Der Neue Merker

Festspieldokumente Salzburg

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Festspieldokumente Salzburg live Mozarteum 27.7.2011

Mahler SYMPHONIE Nr. 4, Bearbeitung für Sopran und Kammerensemble u.a.

ORFEO CD

Im Mahler-Jahr 2011 (100. Todestag) wollte man in Salzburg die Nähe Gustav Mahlers zu Arnold Schoenberg in programmatischen Konzerten dokumentieren und zu Klang werden lassen. Im Konzert „Mahler Szenen 1“ vom 27. Juli 2011 im Mozarteum standen der Schatz-Walzer von Johann Strauss Sohn in der Bearbeitung von Anton Webern, der Kaiser Walzer in der Bearbeitung von Schoenberg (für Streichquartett, Klavier, Flöte und Klarinette) und die Vierte Symphonie Gustav Mahlers für Kammerorchester arr. durch Erwin Stein, entstanden 1921 für Schoenbergs Verein für musikalische Privataufführungen auf dem Programm.

Die Geschichten rund um den pädagogisch wirkenden Verein zur qualitätsvollen Aufführung avantgardistischer Musik abseits der Öffentlichkeit sind Legion. Für die Probenqualität waren immerhin u.a. Alban Berg und Anton Webern verantwortlich. Probiert wurde bis zur Perfektion (für ein reines Walzerprogramm angeblich fünf mal fünf Stunden!), insgesamt 117 Konzerte fanden zwischen 1919 und 1921 statt, ausschließlich finanziert durch Mitgliedsbeiträge.

Die Partitur und Stimmen der Bearbeitung von Erwin Stein sind zwar verloren gegangen, wurden aber 1993 rekonstruiert. Salzburg hat für das Konzert im Juli 2011 alles engagiert, was gut und teuer ist: Renaud Capucon (Violine), Katja Lämmermann (Violine), Antoine Tamestit (Viola), Clemens Hagen (Violoncello), Alois Posch (Kontrabass), Magali Mosnier (Flöte), Sebastian Manz (Klarinette), Albrecht Mayer (Oboe), Herbert Schuch (Klavier), Gereon Kleiner (Harmonium), Leonard Schmidinger, Martin Grubinger (Schlagzeug). Aber leider ergeben auch die besten Zutaten allein noch keinen gelungenen Festschmaus. So bleibt der Gesamteindruck weit hinter einigen exquisit schönen Violinpassagen in den Walzern, wiederum Violine sowie edlen Klarinetten- und Oboenklängen in der Mahler Symphonie (3. Satz)  zurück. Das Klavier gewinnt kaum je Kontur, das Schlagzeug überfährt bisweilen brutal die Ensembles. Publikum und Presse sollen laut Booklet damals das Konzert bejubelt haben. Jetzt geht es aber darum, einen Tonträger zu beurteilen, was etwas ganz anderes ist. Die harte, direkte und trockene Aufnahmequalität trägt dazu bei, dass sich der Klang fragmentiert darstellt, sich zu keinem Ganzen fügen will. 

Musikalisch ziehen die formidablen Zwölf auch nicht ganz an einem Strang, was besonders bei den Walzern das Hörvergnügen beeinträchtigt, wo stilistisch uneinheitlich bis zur Karikatur gespielt wird. Irgend etwas Wienerisches, die berühmten verzögerten ersten der Dreivierteltakte, das geschmeidig Drehende, das traumwandlerisch Tänzerische wird man in dieser Interpretation vergebens suchen. Besser ist es da um Mahlers Vierte Symphonie bestellt, wo dieses aleatorische Miteinander wie bei den berühmt berüchtigten „Telefonorchestern“ die Strukturen der Symphonie in der interessanten Bearbeitung für Kammerensemble gut Kontur gewinnen lässt. Die Instrumentierung trägt dazu bei, manchmal Stravinsky oder R. Strauss herauszuhören zu wollen. Rein atmosphärisch und von der Emotion her berührt diese wunderbare letzte der Wunderhorn Symphonien aber in der vorliegenden Interpretation weniger. Wieder habe ich den Eindruck, dass vielen einzelnen gelungenen Passagen/Phrasen kein Gesamtkonzept, kein großer Spannungsbogen gegenübersteht. Und trotz des von Christiane Karg ausdrucksstark vorgetragenen „Himmlischen Lebens“ könnte sich jemand fragen, ob der gestrenge Schoenberg bei dem Stand der Einstudierung wohlwollend seine endgültige Zustimmung zu dieser Aufführung gegeben hätte, wie das damals im „Verein“ so Sitte war?

