Der Neue Merker

COTTBUS: LA FAVORITE (Die Favoritin)

Cottbus: Die Favoritin/La favorite   17.10.2015

Cottbus: "La Favorite"/ Szene/ Foto Marlies Kross
Marlene Lichtenberg, Ingo Witzke, Ciprian Marele. Foto: Marlies Kross

 Die selten gespielte Neuproduktion am Staatstheater Cottbus von Donizetti wird dort besonders als Belcanto-Oper angepriesen, was sie ja auch ist. Aber gesanglich wird in dieser Premiere nicht so besonderer Wert auf eine möglichst authentische Wiedergabe gelegt. Bei den lautstarken, manchmal geradezu donnernden Gesangskaskaden meint man, sich eher in einer Großen französischen Oper àla Meyerbeer zu befinden. Obwohl Donizetti auch eine Affinität zu Frankreich hatte, war es aber nicht sein Ding, Große Oper in der Nachfolge zu komponieren. Natürlich hat ‚La favorite‘, die ja öfter am spanisch-kastilischem Hof spielt und somit auch einem Repräsentationsstil huldigt, manchmal etwas Pompöses an sich, aber die intimen-, die Kloster- und Friedhofszenen stehen in ihrer Romantik in Gegensatz dazu. Vielleicht drehten die Sänger auch oft dergestalt auf, um gut über das Orchester zu kommen, das auch nicht mit Lautstärke geizt. Unter seinem Dirigenten Ivo Hentschel legte es genuine Wucht an den Tag. 

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Debra Stanley, Marlene Lichtenberg, Alexander Geller v.l., (c) Marlies Kross

 

 Die faszinierende aber haasträubende Geschichte, die sich so wohl zugetragen hat, handelt von der tragischen Liebe zwischen einem armen Klosternovizen, der dann die Machtleiter bis fast ganz nach erklimmt, und einer Kurtisane, der Favoritin des spanischen Königs, die sich auf einer Liebesinsel Alfons‘ XI. als quasi Gefangene nicht angemessen behandelt fühlt. Sie verschafft dem aus dem Kloster Geflüchteten ein Offizierspatent, und Fernand besiegt in der Folge die Mauren. Als er die Hochzeit mit ihr, Leonor de Guzman, begehrt, willigt der König ein, ist sich aber sicher, dass die Hochzeit auch wegen der Intrige seitens seines Hofstaats nicht zustande kommen wird. Fernand entdeckt, wer Leonor wirklich ist, gibt alle erhaltenen Ehren und Kriegsorden zurück und kehrt ins Kloster zurück. Eleonor folgt ihm aber aus Liebe nach und stirbt als ‚Novizin‘ in seinen Armen.

 Regisseur Martin Schüler stellt in plastischen Szenen, auch mit den dem Chor des Hofstaats, eine plausible Wiedergabe des teils krude anmutenden Geschehens auf die Bühne. Und dies oft in einem blauen romantischen Licht, in dem besonders die Szene auf der Liebesinsel mit einem hochbugigem Kahn ganz romantisch erscheint. Hans-Holger Schmidt baut ihm ein Bühnenbild aus säulenartig klassizistischen Versatzstücken und maurischen Relikten. Sehr echt wirkende z.T. prächtige Kostüme steuert Susanne Suhr bei.

 Die Damen und Herren des Operchors singen spannende, teils intrigante Chöre. Die Inés gibt Debra Stanley mit angenehmem seidigen Sopran. Einen korrupt intriganten Höfling Don Gaspar stellt Matthias Bleidorn dar,  dafür ist er mit rauhem Baßbariton begabt. Den Prior Balthasar, der sogar den König unter Druck setzen kann, spielt in blutroter Soutane Ingo Witzke mit weichem klug angesetztem und auch markantem Bariton. Ciprian Marele gibt Alphonse XI. als hinterlistigen König, der seine Favoritin verrät, und singt dabei einen klangsatten, nur leicht voluminösen Bariton. Alexander Geller ist in der exorbitanten Tenorpartie des Fernand besetzt, die er mit gut ansprechendem Timbre meistert und mit reifer Technik die Klippen umschifft. Marlene Lichtenberg übernimmt die Titelpartie  mit einem sehr ausgreifenden Sopran, den sie jederzeit, auch in den Ensembles äußerst klangwuchtig einzusetzen vermag.                                            Friedeon Rosén

 

 

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