DIE ZARENBRAUT – STO Berlin

by D. Zweipfennig | 23. Mai 2016 11:42

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 DIE ZARENBRAUT – DVD/BD BelAir Classique BAC 105

Nicolai Rimsky-Korsakovs 1899 uraufgeführte Oper erfreut sich auf russischen Bühnen unverminderter Beliebtheit, während sie in unseren Breiten kaum beachtet wird. Schade, wie es sich nun anhand des vorliegenden Mitschnittes einer Aufführungsserie der Staatsoper im Schiller-Theater Berlin vom Oktober 2013 überprüfen lässt. Garant für einen ungetrübten Hörgenuss sind die prachtvoll aufspielende Staatskapelle Berlin, der Staatsopernchor sowie ein in allen Rollen überzeugendes Ensemble unter dem engagiert-anfeuernden Dirigat von Daniel Barenboim, das sich auf das anfänglich gewöhnungsbedürftige Regiekonzept von Dmitri Tcherniakov eingeschworen hat. Tcherniakov verlegte die Handlung aus der Zeit von „Iwan dem Schrecklichen“ ins Hier und Heute. Dank einer minuziös-ausgefeilten Personenregie und der Übereinstimmung mit der leidenschaftlichen Musik (zu einer ebenso dramatischen Handlung) funktioniert der Zeitsprung dann doch erstaunlich gut. Uneingeschränktes Lob gilt es der Sängerriege zu spenden, die mit einigen Überraschungen aufwartet. So gibt es ein erfreuliches Wiedersehen mit der unvergesslichen Anna Tomowa-Sintow (Domna Saburova) – die Stimme ist nach wie vor intakt. Nach wie vor mit fast ungetrübter Basseskraft aufwarten  kann  Anatoli Kotscherga in der Rolle des Sobakin, Marfas Vater. Diese wird von der überwiegend im italienischen Belcanto-Fach international geschätzten Olga Peretyatko verkörpert. Speziell in der fulminant gestalteten Wahnsinns-Szene im 4. Akt kommt auch ihr Darstellungstalent voll zum Tragen. Anita Rachvelishvili als giftmischende Rivalin Lyubasha zieht alle Register ihres Könnens. Was für ein fleischgewordener Vulkan an Stimmpotenz und Aura! Sobald sie die Bühne betritt, stellt sich Gänsehaut beim Zuschauer ein. Die beiden Rivalen um Marfas Hand bescheren a) tenorale Wonnen nebst sympathischer Erscheinung (Pavel Cernoch als Ivan Lykov) sowie b) Anhörungsunterricht in Sachen individuellem, ausgewogenem Baritongesang (Johannes Martin Kränzle als Grigory Gryaznoy). Tobias Schabel (Grigory Malyuta-Skuratov), Stephan Rügamer (Bomelius, mit sämtlichen Mitteln der Heilkunst vertraut), Anna Lapkovskaya (Dunyasha) sowie die verdienteCarola Höhn (Petrovna) runden das Luxusensemble ab.

Conclusio: ein tolles Werk, faszinierend umgesetzt. Starke Kaufempfehlung! Zu bemängeln gilt lediglich das schwachbrüstige Beiheft – nur dreisprachige Inhaltsangabe, null Info zum  Werk!                                           

Dietmar Plattner

 

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