Dr. Ingobert Waltenberger

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LLIBRE VERMELL DE MONTSERRAT

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LLIBRE VERMELL DE MONTSERRAT
Jordi Savall, La Capella Reial de Catalunya, Hésperion XXI. 

AliaVox SACD & DVD

Nach einer nicht ganz geglückten Händel/Vivaldi/Mozart CD ist Jordi Savall und seine Ensembles beim LLibre Vermell von Monserrat ganz in seinem ureigensten Element. Die mittelalterliche Liedsammlung, die Savall schon als Kind im Schulchor kennenlernte, begleitete ihn seine gesamte Laufbahn hindurch. Der vorliegende Live- Mitschnitt ist die dritte Auseinandersetzung des katalanischen Meisters mit dem  berühmten Llibre Vermell nach Aufnahmen 1979 für „Refelexe“ EMI und 1987 unter Patronanz von Monserrat Figueras und deren ausschließlich aus Interpreten romanischer Herkunft gegründetem Ensembles La Capella Reial. Die Aufnahme entstand 2013 in der Kirche Santa Maria del Pi in Barcelona als Hommage an ebendiese früh  verstorbene frühere Partnerin Savalls und außerordentliche Sängerin für Alte Musik Monserrat Figueras. 

Von den ursprünglich 12 Kompositionen des Llibre Vermell sind heute noch 10 erhalten. Einige der Stücke waren komponiert worden, um im Inneren der Kirchen getanzt zu werden. Auch Geistliche tanzten im Mittelalter sowohl im Altarraum als auch im Kreuzgang. Von den 10 Liedern waren fünf für den Tanz bestimmt, vier für den Kreistanz. Der Codex enthält u.a. polyphone Antiphone in der Ästhetik des gregorianischen Chorals, „Virelais“ als Defilee aller Stände vor der Figur der schwarzen Jungfrau, Kanons zur geistlichen Erbauung der Pilger, eine Ballade von den sieben Freuden Marias und Stücke in der eleganten Polyphonie der französischen Ars Nova. Der Llibre Vermell beschließt die Folge der neuen musikalischen Marienbilder mit einem Bußgesang.

Der trotz aller liturgischen Funktionen höchst sinnenreich konzipierte und ebenso interpretierte musikalische Reichtum, den Jordi Savall und seine Mitstreiter zum  Leuchten und Glühen bringen, ist Symbol für spirituelle Mysterien, die heute noch im orthodoxen Christentum in der Musik gepflegt werden. Kunst und Musik im Mittelalter fungierten als Vehikel einer durch die Sinne erfassbaren Auslegung der Schrift, als das Volk noch nicht lesen konnte. Und es wäre nicht Savall, würde er nicht die erhaltenen Teile der Handschrift mit Improvisationen verbinden, die in ihrer Schönheit und Eindringlichkeit, aber auch den tänzerischen Vorbildern des Originals in nichts nachstehen.

Die musikalische Pilgerreise zeigt auch, in welch hohem Maß Lobpreis das Prinzip Hoffnung und die Lebensfreude im Mittelalter widerspiegelte. Die CD ist nicht zuletzt eine Erkundung der mythologischen Geographie Kataloniens mit – wie bei Savall üblich – exotisch mittelalterlichen Instrumenten. Eine Empfehlung!

