Der Neue Merker

DRESDEN/ Hochschule für Musik: „MEISTERKONZERT“ mit Jan Vogler & LISE DE LA SALLE

Dresden / Hochschule für Musik: „MEISTERKONZERT“ MIT JAN VOGLER & LISE DE LA SALLE – 12.12.2016

Seit sie 2010 beim Moritzburgfestival, das im neuen Jahr in der Zeit vom 5. – 20.8.2017 wieder in dem idyllischen Ort Moritzburg bei Dresden stattfindet, das erste Mal gemeinsam musizierten, sind sie nun – seit einigen Monaten – ein Duo, Jan Vogler & Lise de la Salle, zwei international gefeierte Künstler an Violoncello und Klavier, die im zweiten und letzten Konzert der Reihe „Meisterkonzerte“ dieser Saison, bei der Jan Vogler das Violoncello in den Mittelpunkt stellte, zum ersten Mal gemeinsam auftraten, wobei man den Eindruck hatte, dass sie schon lange gemeinsam musizieren, so sehr waren beide bei ihren Interpretationen auf gleicher musikalischer und geistiger Wellenlänge, verstanden sich „blind“ und bildeten trotz Generationsunterschied eine vollkommene musikalische Einheit.

Jan Vogler, der dreifache ECHO-Preisträger, der zu den renommiertesten Instrumentalsolisten der Gegenwart gehört, legt bei seinem künstlerischen Schaffen nicht nur mit dem Moritzburgfestival, sondern auch bei seinen Interpretationen neben seiner Konzerttätigkeit viel Wert auf die Pflege der Kammermusik mit ihrer Kreativität, Spontaneität, Intensität und Intimität, die den ganzen Künstler im Zusammenspiel mit nur wenigen anderen fordert und prägt. Lise de la Salle tritt ebenfalls oft bei Kammerkonzerten und Kammernusik-Festivals auf. Trotz ihrer Jugend beherrscht sie den unter der jüngeren Pianisten-Generation leider schon selten gewordenen differenzierenden Anschlag, eine große Palette an Ausdrucksmöglichkeiten und Klangfarben und versteht es, das alles, dem Werk, das sie spielt, und dessen Charakter entsprechend, einzusetzen, und sich in dessen Spezifik zu vertiefen.

 Claude Debussys, bewusst zweisätzige, inmitten des 1. Weltkriegs geschriebene, „Sonate d‑Moll“, bei der er sich seine Aversion gegen die deutsche Besatzung und alles Deutsche, einschließlich Kompositionsstil, von der Seele schrieb und sich im elegant-poetischen Stil  an seinen neu erkorenen Vorbildern des französischen Barock, Rameau und Couperin, orientierte, wurde von beiden Künstlern mit schöner Tongebung und virtuosem Können wiedergegeben, majestätisch der 1. Satz – „Prologue“ – im Ton der französischen Ouvertüre wie „eine Reminiszenz an die barocke Oper“ und der 2. Satz – „Sérénade et Finale. Modérément animé“ – teils gezupft und humorvoll wie ein leichtes Gitarren-Ständchen. Es war ein zunächst ungewohnter Debussy, der aber mit diesem Hintergrundwissen verständlich wird.

Bei der beliebten „Sonate Nr. 3 A‑Dur“(op. 69) von Ludwig van Beethoven waren beide in ihrem Element. Sie ließen sie mit Beethovens großem Erfindungsreichtum an Themen und Melodien im Wechsel von sehr temperamentvollen Passagen und lyrisch schönem Piano mit feinen Übergängen erstehen. Jan Voglers singender Celloton verband sich in idealer Weise mit dem agilen Spiel von Lise de la Salle am Klavier, die obwohl auch Solistin, sehr einfühlsam auf den Cellopart einging, ihn unterstützte und am Klavier ergänzte, d. h. sie ergänzten sich beide auf ideale Weise. Die musikalischen Linien flossen ineinander, gingen eigene Wege und verbanden sich wieder zu einer klanglichen Einheit.

Von großem Erfindungsreichtum ist auch Sergeij Rachmainovs „Sonate für Violoncello und Klavier g‑Moll“ (op. 19) geprägt, wenn auch anders verarbeitet, als bei Beethoven. Es ist eine sehr eingängige Melodik, bei der in ineinander übergehender Folge ein schönes Thema das andere ablöst, ohne dass man bei dieser Wiedergabe hätte dessen müde werden können. Die Pianistin spielte den ungleich schwereren Teil so wunderbar gefühlvoll, eine reife Musikerin im jugendlichen Alter, und Vogler ließ sein Cello herrliche Kantilenen singen.

Als Dank für den begeisterten Applaus kündigte Jan Vogler „Chopin oder Schostakowitsch“ an, entschied sich dann aber für das warmherzig interpretierte „Largo“ aus der „Cellosonate“ von Frédéric Chopin als 1. Zugabe. Dmitri Schostakowitsch folgte aber auch noch – als 2. Zugabe, etwas zögerlich, aber mit Charme angekündigt von Lise de la Salle. Hier hatte vor allem Jan Vogler Gelegenheit, sein virtuoses Können in sehr modernen, temperamentvollen Passagen mit eigenwilligen, neuartigen Effekten zu präsentieren. Lise de la Salle unterstützte ihn in sehr feiner, ergänzender Weise.

Ingrid Gerk

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