Der Neue Merker

DRESDEN/ Hochschule für Musik: GEORG PHILIPP TELEMANN ZUM 250. TODESTAG

Dresden/Hochschule für Musik: „GEORG PHILIPP TELEMANN ZUM 250. TODESTAG – 5.12.2017

In diesem Jahr wird des 250. Todestages von Georg Philipp Telemann gedacht, der zu seinen Lebzeiten berühmter war als J. S. Bach und G. F. Händel, mit denen ihn eine enge Freundschaft verband. Später galt er als „Vielschreiber“ und ist jetzt wieder rehabilitiert. Auch wenn er sehr viel schrieb (u. a. weil seine 2. Ehefrau sehr verschwenderisch war), entbehren doch alle seine Kompositionen nicht der entsprechenden Qualität. Es fiel ihm nicht schwer zu komponieren, zumal sein Stil leicht und gefällig ist und seine Kompositionen leichter auszuführen sind als beispielsweise die Bachs, was wohl ein Hauptgrund für seine Berühmthit und Beliebtheit gewesen sein dürfte.

Telemann kam es auf den guten Klang und die emotionale Wirkung an, was ganz von den Ausführenden abhängen sollte. Er überließ ihnen die feine Ausschmückung und die schönen Verzierungen, ließ den Interpreten viel Freiheit und machte es sich und den Ausführenden leichter als Bach, bei dem alles genau vorgeschrieben und festgelegt war. So virtuos und akribisch genau wie heutzutage nach langjährigem Studium seinen Kompositionen nachgespürt wird, dürfte es früher allerdings nicht zugegangen sein.

Professoren der Hochschule für Musik, darunter Celine Moinet, 1. Soloflötistin der Sächsischen Staatskapelle, die seit 10 Jahren als Ausnahmekünstlerin auf ihrem Instrument gilt und, obwohl sie noch jung ist, parallel zu ihrer Konzerttätigkeit ihr außergewöhnliches Können auch an die nächste Oboisten-Generation weitergibt, realisierten Telemanns Idealvorstellungen in einem geschickt arrangierten Programm, bei dem ausschließlich Kompositionen von Telemann erklangen, zusammen mit ihren besten Studierenden.

Der Besucher wurde im abgedunkelten Raum mit Telemanns Solo-„Flötenfantasie Nr. 10 fis-Moll“ vom 1. Rang aus empfangen, gespielt von einer Studentin (Ruth Pereira Medina). Dann meldete sich die „Öffentliche Meinung“ (ähnlich wie in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“) in Gestalt der Professorin für Bühnensprechen und Szenenstudium, Elisabeth Holmer, mit dem Vorwurf der „Vielschreiberei“, auf den Telemann alias Michael Heinemann, Professor für Musikwissenschaft, der auch die Texte verfasste, u. a. mit allerlei eingestreuten Zitaten von Goethe („Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“), J. S. Bach „Ich habe fleißig sein müssen…“), Richard Wagner („Verachtet mir“ den Bach „nicht“) usw. antwortete, um sich zu verteidigen und schließlich mit den Worten „Das Spiel beginnt“ den Musikern die Bühne überließ.

Später vertrat er Telemann auch in Reimen und mit Ausschnitten aus seinen Briefen und mit einem Gedicht auf den Tod seiner ersten Frau, immer wieder auch mit fremden und verfremdeten Zitaten „gewürzt“, bei denen u. a. Bachs Musik auch als „verzopft“ bezeichnet wurde, denn Telemann tat schon einen Schritt in eine modernere Richtung. Ausgehend von der Nachahmung des französischen Stils entwickelte er seinen eigenen.

Nach der Studentin präsentierte ihr „Lehrer“ Stéphane Réty, der an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte (da gibt es kein Pardon für Künstler), zusammen mit Andreas Hecker am Cembalo sein Können mit der „Methodischen Sonate Nr. 2 in C-Dur“. Eine weitere „Methodische Sonate“, die „Nr. 5 in a-Moll“, schloss sich in der sehr guten Interpretation eines begabten Schülers der Moinet (Hyon-Song Dupuy) an.

Sie selbst ließ es sich nicht nehmen, in diesem Konzert mitzuwirken und durch den besonders schönen und reinen Klang ihres Oboen-Spiels mit der „Sonate g-Moll (TWV 41:g6“ aus der „Tafelmusik 1733, III/5 zusammen mit Marie-Elisabeth Hecker, Violoncello und Andreas Hecker, Cembalo sowie in der, den krönenden Abschluss bildenden „Sonate c-Moll“ (TWV 42:C4), bei der sich zu dem eingespielten Trio Stéphane Réty mit der Flöte gesellte, außergewöhnliche Glanzpunkte zu setzen und das Konzert zu einem unerwarteten Höhepunkt werden zu lassen.

Für Überraschung sorgten auch sehr ungewöhnliche Kammermusik-Besetzungen aus Telemanns reichhaltigem Schaffen, wie das, von vier jungen Bratschistinnen in sehr gutem Zusammenspiel musizierte „Konzert für 4 Violinen Nr. 2 G-Dur“ (TWV 40:201), arrangiert für 4 Bratschen (Franzika Schwarz, Hanna Midori Schumacher, Emilie Dupont, Miriam Solle) und das „Quartett in d-Moll“ aus der „Tafelmusik 1733, II/2“ für 3 Flöten, Violoncello und Cembalo (Antonia Heye, Pauline Turillo, Alexander Sidoruk, Flöte) sowie Marie-Elisabeth Hecker und Andreas Hecker an Violoncello und Cembalo.

Dazwischen hatten noch zwei weitere Studierende Gelegenheit, ihr Können mit je einer „Flötenfantasie“ zu zeigen, „Nr. 6 d-Moll (Cristian Guerrero ) wieder vom 1. Rang aus und Nr. 1 A-Dur (Hèctor Rodriguez) von der Chorempore, was sich in diesem Saal besonders anbietet. Im Vergleich zu Bachs Suiten und Sonaten für Violine bzw. Cello solo enthalten diese „Fantasien“ weniger Schwierigkeiten und sind von gefälliger Melodik, verlangen aber auch technisches und interpretatorisches Können.

Die Studierenden warteten mit sehr reifen Leistungen und musikalischem Verständnis auf. Es gab in diesem Konzert nur gute und ausgezeichnete Leistungen (ohne jeden „Kiekser“), ausgesprochenen Schönklang und für die Zuhörer jede Menge neue Erkenntnisse über Leben und Werk Telemanns – ein würdiges Gedenken für den vielseitigen Komponisten Telemann.

Ingrid Gerk

 

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