DOROTHEA RÖSCHMANN – MOZART-Arien – Sony CD – Vom lyrischen zum dramatischen Sopran gereift

by D. Zweipfennig | 8. November 2015 23:01

0888750612625 DOROTHEA RÖSCHMANN – MOZART-Arien – Sony CD – Vom lyrischen zum dramatischen Sopran gereift.  

Wäre ich Operndirektor, Frau Röschmann hätte Carte Blanche, alles zu singen, was sie will.Seit einer Woche läuft die neue Mozart CD von Dorothea Röschmann bei mir Schleife. Zu Hause, im Auto, im Bus.  Schon lange habe ich keine so üppig, reich und edel timbrierte Stimme mehr Mozart singen gehört. Da muss man schon zu den Hoch-Zeiten einer Sena Jurinac, Leyla Gencer, Edda Moser, Mirella Freni oder Julia Varady zurückgehen, um auf adäquate Vergleiche zurückgreifen zu können. Live anlässlich eines Konzertes  in der Berwaldhallen in Stockholm im November 2014 aufgenommen, bescheren uns die Röschmann, das Swedisch Radio Symphony Orchestra unter Daniel Harding das ultimative Mozart-Hörerlebnis. Fokussiert auf die dramatischen Arien aus Idomeneo, La Clemenza die Tito und Don Giovanni inkl. der viel zu selten aufgeführten Konzertarie „Bella mia fiamma, Addio“ KV 528, enthält die CD mit der Arie „Solitudine amiche … Zeffiretti lusinghieri“ (Idomeneo, Ilia) und den beiden Arien der Figaro Gräfin auch noch akustische Reminiszenzen an die lyrischere Phase ihrer Karriere. 

Seit  nunmehr 20 Jahren ist Dorothea Röschmann ein Begriff für viele Opernfreunde; ihre künstlerische Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt ist Legion (auf Tonträger sind u.a. Die Jahreszeiten, Die Schöpfung, Die verkaufte Braut, Le nozze di Figaro und die Bachsche Matthäus-Passion erhältlich). Neben allen technischen Tugenden und einer außergewöhnlichen wohlklingenden und persönlich timbrierten Stimme sind bei Röschmann immer eine traumwandlerische Musikalität, kluge Phrasierung, ein perfektes Legato, ein hoher Ensemblegeist und Gespür für die innere Bedingtheit einer Bühnenfigur selbstverständliche Atouts  gewesen. Inzwischen ist die Stimme zu einem dramatischen Sopran herangereift. Ein Fachwechsel wie einstens bei Lucia Popp zur Freude aller Stimm-Afficionados wird da wohl bald ins Haus stehen. Wenn man die CD anhört, darf man sich jetzt schon darauf freuen.  Schon die erste Arie der Einspielung, das wilde „Oh smania! Oh Furie!…D‘Oreste, d‘Aiace“ der Elettra aus Idomeneo führt alle Ingredienzien vor, aus denen das Opernwunder Röschmann jetzt schöpfen kann. Beherzter dramatischer Zugriff, gestochene Koloratur, tolle Tiefe, höchste Intensität des Ausdrucks ohne zu übersteuern. Und ja ein Timbre, was für ein samtig, rotgoldenes, unglaublich obertonreiches Timbre! Nichts für Leute auf akustischer Diät, für Liebhaber dünner Piepsstimmen. Dafür eine reine Wonne für all diejenigen, die sich noch an die Goldenen Zeiten erinnern, wo Sena Jurinac, Gundula Janowitz oder Margaret Price vorführten, wie man mit voller weiblicher Stimme Mozart singt.

Mir gefallen alle Nummern der CD, meine besonderen Favoriten sind neben der bereits erwähnten Elettra die beiden Arien der Vitellia, die Konzertarie KV 528, die Mozart während seines Prager Aufenthaltes für Josepha Duschek schrieb und die Arie der Elvira „In quali eccessi, o Numi … Mi tradi quell‘alma ingrata“. Daniel Harding und das Swedish Radio Symphony Orchestra begleiten die fantastische Sopranistin auf Augenhöhe. Operndirektoren und Impresarios, hingehört!

Dr. Ingobert Waltenberger

http://www.sonyclassical.de/sonyclassical_neu/CD/88875061262.html

 

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