Der Neue Merker

DRESDEN/ Kreuzkirche: EIN DEUTSCHES REQUIEM von Johannes Brahms beim Dresdner Kreuzchor

Dresden/Kreuzkirche: „EIN DEUTSCHES REQUIEM“ VON JOHANNES BRAHMS BEIM DRESDNER KREUZCHOR“ – 19.11.2017

Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms gehört in einer langen Tradition auch zum Standardrepertoire des Dresdner Kreuzchores und wurde seit Jahrzehnten immer am Totensonntag in der Kreuzkirche aufgeführt, in diesem Jahr aber schon eine Woche vorher, am Volkstrauertag, vermutlich wegen des Reiseprogrammes des Kreuzchores.

In einer langen und –  wie sich immer wieder herausstellt – sehr glücklichen Tradition bildete auch in diesem Jahr die Dresdner Philharmonie das sichere musikalische Fundament. Sie verlieh der Aufführung mit ihrem besonders schönen, warmen Streicherklang, sehr sauberen und klangschönen Bläsern, zwei Harfen und der, stets in Übereinstimmung mit dem Orchester mit einer Palette von feinsten, sanften bis hin zu sehr kräftigen Paukenschlägen den Gesamtklang des Orchesters in schönster Weise mit entsprechenden Akzenten unterstreichenden, Pauke Glanz und Tiefe der Empfindung.

Der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden in der Einstudierung von Peter Kopp bildeten das entsprechende Pendant zur Dresdner Philharmonie. Die Stimmen beider Chöre vereinten sich zu einem gemeinsamen großen Chor mit gutem Chorklang, bei dem die Frauenstimmen des Vocal concert, zu denen sich die Knabensoprane des Kreuzchores gesellten, ein Klangbild im besten romantischen Sinn, aber auch den gegenwärtigen Klangvorstellungen entsprechend, boten, klangschön bis zum mächtigen Schluss.

Chor und Orchester gestalteten einen großen musikalischen Bogen vom zarten Pianissimo in einer  gewaltigen Steigerung bis zum gewaltigen, expressiven Fortissimo, und danach mit spannungsreichem, ausdrucksstarkem Decrescendo wieder langsam abschwellend, eine umspannende, ergreifende musikalische Aussage, ein interner Höhepunkt, dessen Schluss die Bariton-Arie „Herr, lehre doch mich“, dass ein Ende mit mir haben muss …“ emotional vorbereitete.

Andreas Scheibner gestaltete diese Arie, wie dann auch die zweite, souverän und mit der für ihn schon sprichwörtlichen sängerischen Exaktheit und ausgezeichneter Artikulation. Er hat in der Kreuzkirche sozusagen „Heimvorteil“, kennt die akustischen Verhältnisse genauestens und hat eine innere Beziehung zu den geistlichen Werken. Einst Kruzianer und Knabensolist und später in unzähligen Oratorien- und Passionsaufführungen als Solist – nicht nur beim Kreuzchor und in der Kreuzkirche – hat er das richtige Gespür für den entsprechenden Einsatz der Stimme im Rahmen der akustischen Verhältnisse des Raumes. Man hört jeden Ton und versteht jedes Wort, unabhängig von dem Platz, an dem man der Aufführung lauscht. Es geht keine Nuance verloren, und die Intentionen des Komponisten teilen sich bei seiner Interpretation wie selbstverständlich mit.

Ganz anders (und an dieser Stelle ungewohnt) wirkte hingegen die in ihrer Art sehr innige Sopran-Arie, von Heidi Elisabeth Meier jedoch eher opernhaft gesungen. Gerade mit dieser Arie wurden an dieser Stelle schon gesangstechnisch ideale und ausdrucksmäßig unübertroffen innige Interpretationen geboten, die die Maßstäbe sehr hoch gesetzt haben. Bei Heidi Elisabeth Meier wirkte die Stimme mitunter leicht schrill. Andererseits war so mancher Ton, insbesondere in der Tiefe, nicht mehr hören. Ihre Gesamt-Konzeption war anders als gewohnt, aber akzeptabel und ihre Stimme „mischte“ sich gut mit dem Chor, so dass sie dennoch einen passablen Gesamteindruck hinterließ, auch wenn sie mit ihrer Art der Interpretation nicht unmittelbar an die gewohnte Tradition anschließen konnte.

Im Sinne einer schönen Geschlossenheit des „Requiems“ hätte man sich noch etwas kürzere Pausen zwischen den einzelnen Teilen vorstellen können, aber es war dennoch eine ansprechende Aufführung unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile, die an diesem Sonntag an die Gefallenen der Kriege erinnerte und dennoch in ihrer Art Trost spendete.

 Ingrid Gerk

 

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