Dr. Ingobert Waltenberger

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Dmitri Shostakovich: SUITE NACH GEDICHTEN VON MICHELANGELO BUONARROTI, Op. 145a

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Dmitri Shostakovich:
SUITE NACH GEDICHTEN VON MICHELANGELO BUONARROTI, Op. 145a, 

Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti; CSO – Resound CD

Düstere Gesänge als intime Grenzziehung großer Kunst

Shostakovich schrieb seine Suite basierend auf Versen des Universalisten Michelangelo Buonarroti nach seiner Lungenkrebsdiagnose. Für Michelangelo war die Poesie eine persönliche „Frage des Herzens und des Gewissens“. Shostakovich war fasziniert von dieser Auffassung des dichterischen Worts als eine unmittelbar intime Auseinandersetzung mit den Rätseln und Sehnsüchten des eigenen Ich, gerade weil kaum ein anderer Komponist des 20. Jahrhunderts so sehr um die klare Grenzziehung zwischen öffentlicher Kunst und dem Innenleben eines Künstlers zu ziehen wusste/gezwungen war. Elf Gesänge um Liebe, Endlichkeit, Tod und Unsterblichkeit wählte Shostakovich für seine durchwegs in leisen Tönen gehaltene Arbeit. Zum fünfhundertsten Geburtstag des Renaissancekünstlers konzipiert, entstand die Orchesterversion im Jahr 1975 auf Anfrage des Kollegen Aram Khatschaturjan.

Ildar Abdrazakov interpretiert diese bekenntnishaften Lieder mit warm leuchtender, vor innerer Anteilnahme vibrierender Stimme. Der russische Bass versteht es, den unterschiedlichen Inhalte und Stimmungen der elf Dichtungen mit einer unendlichen Ausdruckspalette an sonoren Piani und Pianissimi auszuloten, nur selten geht der Orchestersatz und die Dynamik des Vokalparts ins dramatisch Auflehnende wie etwa beim Lied „An den Verbannten“ oder „Schaffen“. In „Nacht“ als Tribut an Michelangelos berühmte Skulptur in der Medici Kapelle in San Lorenzo in Florenz erleben wir eine lautmalerische Annäherung der Musik an die Bildhauerei. Mit meißelnd präzisen Rhythmen scheint der Tonsetzer Musik am dichterischen Wort entlang zu formen. Der Zyklus endet mit den Themen „Tod“ und „Unsterblichkeit“. Abdrazakov gestaltet auch diese nachtdunklen Gedanken um Vergeblichkeit des Wartens sowie der Erlösung vom Tod durch schöpferische Unsterblichkeit unnachahmlich einfühlsam. Man vermeint, einem düsteren Blaubart seine innersten  Geheimnissen monologisierend preisgeben zu lauschen. Riccardi Muti liefert mit dem Chicago Symphony Orchestra den in diesem Falle uneitlen, stillen und dienenden Rahmen für den Solisten.

Die CD enthält neben diesem im Juni 2012 mitgeschnittenen Werk noch Schoenbergs Kol Nidre, live im März 2012 aufgenommen. 

Dr. Ingobert Waltenberger

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Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville: ISBÉ

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Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville: ISBÉ 

GLOSSA 3 CD

Lyrische Pastorale héroique glanzvoll interpretiert – eine Entdeckung

Der „Buffonistenstreit“ um den Vorrang italienischer oder französischer Musiktradition im musikbesessenen Frankreich des 18. Jahrhunderts interessiert heute ja wohl kaum noch jemanden. Bedeutend ist aber, dass in Frankreich viele Vorzüge der italienischen Vokal- und Instrumentalmusik mit großem Erfolg assimiliert worden und zu einem genuin französisch-barocken Klangidiom geführt haben. Deren hervorragenden Vertreter Lully, Rameau, Destouches, Campra, Delalande oder eben Mondonville haben allesamt prächtigste Musik geschrieben, sei es für sakrale Zwecke (Grand Motets) oder eben als Opern, genauer pastorales héroiques, tragédies lyriques bzw. Ballettopern. 

