Der Neue Merker

DORTMUND/ Konzerthaus: ARIENABEND EDITA GRUBEROVA – kam, sang und siegte

Konzerthaus Dortmund 5. Dezember 2014. Arienabend Edita Gruberova – sie kam, sang und siegte

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Foto:  Pascal Amos  / Konzerthaus Dortmund

Mindestens drei Opern hat Gaetano Donizetti über englische Königinnen der Tudor-Zeit geschrieben, nämlich „Anna Bolena“, „Maria Stuarda“ und „Roberto Devereux“, letztere beide Elisabeth I. betreffend. Auch als Königin, nämlich „Königin des Belcanto“ von ihren Fans verehrt, sind das jetzt passende Paraderollen für Edita Gruberova, Früher in ihrer 46-jährigen Bühnenlaufbahn hatte sie  grosse Erfolge vor allem mit „Zerbinetta“, „Königin der Nacht“  und „Lucia di Lammermoor“. Daran erinnerte der Gründungsintendant des Konzerthauses Dortmund Ulrich Andreas Vogt in seiner sehr persönlich gehaltenen leidenschaftlichen  Laudatio  auf die Künstlerin, Laudatio veranlaßt dadurch, daß Edita Gruberova an diesem Abend  der „Preis der Kulturstiftung Dortmund“, einer lobenswerten Initiative der Dortmunder Wirtschaft, verliehen wurde.

Sozusagen als Dank sang sie begleitet von den Dortmunder Philharmonikern unter der musikalischen Leitung des ihr vertrauten Peter Valentovic  aus den tragischen Finali der drei genannten Tudor-Opern. Maria Stuarda und Anna Bolena stehen kurz vor ihrer Hinrichtung, durch Roberto Devereux`s  Hinrichtung, der sie aus Eifersucht zugestimmt hat,  muß Elisabetta (Elisabeth I) Hoffnung auf Glück der Liebe aufgeben und ihr Leben als sinnlos erkennen.

Diese Schicksale vermochte die Gruberova mit ihrer jede Gefühlslage vermittelnden Stimme  auswendig singend ergreifend darzustellen. Jeden Ton von der Mittellage bis zu hohen Spitzentönen, vom gehauchten, zarten aber dennoch deutlich zu hörenden p bis zu leidenschaftlichen ff- Gefühlsausbrüchen,  setzte sie kontrolliert zur Charakterisierung der unglücklichen Königinnen ein. Ihr Legato und dynamische Phrasierung waren bewundernswert, besonders passend für „Maria Stuarda“ und „Anna Bolena“, die Donizetti „lyrische Tragödien“ nennt. Als Beispiel sei Maria Stuardas Arie „Deine Stimme kommt vom Himmel“ genannt, wo sie vergangenem Liebesglück nachtrauert und dann zum Schluß mit fast schon überirdisch klingender Stimme der Rivalin Elisabeth, die doch ihre Hinrichtung befohlen hat, Verzeihung überbringen läßt. Dies wurde nur mit stimmlichen Mitteln ebenso glaubhaft wie „Anna Bolenas“ Wahnvorstellung „Dies ist mein Hochzeitstag“, wo sie erschütternd teils ohne Orchester sang über das ganz eindrückliche „Infelice son io“ (Ich bin unglücklich) bis hin zum perfekten Triller und brillanten Koloraturen auf „Nur einen Tag unserer Liebe“

Mit konzertanten Aufführungen von „Roberto Devereux“ hat sie 2003 in Dortmund und  zuletzt in Wien und Berlin Furore gemacht, so gelang auch dieser tragische Auftritt der alternden Königin unvergeßlich. Wilden Haß machte sie deutlich in der Arie „Zum Himmel erhebt sich das Blut“, um dann erschütternd zusammenzubrechen mit dem fast gesprochenen „Non regno non vivo“ (Ich herrsch`nicht, ich leb‘ nicht). Bei solchen Charakterdarstellungen erübrigt sich die Frage, wie und ob anders ihre Stimme früher klang.

Um diese Schlußszenen darzustellen, brauchte es Gesangspartner, die aus dem Dortmunder Opernensemble so ungefähr als Stichwortgeber jeweils gleich für mehrere Rollen ausgewählt waren.  Mezzosopranistin Katharina Peetz hatte u.a. die undankbare Aufgabe, in „Roberto Devereux“ Elisabettas Konkurrentin Sara, aber im Gegensatz dazu auch der Hosenrolle des Pagen Smeton in „Anna Bolena“ Stimme zu geben. Dortmunds Startenor Lucian Krasznec trauerte sehr schön legato als Leicester in „Maria Stuarda“  und sang u,a. auch Cecil in „Roberto Devereux“. Mit markantem Baß und schönem Legato überzeugte Karl-Heinz Lehner vor allem als Talbot in „Maria Stuarda“ Manchmal ersetzten alle drei auch den Chor.

Zu allen drei Opern spielte die Dortmunder Philharmoniker die Ouvertüren, sie klangen dort vor allem knallig und laut. In der Ouvertüre von „Roberto Devereux“ wird melodisch das zur Zeit Elisabeths I noch gar nicht vorhandene „God save the Queen“ zitiert. Das erheiterte die Zuhörer.. Hervorzuheben waren die Soli einzelner Instrumente, besonders der Klarinette.

Das Publikum klatschte schon begeistert Beifall, als Edita Gruberova erstmalig das Podium betrat. Das steigerte sich natürlich mit Bravos lang andauernd bis zum Schluß, dann auch stehend. Rechts aus dem zweiten Rang wurde eine Schrift auf einem Plakat sichtbar „Evita Ihr Gesang ist für uns Geschenk“ Sympathisch war, daß die Gruberova den frenetischen Beifallssturm auch  immer mit  auf die Dortmunder Solisten und das Orchester mit Dirigenten lenkte. Als letztere schon gegangen und ihre Instrumente abgebaut hatten, klatschten Teile des Publikums weiter, bis Edita Gruberova noch einmal allein sich auf dem Podium  bedankte.

Die eigentliche Preisverleihung fand dann hinterher vor geladenen Gästen statt.

Sigi Brockmann

 

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