Der Neue Merker

Drei Dokumentationen bei Arthaus auf BD wieder aufgelegt: Knapperstbusch – Stravinsky – Marsalis

 

kna A TRIBUTE TO HANS KNAPPERTSBUSCH – Richard Wagner – 1. Akt Walküre und Vorsp.u. Isoldes Liebestod / Ludwig von Beethoven – Leonore III u. Klavierkonzert Nr. 4 – BD Arthaus / Theater an der Wien, Wiener Festwochen, 1962 & 1963  

Solisten: Birgit Nilsson (Isolde), Wilhelm Backhaus (piano), Claire Watson (Sieglinde), Fritz Uhl (Siegmund), Josef Greindl (Hunding) / Orchester, Chor: Vienna Philharmonic Orchestra / Dirigent: Hans Knappertsbusch

Seit seinem Debüt bei den Wiener Philharmoniker während der Salzburger Festspiele 1929 leitete Hans Knappertsbusch in 35-jähriger Zusammenarbeit 210 Konzerte und unzählige Vorstellungen in der Wiener Staatsoper. 1888 in der Nähe von Wuppertal geboren, hatte er in Bonn und Köln studiert und in Mühlheim seine Dirigentenlaufbahn begonnen, und fühlte sich doch in Wien besonders zuhause. Als die Nationalsozialisten 1936 den damaligen Generalmusikdirektor der Münchner Staatsoper mit Dirigierverbot belegten, ging Knappertsbusch als Kapellmeister zu Bruno Walter an die Wiener Staatsoper. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Wien neben München und Bayreuth das Zentrum seiner Dirigententätigkeit, und noch bis knapp vor seinem Tod – Knappertsbusch starb 1965 in München – zählten seine Konzerte zu den jährlichen Höhepunkten der Saison. So auch 1962 das hier aufgezeichnete Konzert mit dem Pianisten Wilhelm Backhaus und mit der Sopranistin Birgit Nilsson, die die Wagner-Interpretin der Zeit war. Beethovens Leonoren-Ouverture, in langsamem Grundmaß begonnen, steigerte er zu einem erregenden Drama, im Klavierkonzert G-Dur beweist Knappertsbusch wie sorgfältig er sich auf einen Solisten einzustellen vermochte und in den Ausschnitten aus Wagners „Tristan“ wird vollends erlebbar, was diesen Dirigenten vor anderen ausgezeichnet hat: Konzentration auf das Wesentliche, Spannung, die aus dem Inneren kommt, und eine Kraft der Empfindung, die auf Sentimentalität und Äußerlichkeit verzichten kann.

 

strav. THE STORY OF STRAVINSKY’S – LE SACRE DU PRINTEMPS

1999 / Regie: Peter Rump – Dirigent: Valery Gergiev / Solisten: Pierre Boulez, Alexander Toradze – BD Arthaus 

In Peter Rumps Film The Story of Strawinsky’s Le Sacre du Printemps treffen zwei Musikgiganten Russlands aufeinander – Valery Gergiev, einer der gefragtesten Dirigenten unserer Tage, probt, dirigiert und spricht über Igor Strawinsky’s Schlüsselwerk des 20. Jahrhundert Le Sacre du printemps, dessen Musik ihm besonders am Herzen liegt. Gergiev spricht nicht nur über die Entstehung und zeigt warum die Komposition so interessant und inspirierend ist, sondern erklärt auch seine besondere Affinität zu diesem Werk aus Strawinsky’s „Russischer Zeit“. Thematisiert wird ein Opferritual für den Frühlingsgott im heidnischen Russland. Mit aggressiver sich wiederholender Rhythmik, Dissonanzen und übereinandergeschichteten Harmonien in Dur und Moll verleiht Strawinsky seinem aufsehenerregendem Werk Ausdruck und ging damit neue Wege in der Tonsprache. Das Stück wurde im Auftrag von Diaghilev als Ballettmusik geschrieben und von Nijinsky für die Ballets Russes choreographiert. Die Uraufführung verursachte einen solchen Skandal, dass der 29. Mai 1913 als die berüchtigtste Nacht in der Geschichte des Tanzes eingeht.

Die DVD enthält Auszüge der Ballettproduktion des Joffrey Ballets von 1970, in der Nijinskys Choreographie und eine Rekonstruktion des originalen Bühnenbilds und der Kostüme zugrunde liegen. Neben einer Vielzahl von Archivmaterial ist auch eine seltene Aufnahme von Igor Strawinsky beim Dirigieren seines Werkes sowie Interviews, in denen er über sein Werk, den Skandal bei der Uraufführung und seine Reaktion auf das Publikum während der Premiere spricht – „Ich sagte, geht zur Hölle“.

 

marsalis WYNTON MARSALIS, Trompete – Blood on the Fields / Dokumentation / Regie: Susan Shaw – 1996 – BD Arthaus

Wynton Marsalis, der laut Maurice André „möglicherweise größte Trompeter aller Zeiten“, ist der berühmteste Spross einer Musikerfamilie aus New Orleans. Schon als Wunderkind erregte er Aufsehen und war nach seinem Durchbruch bei Art Blakey in den 80er Jahren zunächst auch im klassischen Sektor sehr erfolgreich. Als Jazztrompeter lebt er von der profunden Kenntnis der Tradition seines Instruments in allen Stilen vom Oldtime Jazz bis zum Postbop und hat die Stilistik seiner Vorbilder zu einem virtuosen, technisch makellosen Stil verbunden. Den Jazz bereichert er auch durch großangelegte Kompositionen und verleiht ihm als Leiter der Jazzabteilung des Lincoln Center mehr Gewicht in der amerikanischen Öffentlichkeit. In der vorliegenden Dokumentation von Susan Shaw aus dem Jahr 1996 nimmt Marsalis den Zuschauer mit auf eine Reise nach New York, in seine Heimatstadt New Orleans sowie in die Aufnahmenstudios, wo er gemeinsam mit seiner zusammengestellten Band das Album Blood on the Fields aufgenommen hat.

 

D. Zweipfennig (+Arthaus-PR)

 

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