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DRESDEN/ Frauenkirche: ZDF-ADVENTSKONZERT MIT SONYA YONCHEVA UND REGULA MÜHLEMANN

Dresden/Frauenkirche: ZDF-ADVENTSKONZERT MIT SONYA YONCHEVA UND REGULA MÜHLEMANN – 26. 11. 2016

 Das Adventskonzert des ZDF, das jedes Jahr am Tag vor dem 1. Advent in der Dresdner Frauenkirche aufgezeichnet und dieses Jahr erstmalig erst am 2. Advent im Fernsehen ausgestrahlt wird (4.12., 18 Uhr – ZDF), kann nun schon auf eine längere Tradition zurückblicken. In der nach einem künstlerischen Konzept festlich und in diesem Jahr besonders stilvoll angestrahlten Frauenkirche stehen weniger die traditionellen Weihnachtslieder und -gesänge auf dem niveau- und sehr anspruchsvollen Programm, als vielmehr kunstvolle, für die Weihnachtszeit komponierte Musik aus verschiedenen Jahrhunderten sowie Kompositionen mit besonders festlichem Charakter, bekannte und weniger bekannte „Ohrwürmer“.

Da die heiß begehrten Eintrittskarten bei weitem nie für alle Interessenten reichen, konnten die Dresdner und die zahlreichen Gäste der Stadt das Konzert auf einer Großleinwand unmittelbar vor der Frauenkirche auf dem Neumarkt verfolgen.

Neben der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die schon seit vielen Jahren mitwirkt, und dem Dresdner Kreuzchor, der ebenfalls schon mitgewirkt hat, war erstmals der Dresdner Kammerchor (Einstudierung: Tobias Mäthger) mit dabei.

Zur Tradition gehört auch, dass hervorragende Solisten mitwirken, in diesem Jahr die Sopranistin Sonya Yoncheva, die bereits im vergangenen Jahr für Furore sorgte, und erstmals die junge Altistin Regula Mühlemann, zwei „Nachtigallen“, beide in ihrer Art unterschiedlich, jede auf ihre eigene Weise eine faszinierende und beeindruckende Sängerpersönlichkeit, deren Stimmen sich bei den gemeinsamen Auftritten dennoch  harmonisch vereinten.

Umsichtig, mit großen Gesten und zügigem, aber angemessenem Tempo leitete Andrés Orozco-Estrada das Konzert.

Obwohl gebangt wurde, ob die Sächsische Staatskapelle wegen eines Streiks des Flugpersonals rechtzeitig von ihrer einwöchigen Residenz in der Suntory Hall zu deren 30-jährigem Jubiläum zurückkehren würde, eröffnete sie pünktlich das Konzert mit „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ und „Lobe den Herrn, meine Seele“ aus der „Symphonie Nr. 2“, dem „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mit Sonya Yoncheva als Solistin, die als gestandene Opernsängerin scheinbar mühelos den beiden Gesängen ihre Stimme lieh und alles bewältigen kann, vom Forte und Fortissimo bis zum feinsten Piano. Sie kann alles bis ins i-Tüpfelchen aussingen, ohne den Eindruck einer Anstrengung zu erwecken und dabei noch bei allem, was sie singt, sich einbringen und mit dem genau richtigen Gespür für Stil und Inhalt dem Werk einen Ausdruck verleihen, der „unter die Haut geht“.

Bei der getragenen Arie „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel kam die Schönheit ihrer Stimme ganz besonders zur Geltung. Bei ihr ist einfach alles da, Volumen, exakte Artikulation, sehr gute Phrasierung, gute Textverständlichkeit und sichere Höhe. Zudem klingt ihre große Opernstimme in allen Lagen ausgesprochen gut.

Ganz anders in ihrer Art, etwas zurückhaltender und sehr feinsinnig, mit sehr leichten, gekonnten Koloraturen brachte Regula Mühlemann ebenfalls sehr exakt mit allen feinen Details das „Exsultate jubilate“ von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör. Was Wunder, dass da der Applaus vorzeitig vor dem „Halleluja“ einsetzte. Sie nahm es gelassen und konnte sich des begeisterten Applauses am Ende erst recht gewiss sein.

Zusammen mit einer Solistin und zwei Solisten der Semperoper sowie dem Dresdner Kammerchor, der dezent und wirkungsvoll einstimmte und den Sologesang ergänzte, widmete sich Regua Mühlemann „Magnificat anima mea“, „Deposuit potentes“ und „Gloria patri“ aus dem „Magnificat“ von Franz Schubert mit großer Hingabe.

 Gemeinsam gestalteten Sonya Yoncheva und Regula Mühlemann das Duett „Ich harrete des Herrn“ aus dem „Lobgesang“ von Mendessohn-Bartholdy. So unterschiedlich die beiden Sängerinnen in ihrer Persönlichkeit, sängerischen Gestaltung und Diktion auch sind, fanden sie dabei kongenial zusammen und mit dem Kammerchor zu einer sehr schönen gemeinsamen Gestaltung, bei der auch die Stimmen sehr gut harmonierten.

Chor und Orchester „begleiteten“ das Programm sehr exakt und sehr zuverlässig, die Sächsische Staatskapelle dazu noch sehr klangschön. Sie steuerte ihrerseits das Finale „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus Mendelssohns „Reformations-Sinfonie“ bei, das mit einem sehr schönen Flötensolo begann, in das die anderen Instrumente sehr klangschön einstimmten – eine „Spezialität“ der Kapelle mit ihrem besonders fein abgestimmten, ausgewogenen Klang und allen nur denkbaren Feinheiten, sehr klarer Gestaltung der einzelnen Instrumentengruppen und sehr sauberen, klangschönen Bläsern, unmerklich übergehend in ein temperament- und kraftvolles Geschehen, äußerst exakt auch bei entsprechendem Tempo, bis zum triumphalen Schluss, ohne zu übertreiben.

Der Dresdner Kreuzchor sang unter der Leitung von Roderich Kreile von der  Mittelempore gegenüber dem Altar (1. Empore) a capela, und Orozco-Estrada hörte interessiert zu. Obwohl der Kreuzchor kurz nach seiner eigenen Adventsvesper in der Kreuzkirche zur Frauenkirche geeilt war, klangen die Stimmen ausgeglichen und untereinander sehr gut abgestimmt. Sie hatten sich auf ihre Mitwirkung gut vorbereitet. Ausgesprochen klangschön und sehr weihnachtlich war „Übers Gebirge Maria geht“ von Johannes Eccard zu hören und etwas später, gut in das Programm eingebunden, „Ave Maria“ von Anton Bruckner und „In dulci jubilo“.

 Zum feierlichen Ausklang stimmten noch einmal alle Ausführenden (und etwas zurückhaltend schließlich auch das Publikum) in das Weihnachtslied „Macht hoch die Tür“ in einem kunstvollen Arrangement von Jarkko Riihimäki ein, bei dem auch die beiden Solistinnen noch einmal mit je einem Solo zu hören waren.

Es war ein sehr festliches Adventskonzert mit gut gestalteter Programmkonzeption, ausgeführt auf sehr hohem Niveau. Zu Beginn forderte der Fernseh-Moderator in seinen kurzen einleitenden Worten zu viel Applaus auf. Das war nicht nötig, denn die Begeisterung war ohnehin auf dem Höhepunkt. Da musste man einfach enthusiastisch in den Applaus mit einstimmen.

Ingrid Gerk

 

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