Der Neue Merker

DRESDEN/ Frauenkirche: ALBRECHT MAYER MIT OBOE, ENGLISCHHORN UND TAKTSTOCK

Dresden/Frauenkirche: ALBRECHT MAYER MIT OBOE, ENGLISCHHORN UND TAKTSTOCK – 25.4.2015

 

Ganz im Sinne der Klassik hatte Albrecht Mayer sein Programm mit der Kammerakademie Potsdam zusammengestellt, wobei auch zwei sehr hörenswerte Kompositionen weniger bekannter, aber zu ihrer Zeit bedeutender, Komponisten zur Aufführung kamen.

 Eröffnet wurde das Konzert mit dem 3sätzigen “Konzert für Oboe und Orchester C‑Dur“   von Franz Anton Hoffmeister (1754-1812), Komponist von Opern und Konzertmusik, u. a. Organist in Wien und Mitbegründer eines Musikverlages in Leipzig, aus dem später der Peters-Verlag hervorging, und der neben Hoffmeisters Werken auch die von Haydn, Mozart und Beethoven verlegte, u. a. als erster die berühmte Sonate „Pathetique (op. 13) von Beethoven.

 Mayer spielte den Oboenpart mit perfekter Technik und sehr feinem Ton. Dass er „nebenbei“ auch noch die versierte Kammerakademie Potsdam dirigierte, immer mit 180-Grad-Drehungen zwischen Dirigat (zum Orchester gewandt) und Solopart (Richtung Publikum), wirkte befremdlich. Man kennt, dass Geiger und Pianisten „nebenbei“ das begleitende Orchester leiten, aber der Oboist und Englischhornist? Da beide, Solist und Orchester, hörbar gut aufeinander eingespielt waren, schien das nicht erforderlich, zumal das Orchester einen so wunderbar homogenen Klang hatte. Mayers Oboen-Spiel und das Orchester wiesen eine so gekonnte Dynamik auf, die nur auf einem gegenseitigen Aufeinander-Hören beruhen konnte.

 Bei dem ebenfalls 3sätzigen “Konzert für Englischhorn und Orchester C‑Dur“ des böhmischen Komponisten Joseph Fiala (1748-1816) griff Mayer neben dem Taktstock statt der Oboe zum Englischhorn, das er ebenso virtuos beherrscht wie die Oboe und in einer größeren Solopassage mit feinsten Piani und gutem Gespür für die Musik der Klassik-Zeit präsentierte. Bei beiden Werken hatte Mayer ein sehr gutes Tempo gewählt, lebhaft, aber nicht – wie leider jetzt so oft praktiziert – in sich überstürzender Eile, so dass auch der musikalische Gehalt der Kompositionen gut zur Geltung kam und auch die vielen Feinheiten und guten musikalischen Ideen des Komponisten stilvoll und mit Spielfreude, sehr auf Klangqualität bedacht, ausmusiziert werden und sich optimal entfalten konnten, wobei auch der Humor (vor allem am Schluss des letzten Satzes des Fiala-Konzertes) nicht zu kurz kam.

 Bei dieser Wiedergabe wirkten die beiden wenig bekannten, weil selten aufgeführten, Werke keinesfalls „verstaubt“ oder nur historisch interessant, sondern in dieser „echt klassischen“, musizierfreudigen Wiedergabe sehr lebendig und mitreißend und auch den Hörgewohnheiten eines modernen Menschen entsprechend. Aus dieser Zeit ruhen noch manche musikalischen Schätze im Verborgenen, die bei der in den vergangenen Jahrzehnten mit Vehemenz betriebenen historischen Aufführungspraxis der Werke der Barockzeit etwas in den Hintergrund geraten sind.

 Mit ausgiebigem Englischhorn-Solo, brillierte Mayer auch bei W. A. Mozarts “Adagio für Englischhorn und Orchester“  (KV 580a), ruhig und ohne Hektik, im Einvernehmen mit dem Orchester eindrucksvoll musiziert, getragen und dennoch mit innerer Spannung, die sich aus der Substanz der Komposition ergab.

 Ganz dem Dirigieren widmete sich Mayer dann mit der Kammerakademie in größerer Besetzung bei der “Sinfonie G‑Dur“  (Hob. I:94), einer der schönsten und populärsten Sinfonien Joseph Haydns. Er orientierte auf starke Gegensätze zwischen kompakter Lautstärke und leise verhallenden Tönen, einschließlich des berühmten Paukenschlages, der wie ein „Bombeneinschlag“ extrem wuchtig nach einem allzu leise verhallenden, kaum noch hörbaren Pianissimo (ppp…) hereinbrach und bei dem vermutlich selbst der humorvolle Haydn erschrocken wäre.

 Bei Mayers eigenwilliger Interpretation kam weniger der Humor Haydns als vielmehr der seiner eigenen Interpretation mit äußerlichen Effekten wie den besagten Kontrasten und einem überlangen Ritardando zum Ausdruck.

 Bei diesem Konzert faszinierten vor allem Albrecht Mayer mit seinem virtuosen Spiel auf Oboe und Englischhorn und die Kammerakademie Potsdam immer wieder mit ihrem guten musikalischen Empfinden und ihrem brillanten, besonders festlich-opulenten und homogenen Klang, bei dem alle Instrumente bestens miteinander harmonierten.

 Ingrid Gerk

 

 

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