Der Neue Merker

DORNACH/Schweiz/ Neues Theater: LOOP TANZ II – TänzerInnen des Balletts Theater Basel

Dornach: Neues Theater – Loop Tanz II – TänzerInnen des Balletts Theater Basel    –  Besuchte Aufführung: 10.09.17

 Drei Choreographen, drei Stücke, ein Thema

 Seit mittlerweile acht Jahren erhalten die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Theater Basel von ihrem Ballettdirektor Richard Wherlock die Gelegenheit sich im Rahmen der „Dance Labs“ als Choreographen zu profilieren. In Dornach, wo auch Rudolf Steiners Goetheanum steht, steht seit einigen Jahren unmittelbar neben dem Bahnhof ein moderner Theaterbau mit 200 Besucherplätzen, welcher nebst etablierten Künstlerpersönlichkeiten auch Nachwuchstalenten und –formationen eine Plattform für ihre Kunst bietet – eben das „Neue Theater“. Und dort präsentieren heuer drei Tänzerpersönlichkeiten des Balletts Theater Basel ihre höchst persönliche choreographische Sprache und sprengen dabei die Grenzen von Ballett und Tanz und (über)fordern die Besucher damit teilweise recht heftig.

Loop Tanz II, der unter dem Leitthema „Beziehungen“ steht, wird mit „Rumours Of Dust“ von Debora Maiques Marin eröffnet. In dem gut halbstündigen Handlungsballett wird eine Männerliebe durch Missverständnisse und Gerüchte zerstört. Florent Mollet, Raquel Rey und Diego Benito bringen die Zusammensetzung von Ballett- und Tanztheaterelementen technisch souverän auf die Bühne und überzeugen auch in der Darstellung. Soweit so mehr oder weniger herkömmlich.

Das zweite Stück des Abends ist Sol Bilbao Lucuix’ Arbeit „Tulpa – If Yes How Many?“; mitkonzipiert hat es Fabrizio di Salvo. Es ist dies eine Interaktion zwischen Sol Bilbao Lucuix, welche auch tanzt, und einem Tuch, aus welchem sich die Tänzerin schält um es dann zu einer Art überdimensionalen Luftmatratze aufbläst, darin verschwindet und ihm mit einer Lampe unterschiedliche Lichteffekte und durch die Bewegung im Innern verschieden Formen verpasst. Dies geschieht zu einem live und zuweilen unerträglich laut performten Synthetik-Sound mit vielen tiefen Bässen mit Erdbebenqualiät. Diese (Tanz-)Performance bringt den Besucher während 30 Minuten nicht selten an seine Grenzen, zumal sich das choreographische Repertoire im Laufe der Vorführung etwas erschöpft und nur noch wenig Neues zu bieten vermag – vom Sound ganz zu schweigen. Da wäre zeitlich weniger deutlich mehr gewesen.

„Brothers From another Mother“ schliesslich setzt sich mit Freundschaften in Zeiten Sozialer Medien auseinander. Javier Rodriguez Cobos lässt uns durch die brillanten Paula Alonso und Claudio Costantino auf originelle zum Teil berührend-verstörende Art und Weise in die Abgründe unser Zusammenleben unter dem Einfluss von Handy, Facebook und Co. blicken.

„Loop Tanz II“ – ein schwieriger, anspruchsvoller Abend, der aufzeigt, wohin Tanz(theater) eben auch gehen kann.

Michael Hug

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