Der Neue Merker

DRESDEN/ Frauenkirche: EMMA KIRKBY UND BELL’ARTE SALZBURG

Dresden/Frauenkirche: EMMA KIRKBY UND BELL’ARTE SALZBURG 6.12.2017

In der Reihe „Große Stimmen“ in der Dresdner Frauenkirche war nun auch die englische Sopranistin Emma Kirkby, „Grand Dame“ und Spezialistin der Alten Musik, zu Gast, begleitet von dem kleinen, aber sehr feinen Ensemble, das sich 1995 gründete und aus Begeisterung über die Qualität der Musik von Komponisten und Musikern, die in Salzburger Diensten standen, Bell’Arte Salzburg nannte.

Mit seinem besonderen Faible für Alte Musik und seiner hervorragenden, klangschönen Musizierweise auf alten Instrumenten wie Barockvioline(n), Viola, Viola d’amore, Violone, Theorbe und Orgel, die die fünf Ensemblemitglieder in wechselnder Besetzung meisterhaft spielten, nahm es die Zuhörer wie in einer Zeitreise mit in die Klangwelt des 16./17. Jahrhunderts, ließ sie eintauchen in die besondere Klangwelt dieser Zeit. Es entstand eine kleine, feine, sehr sensible, intime künstliche und künstlerische Welt, wie sie damals im kleinen Rahmen, meist an den Höfen von Fürsten und anderer Potentaten, stattfand.

Nicht, dass Emma Kirkbys Sopranstimme besonders groß wäre. Sie ist eher zart, aber flexibel und trägt auch in relativ großen Räumen wie der Dresdner Frauenkirche. Die Sängerin war gut zu verstehen, der Text weniger, obwohl sie sich über die Sprache mitteilen möchte. Ihre Stärke liegt in der Feinheit, einem beseelten Klang, relativ leicht gesungenen Verzierungen und einer künstlerischen Intimität. Sie liebt das Singen zusammen mit Instrumenten. Ihre Stimme ändert sich ein wenig in Abhängigkeit von der instrumentalen Begleitung, je nachdem, mit welchem Instrument sie zusammen musiziert, und sie lässt sich vom Raum inspirieren. Ihr ist wichtig, wo sie singt, in einem Raum ohne Charakter fehlt ihr die Inspiration. Die Ausführenden hatten in der Frauenkirche einen akustisch günstigen Standort gewählt (vor dem Altarbereich), so dass nichts von dem feinsinnigen Musizieren verlorenging.

In dem gut gestalteten Programm, in dem reine Instrumentalstücke, die die versierten Ensemblemitglieder unter der Leitung von Annegret Siedel von der 1. Violine aus mit einschmeichelnder Klang auf ihren Instrumenten boten, kontinuierlich mit solchen mit Gesang wechselten, spannte sich der Bogen in einem reichen Spektrum über die deutsche und österreichische Musikkultur bis nach Italien, von bekannten und viel gespielten Meistern wie Claudio Monteverdi, Heinrich Ignaz Franz Biber, Heinrich Schütz, Johann Rosenmüller, Johann Heinrich Schmelzer, und Johann Pachelbel bis hin zu sehr selten aufgeführten oder völlig unbekannten Komponisten vor allem aus dem Süddeutschen, Salzburger und Habsburger Raum wie Pàl (Paul) Esterhazy aus der Fürstenfamilie, die später durch Haydn bekannt wurde, Rupert Ignaz Mayr, Pietro Antonio Ziani, Allessandro Grandi und Alberich Mazak.

Es wurde in kleinen, öfters auch wechselnden Gruppierungen, wie es bei der damaligen lockeren Art zu Muszieren üblich war, und auch mit wechselnden Instrumenten, wie von den beiden Geigerinnen, die auch Viola d’amore und Viola beherrschten.

Mit zwei Zugaben aus dieser Zeit mit Gesang und Instrumenten, die mit „Nun komm, der Heiden Heiland“ auch Bezug auf die Adventszeit nahmen, bedankten sich die stilvoll Musizierenden für den herzlichen Applaus.

Der gute Ensembleklang, die schlichte Klarheit, Klangschönheit und Ruhe, mit der musiziert und gesungen wurde, hinterließen den Eindruck eines beschaulichen musikalischen Abends, ein Eintauchen in die musikalische Welt vergangener Jahrhunderte, bei dem die Verzückung durch Musik zu ahnen war, von der die Zeitgenossen damals schwärmten.

Ingrid Gerk

 

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