Mondonville, Gegenspieler Rameaus, Geiger der Musique du Roi und später Sous-Maître der Chapelle Royal, war zu Lebzeiten mit seiner Isbé nicht unumstritten. Die Kritik bezog sich auf das geigerische Primat à la Corelli oder Vivaldi. Aber immerhin war es seine erste Oper, die am Hofe gespielt wurde. Der heutige Hörer ist jedenfalls fasziniert von der Fülle an barocker Invention: Von der „edlen, brillanten und kühnen“ Fuge in der Ouvertüre, dem gesungenen Vogelgezwitscher der Charite, Tänze mir rustikalen Anklängen, Gewittermusik, allerorts komplexen Rhythmen, Arien, bezaubernden Arietten, Chören, bis hin zu flötenbegleiteten Monologen und raffinierten Rezitativen, das alles bei überbordender instrumentaler Virtuosität.

Das Libretto des Brigadiers de la Rivière (wie großartig wäre es, wenn auch heute noch hohe Militärs Opernlibretti schreiben würden statt Kriege zu planen) hat alle Ingredienzien für ein höfisches Spektakel um Liebesfreud und Liebesleid, Pantomimen und vielfältige Instrumentalsätze inklusive: Den Streit der Lust und der Liebe gegen die Mode. Die scheue Liebe der Hirtin Isbé zum Schäfer Coridon. Die unvernünftige Leidenschaft des Druidenführers Adamas für eben diese schöne Hirtin, die aus Furcht vor Verletzung auch ihren Cordion nicht geradezu mit Zärtlichkeiten überhäuft. Hier kommt die flatterhafte Charite auf den Plan, die den enttäuschten Schäfer Coridon verführen will, während Adamas um Isbés Hand anhält.  Céphise und die Nymphen der Flüsse bieten ihre Zauberkraft um den gordischen Knoten zu lösen, werden von der Hirtin abgewiesen, die die Reinheit und Aufrichtigkeit ihrer Liebe durch nichts verfälscht wissen will. Am Schluss entsagt Adamas seinen Gefühlen und unter dem Gesang des Volkes gibt es das ersehnte Happy End mit Treueschwur des Hirtenpaars.

Die im März  2016 in Budapest entstandene Einspielung unter der kundigen, idiomatisch untadeligen musikalischen Leitung von György Vasheghyi mit dem Orfeo Orchestar und dem Purcell Choir ist eine wahre Verführerin. Abseits aller akademischen Fragen bietet sie pralles Barocktheater mit allen wortdeutenden kompositorischen Verfeinerungen, raffinierten Tableaus und tänzerischem Elan. Wie ein steter silberner Bach gleiten Rezitative, Ariosi, Arien und Ensembles ineinander und bejubeln die pastorale Idylle, nur sanft in Wirrnis gebracht durch der Schäferin allzu zaghaftes Turteln. Das Hören ist aber auch dank der dramaturgisch abwechslungsreichen melodiösen Einfälle, der technischen Brillanz der Vokalsätze und des intensiven Engagements einer hervorragenden Sängerschar eine rechte Freude. An erster Stelle ist Katherine Watson in der Titelrolle für ihren eigentimbrierten Sopran und eine mädchenhaft-passionierte Interpretation zu bewundern. Ebenso erfreuen Reinoud Van Mechelen als Coridon, Thomas Dolié als Adamas und vor allem die quirlig bravouröse Chantal Santon-Jeffery als La Volupté und Charite mit qualitätsreichem Gesang. Ein besonderes Lob gebührt dem Chor.

