Dagmar Koller: GOLDENE ZEITEN

by R.Wagner | 22. Dezember 2017 01:51

BuchCover  Koller, Goldene Zeiten

Michael Balgavy (Hsg)
Dagmar Koller:
GOLDENE ZEITEN
in Farbe
334 Seiten, Verlag für moderne Kunst, 2017

Dass sie die meistfotografierte Frau von Österreich sei – dem kann man nicht widersprechen, denn es fiele einem niemand anderer ein, der seit Jahrzehnten so beharrlich in den Medien präsent ist wie Dagmar Koller. Lange Jahre auch auf der Bühne, meist allerdings privat, was auch dann nicht endete, als ihr Gatte, Wiens Allround-Politiker Helmut Zilk, gestorben war. Und als er als Bürgermeister von Wien „regierte“ (es war tatsächlich eine „Ära“), präsentierte die Kärntnerin als „First Lady“ der Stadt…

Ein Dagmar-Koller-Fotoalbum muss also üppig ausfallen, und sie stellt es nun zwischen vergoldeten Buchdeckeln aus – zu ihrer eigenen Freude und der ihrer Fans, die es sicher noch gibt, auch wenn sie nicht mehr als Wirbelwind die Beine schwingt. Tatsächlich ist das Buch, neben dem privaten Aspekt, ein Stück Theater- und Wien-Geschichte.

„Ein Leben in Auftritten“ führt von den Kinder- und Jugendfotos auf die Bühne, im „Land des Lächelns“ war die Soubrette mit Giuseppe di Stefano unterwegs, sie hat dann eine Menge Musicals gemacht, war auch Eliza Doolittle und eine beeindruckende Aldonza im „Mann von la Mancha“ neben Josef Meinrad. Auch im „Ringstraßenpalais“ war sie dabei, sogar an der Seite von Elizabeth Taylor in einem Hollywood-Film („A Little Night Music“, in Wien gedreht). Und hie und da zeigt ein Zeitungsartikel, dass „Dagi“ immer für eine Schlagzeile gut war (1977 wurden ihr alle Pelze geraubt!)…

Ein eigenes Kapitel, sehr farbig, ist den Kostümen eines Sängerinnenlebens gewidmet – ob orientalisch, ob opulent im rosa Abendkleid, ob im Dirndl, ob als Indianerin oder antike Statue – man merkt, wie unendlich viel diese Dagmar Koller gemacht hat, oft in Fernsehshows, aber sie hat sich auch privat immer wieder (mit Vorliebe mit gespreizten Armen) in Pose geworfen.

In der großen weiten Welt war sie wahrlich auch, die Erinnerungsfoto können sich sehen lassen, da muss sie nicht einmal selbst drauf sein, vermutlich hat sie die Brücke in San Francisco und den Blick auf Hongkong selbst geknipst.

Als Lebensmensch kommt erst die Mutter an die Reihe, verhältnismäßig spät der Auftritt von Helmut Zilk, Bilder von Home-Stories, Urlaubsfotos, Liebesbriefe (auch ein Bild der Witwe am Sarg, weil das Leben ja nicht nur glanzvoll, sondern auch tragisch ist).

Glanzvoll dennoch – „Dagmar und…“, da sind schon echte Promis dabei, Diana (als die sie sich in einer Fernsehshow von Peter Alexander auch „verkleidet“ hat) und Charles, Fürstin Gracia Patricia, Bernstein und Ustinov, Sinatra und Pavarotti, was könnte man mehr begehren? Humor hat sie auch, es gibt auch ein Plätzchen für Dagmar in der Karikatur.

So blättert man sich durch die „goldenen Zeiten“ der Dagmar Koller, und um das eine oder andere Erlebte, um manche Begegnung beneidet man sie auch.

Renate Wagner

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