Der Neue Merker

DIE GARTENMANIE DER HABSBURGER

BuchCover   Gartenmanie der Habsburger

Christian Hlavac / Astrid Göttche:
DIE GARTENMANIE DER HABSBURGER
Die kaiserliche Familie und ihre Gärten  1792-1848
160 Seiten,
Amalthea Verlag, 2016

Neuerdings ist es üblich, kein gutes Haar an der Familie Habsburg zu lassen, wobei die Herrscher des Hauses am ehesten in ihrer Politik angreifbar waren. Privat, in ihren Interessen und Talenten, waren sie eine bemerkenswerte Familie – es gibt große Musiker unter ihnen, bedeutende Kunstsammler, viele hatten großes Interesse an der Wissenschaft. Und sie liebten die Natur.

Eine schöne Ausstellung im Kaiserhaus in Baden hat es gezeigt, ein Buch hält es in der Folge fest, nämlich das, was man gut und gern die „Gartenmanie der Habsburger“ nennen konnte. Dabei zentriert man sich rund um Kaiser Franz II./I.,  der ja gerne mit der Gartenschere in der Hand gezeigt wird, und das war echt, in keiner Weise in unserem Sinne „medial“ gedacht. Eine hier mitgeteilte Anekdote erzählt von einem Hofgärtner, der sich überflüssig fühlte, weil der Kaiser im Garten alles besser könne.

Gewiß passte es zu dem „bürgerlichen“ Image, das Franz II. / I.  sich gerne gab, aber sein grüner Daumen ist ebenso unbestritten wie fundamentale Kenntnisse der „Garten“-Materie. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang ja auch, wie viele Naturwissenschaftler er beispielsweise mit seiner Tochter Leopoldine nach Brasilien geschickt hat, damit diese Pflanzen und Tiere für die Wiener Museen mitbringen mögen… Und in den Habsburgischen Gärten fanden sich „unermessliche Pflanzenschätze“.

Aber der Kaiser war nicht der einzige, auch einige seiner Brüder – etwa Erzherzog Anton, in dessen Bibliothek sich Prachtausgaben botanischer Werke fanden, oder Erzherzog Karl oder auch Erzherzog Johann mit seinen vielen „Natur“-Projekten – fanden ihre Erholung in Gartenarbeit.

Das Buch bietet auch reichlich bildliches Anschauungsmaterial, die Gärten der Habsburger wurden immer wieder dargestellt. Blumenmuster zierten das Porzellan, aber auch Taschen, Strumpfbänder, Hosenträger von damals, natürlich auch die Biedermeier-Tapeten und Möbel-Bezüge: Natur war in Mode, und wenn man den Blumenschmuck von Bällen hier und heute bedenkt, dann ist sie es auch geblieben. Nur so viel Kompetenz wie bei vielen Habsburgern, die sich diesem Hobby hingaben, ist heute wohl nicht mehr zu erwarten.

Renate Wagner

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