bühnenbild und die trefflich passenden Kostüme zeichnete Peter Heilein verantwortlich.

Als dritter Star der Opernwelt drückte Christian Thielemann der großartigen Aufführung seinen Stempel auf. Mit seinem gefühlvollen Dirigat der Sächsischen Staatskapelle Dresden, das sich besonders im Vorspiel zum dritten Aufzug mit dramatischem Feuer auszeichnete, war er für das gesamte Sängerensemble ein idealer „Begleiter“.  

Es gibt Vorstellungen, in denen sich die Sängerinnen und Sänger gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen – und ich bekam bald das Gefühl, dass genau das an diesem Tag dieses Phänomen eintreten würde. In den Pausengesprächen bestärkten viele Besucherinnen und Besucher meine Meinung. Das Publikum schien fasziniert.

Der Bass Georg Zeppenfeld als Heinrich der Vogler gab einen stattlichen König, der stimmlich wie darstellerisch voll überzeugte. Gleiches gilt für die Sopranistin Evelyn Herlitzius als Ortrud, der Gegenspielerin von Elsa. Sie sang sehr ausdrucksstark und spielte ihre Rolle eindrucksvoll. Ihr Duett mit Elsa zählte zu den Höhepunkten des tollen Opernabends. Der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny spielte die Rolle des Telramund gleichfalls mit großem Einsatz und kräftiger Stimme.

Für die großartige Leistung des gesamten Ensembles sorgten auch die Darsteller der kleineren Rollen: Der australische Bassbariton Derek Welton als stimmlich imposanter Heerrufer des Königs ebenso wie die vier brabantischen Edlen, die Tenöre Tom Martinsen und Simeon Esper sowie die Bässe Matthias Henneberg und Tilmann Rönnebeck. Mit enormer Stimmkraft agierte der Sächsische Staatsopernchor Dresden (Leitung: Jörn Hinnerk Andresen).

'Lohengrin', 1. Akt: Anna Netrebko (Elsa) und Georg Zeppenfeld (Heinrich der Vogler) © Semperoper Dresden/Daniel Koch

»Lohengrin«, 1. Akt: Anna Netrebko (Elsa) und Georg Zeppenfeld (Heinrich der Vogler)
© Semperoper Dresden/Daniel Koch

 Zurück zu den beiden großen, zum ersten Mal Wagner-Rollen singenden Stars Anna Netrebko und Piotr Beczala. Dass der polnische Tenor in der Titelrolle mit samtenem Timbre seine großen Szenen („Nun sein bedankt, mein lieber Schwan“ und die Gralserzählung „In fernem Land“) auch wortdeutlich singen würde, war vorauszusehen. Dass aber auch die der deutschen Sprache leider immer noch nicht mächtige Sopranistin Anna Netrebko ihre Arien halbwegs wortdeutlich darbringen würde, war eine positive Überraschung. Platz nach oben ist dennoch vorhanden… Schauspielerisch konnten beide restlos überzeugen!

Am Schluss der grandiosen Vorstellung grenzenloser, nicht enden wollender Jubel für alle – mit Blumengrüßen für Anna Netrebko, Piotr Beczala und Christian Thielemann, der seine  zwei Blumensträuße postwendend in den Orchestergraben zu Musikern der Sächsischen Staatskapelle warf.  

Udo Pacolt

 PS: Die Vorstellung wurde ein wenig zeitversetzt Open Air auf den Theaterplatz vor der Semperoper übertragen.

 

 

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