Für alle Liebhaber französischer Barockmusik des frühen 18. Jahrhunderts ein Muss.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Brahms-Glanert / Brahms-Berio / Detlev Glanert

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Detlev Glanert:
Vier Präludien und Ernste Gesänge samt Postludium, Weites Land

Brahms-Berio:
Klarinettensonate Nr.1 arrangiert für Klarinette und Orchester

ONDINE CD

„Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben also dass ich Berge versetzte und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Corinther 13:1-3; Brahms „Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete“

Offenbar können Komponisten keinen weißen Zettel sehen, ohne Noten zu notieren und erst recht nicht von Zunftgenossen mit Noten beschriebenes Papier, ohne daraus Inspiration zu schöpfen oder selber Hand anzulegen. Das kann eine bloße Instrumentierung sein oder aber eine völlige Aneignung, wie dies auf der vorliegenden CD der Fall ist – so mutig und ambitioniert wie Arnulf Rainer in der Malerei. 

Detlev Glanert, Schüler von Hans Werner Henze, ist ja als Opernkomponist bekannt, 14 davon hat er bislang geschrieben. Vielleicht ist ihm auf Basis dieser Begabung nun auf stupende Wiese gelungen, die vier Ernsten Gesänge seines norddeutschen Landsmannes Brahms auf ganz eingeständige und faszinierende Weise zu orchestrieren und für Bariton zu adaptieren. Vorangestellt hat Glanert jedem Gesang jeweils ein Präludium, ein Postludium beschließt den so ausgeweiteten Zyklus. Diese reinen Orchesterteile zeichnen sich durch eine enorme Farbigkeit der Instrumentierung aus. Sie bereiten die Stimmung der nachfolgenden Lieder auf, kommentieren sie und vermitteln eine ganz eigenständige Klangwelt, die mit derjenigen von Brahms einen spannungsreiche Symbiose eingeht. Neben den Streichern lässt Glanert ein typisch Brahms‘sches Orchester sprechen. Doppeltes Holz, einen dritte Flöte, Kontrafagott, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauke und Harfe. 

Bariton Michael Nagy ist der Solist der Ernsten Gesänge. Nagy, der größere Stationen an der Komischen Oper in Berlin und in Frankfurt absolviert hat, hat in jüngerer Zeit als Kurwenal unter Simon Rattle in Baden Baden Furore gemacht, in Wien kennt man ihn von Marschers Hans Heiling Produktion am Theater an der Wien. Am 19. Februar 2017 wird Nagy an der Deutsche Oper Berlin in der Uraufführung von Andrea Lorenzo Scartazzinis Oper Edward II die Titelrolle verkörpern. Die vier Ernsten Gesänge profitieren von der Schwärze des dramatischen Stimmmaterials des ungarischstämmigen Baritons. Nagy trägt einen opernhaften Ton in diese Musik, dabei aber die conditio humana dieser „Erntelieder“ um Liebe und Tod sensitiv auslotend. 

Den Höhepunkt der CD bildet für mich persönlich Glanerts 2013 komponiertes „Weites Land“. Der Tonsetzer nennt sein knapp 12 minütiges einsätziges Werk „Musik mit Brahms für Orchester“, darin die ersten acht Noten der vierten Symphonie des Hamburger Meisters reflektierend. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Oldenburger Staatsorchesters. „Das weite Land“ ist ein aufregend dichtes Kondensat an originär kompositorischer Aneignung des harmonischen und thematischen Materials mit allerlei Soli der Streicher und im Holz, Tänzerischen und Kosmischem zugleich. Das Stück ist keine onomatopoetische Naturbeschwörung, sondern eine klingende Reflexion unserer Seele als Spiegel letzterer, Schnitzlers gleichnamiges Theaterstück assoziativ deutend. Sibelius winkt von der Ferne. Das Stück ist ein grandioser Wurf, dem ich einen Eingang ins Konzertrepertoire wünschen möchte.

