Der Neue Merker

DALLAS: „SAMSON ET DALILA“ mit Olga Borodina und Clifton Forbis. Premiere

DALLAS: Samson et Dalila“ mit Olga Borodina und Clifton Forbis. Premiere am 20.10.2017

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Copyright: Karen Almond

Das renommierte Wienspeare-Opernhaus von Dallas eröffnete seine Saison mit  „Samson et Dalila“ und Star-Dirigent Emmanuel Villaume leistete sich Weltstar Olga Borodina, mit der er neben Anna Netrebko seit Jahren regelmässig arbeitet.

Nach 46 Jahren wurde „Samson et Dalila“ zum ersten Mal wieder an der Oper in Dallas aufgeführt.

Besonders das tief lotende Dirigat von Emmanuel Villaume und Clifton Forbis als „Samson“ mit suggestiver baritonler Stahlkraft ohne jede Ermündungserscheinung sowie Olga Borodina als „Dalila“ mit ihren tiefen beseelten Tönen riefen zu Jubelstürmen in Dallas auf.

Der an der Met vielbeschäftigte französische Dirigent Emmanuel Villaume leitet gemeinsam mit Keith Cerny die Company seit 5 Jahren und hatte den europäischen Regisseur Bruno Berger-Gorski nach Dallas eingeladen. Der internatinal arbeitende Regisseur hatte das Werk bereits in Israel inszeniert und überarbeitete mit dem Bühnenbildner Peter Dean Beck sein in den USA bekanntes Bühnenbild aus Pittsburgh neu. Sie schufen gemeinsam mit dem Licht-Designer Allan Burrett suggestive Räume aus Licht und Projektionen, wobei immer wieder flirrende Lichtsymbole auf dem Portalschleier und in weiteren Licht-Räumen eine magisch-suggistive Ausstrahlung zur Musik von Saint-Sains ausübten.

Im ersten Bild wurde durch Projektionen von Licht-Gittern die Imagination eines Gefangenen-Lagers assoziert, in dem die zusammengeferchten Hebräer ( ein hervorragend einstudierter Chor von Alexander Rom ) mit Bündeln an die aktuelle Flüchtlingsströme erinnerten. Michael Chioldi als stimmgewaltiger Abimelch liess sich von den Soldaten der Philistiner einzelne Frauen der Flüchtlinge vorführen und erinnerte durch seine Gestik an Misshandlungen an Flüchtlingen durch das Militär. Auch die Solisten des ersten (Zach Hess) und zweiten Philistiners ( Travis Wiley McGuire ) sowie der Bote (Jay Gardner) waren stimmlich hervorragend besetzt und betonten durch ihre intensive Darstellung die Mord-Szene an Abimelech, der von Samson auf offener Bühne mit einem Gebetsschal der Hebräer stranguliert wurde.

Mit traditionellen orthodoxen Elementen des Judaismus wurde der mit Piani berührende Herren-Chor der Hebräer religiös aufgewertet und verdeutlichte den inneren Kampf von Samson zwischen seiner Begierde zu Dalila und seiner Religion. Durch Projektionen von hebräischen Buchstaben auf  Portal-Schleiern wurde eine Art Gebetsraum der Hebräer geschaffen, in dem Samson gegen seine Träume vor Augen des alten Hebräers kämpfte. Der junge Bass Ryan Kuster als „alter Hebräer“ lässt mit seinem profunden Bass aufhorchen und scheint vor einer vielversprechenden Karriere zu stehen. Borodina sang hinter Schleiern wie eine Vision ihre betörende Arie „Printemps qui commence“.

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Copyright: Karen Almond

Bruno Berger-Gorski erarbeitet gemeinsam mit der Choreografin Nycole Ray und den Tänzern des Dallas Black Dance Theaters ein fast brutal sardistisches Baccanal im 3.Akt, in dem Samson und die jüdischen Gefangenen von Philistern an Ketten hereingeführt werden. Die Solisten, Tänzer und halbnackten Choristen beschmieren sich gegenseitig mit Blut. Dalila als innerlich gebrochene Figur in ihrem Gefühl zwischen Samson und ihrem Volk kämpfend und der hohe Priester (Richard Paul Fink, hervorragend disponiert mit deutlicher Diktion) treiben mit einer Peitsche aus den Haaren von Samson  die jüdischen Gefangenen auf offener Bühne brutal zusammen, wo sie von der grölenden Menge ausgezogen und fast vergewaltigt werden. Der Dallas-Chor integriert sich mit einer unglaublichen Spiefreude und vermischt sich mit den Tänzern für das Finale, in dem Forbis noch einmal mit  ideal phrasierten Tönen berührt, bevor der Tempel technisch und musikalisch perfekt getimt einstürzt. Es gab standing ovations und immer wieder Beifalls-Stürme für Villaum, Borodina, Forbis, aber auch für den Regisseur, seinen genialen Licht-Designer Alan Burrett und Nycole Ray vom Dalls Black Dance Theater.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Dallas Black Dance Theater ist dem Generalintendanten Keith Cerny und seinem europäischen künstlerischen Leiter Emmanuel Villaume für Texas wichtig und die Rechnung des Führungsteams ging auf:  im Publikum war ein bunte Mischnung aus älteren hochkarätigen Opern-Liebhabern eng gedrängt mit Schülern der Booker T. Washington School und Tanz-Fans des Dallas Black-Dance-Theaters, dass  vis a vis im Artsdistrict im Moody-Theater beheimatet ist.

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Copyright: Karen Almond

Texas kam leider immer wieder durch Rassen-Unruhen in die Schlagzeilen und der sogenannte Arts-Distrikt mit seinen Theatern sowie Museen ist ein wichtiger Treffpunkt, der Brücken zwischen den Kulturen baut.

Emmanuel Villaume wurde schon zu Beginn der Oper jubelnd begrüsst und plant in der laufenden Spielzeit Raritäten wie Korngold`s „Der Ring des Polykrates“ und „Sunken Garden“ von Michel an der Aa als US- Premiere.

Nathan Myers,

director of Music, Booker T.Washington

( Nathan Myers hat die Premiere von „Samson et Dalila“ am 20. Oktober an der Oper in Dallas besucht)

Die Vorstellung wird noch am 25,  28. Oktober und 5.November im Winspeare-Opernhaus gespielt.

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