DIXIT DOMINUS: Vivaldi, Mozart, Händel

by R.Wagner | 26. Dezember 2016 20:15

CD Dixit Dominus

DIXIT DOMINUS:
Vivaldi, Mozart, Händel
Jordi Savall

AliaVox SACD

Konzertmitschnitt vom L‘Auditori de Barcelona vom 1. Juni 2015

In der neuen Aufnahme unter Jordi Savall mit seinem bewährten Orchester La Capella Reail de Catalunya und dem Chor Le Concert des Nations fasst der katalanische Spezialist für zivilisations- und religionsübergreifende Musikprojekte aus dem Mittelalter drei Vertonungen des Psalms 110 zusammen. Dieses Konzert belegt wieder einmal die Vorzüge des Dirigenten in Bezug auf Phrasierung, polyphoner Konstruktion, Schaffen von Spannungsbögen und traumwandlerisch getimter Übergänge. Das Orchester klingt überwiegend durchsichtig auf der Höhe seiner Möglichkeiten und erweist den feierlichen, hochkomplexen barocken Kompositionen seine Reverenz auf den gewohnt seidig klingenden Originalklanginstrumenten. Vielleicht fehlt den Instrumentalisten aufgrund der tieferen Stimmung das letzte Strahlen, das man sonst in vorzüglichen Aufnahmen dieser Musik (z.B. I Musici) gewohnt ist. 

Leider enttäuscht diesmal die vokale Seite der Aufführung herb. Weder Chor noch Solisten vermögen den Worten des Magnifikat Glanz, Sinnlichkeit und Licht („Meine Seele erhebet den Herrn. Und mein Geist freut sich am Gott, meinem Heiland.“) einzuhauchen noch jene alttestamentarische Wucht auszudrücken, die den Psalm über weite Strecken bestimmt.  Immerhin heißt es da unter anderem: „Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmettern die Könige am Tag seines Zorns. Er wird richten unter den Völkern. Er wird häufen die Trümmer. Er wird zerschmettern die Regierungen auf der ganzen Erde.“

Das Klangbild scheint mit einem leichten Grauschleier überzogen, die Dynamik und Stimmungswechsel werden im Einerlei eines mezza voce allzu geradlinig singenden Chors eingeebnet. Marta Mathéu (Sopran I), Hanna Bayodi-Hirt (SopranII), Anthony Roth Costanzo (Countertenor), Makoto Sakurada (Tenor) und Furio Zanasi (Bariton) bleiben allesamt blass und enttäuschen druchwegs. Angeschliffene Töne und Intonationstrübungen mögen dem live Erlebnis geschuldet sein. Aber es muss ja auch nicht jedes Konzert auf CD gebannt werden….

Dr. Ingobert Waltenberger

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