Das neue Album endet mit Luciano Berios Bearbeitung der ersten der zwei Klarinettensonaten von Brahms, ein Auftragswerk des Los Angeles Philharmonic Orchestra aus dem Jahr 1986. Kari Kriikku ist der spielfreudige Solist dieses erstaunlich nahe am Original arrangierten Klarinettenkonzerts. Der Solopart ist nahezu identisch mit demjenigen der Sonate, das Orchester füllt gleichsam lediglich den Klavierpart aus. Das Helsinki Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Olari Elts sind beherzte Mitstreiter auf dieser musikalischen Entdeckungsfahrt. Eine clever zusammengestellte CD, die auch das hohe Niveau des finnischen Klangkörpers eindrucksvoll belegt.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Sigmund Romberg: THE STUDENT PRINCE

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Sigmund Romberg: THE STUDENT PRINCE 

cpo 2 CD

Schwungvolle „Broadway-Operette“ im Dreivierteltakt

„I will come back to Heidelberg“ Prinz Karl-Franz von Sachsen-Karlsberg

Spannend, wie die Wiener Musiktradition, notabene die Wiener Operette mit ihrer Walzerseligkeit die Musik am Broadway und wohl auch die Gattung Musical inspiriert und beeinflusst hat. Rombergs Operette „The Student Prince“ aus dem Jahr 1924 lief in den zwanziger und dreißiger Jahren in New York länger als alle Hits, die George und Ira Gershwin geschrieben haben. Der ungarnstämmige Romberg, in der Monarchie geboren und in Wien studiert, hat ein Studenten-Sujet aus dem biedermeierlichen Heidelberg vertont, das so populär war, dass der Stoff von Ernst Lubitsch 1927 als Kostüm-Stummfilm („Alt-Heidelberg“) und 1954 als Tonfilm auf Zelluloid gebannt worden ist. Romberg wurde so Garant dafür, dass die Tradition der Wiener Unterhaltungsmusik ihren Weg nach New York und Hollywood fand. 1932 lief die Operette kurz erfolgreich in Berlin, bevor sie aus rassischen Gründen von der Bühne verschwand. Für die jetzige Edition bildeten konzertante Aufführungen aus dem Jahr 2012 die Basis.

Die Operette fusst auf dem Schauspiel „Alt-Heidelberg“ von Wilhelm Meyer-Förster und spiegelte nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs die Sehnsucht nach Idylle und Einfachheit wider, obwohl die Operette kein Happy End hat. Das recht banale Libretto dreht sich um die Liebe des Studenten Prinzen Karl Franz von Sachsen-Karlsberg (Dominik Wortig, Tenor) zur Wirtstochter Kathie (Anja Petersen, Sopran). Aber wie das halt so ist – die Regierungsgeschäfte gehen vor und die geprobte Mesallisance hat nach vier Monaten wieder ein End –  muss der adelige Spross Prinzessin Margaret (Theresa Nelles, Sopran) nehmen, die wiederum auf ihren Hauptmann Tarnitz (Christian Sturm, Tenor) verzichten muss, um Königin werden zu können. 

Dirigent John Mauceri gelingt es, dem fabelhaften WDR Funkhausorchester Köln so viel Schwung und Walzerglück zu entlocken, so viel an Atmosphäre zu schaffen, dass die sentimentale Operette mit einem Schuss abgeklärter Melancholie und Sehnsuchts-Illusion die Begegnung auch abseits des musikhistorischen Interesses eine Bereicherung darstellt. Die Musik klingt teils revuehaft, das Orchester zeigt in der Ouvertüre und einem Serenaden Intermezzo am Ende des dritten Aktes, ein wie geschickter Arrangeur Romberg war. Aufgrund der vielen Walzer klingt das Stück aber eher nach Wien als nach Broadway. Manchmal fledermauselts, auch ein „Gaudeamus Igitur“ darf nicht fehlen. Ragtime und jazzige Nummern wird man hingegen vergeblich suchen. Neben zahlreicher studentischer Chornummern und Trinkszenen (WDR Rundfunkchor Köln) bereichern in den Ensembles außer den bereits erwähnten Protagonisten noch Hauslehrer Dr. Engel (Franz Blees, Bass-Bariton), Gretchen (Arantza Ezenarro, Sopran), Graf Hugo-Detlev (Vincent Schirrmacher, Tenor), Lucas (Wieland Satter, Bass-Bariton)  und Von Asterberg (Joan Ribalta, Tenor) die Szene. Gesungen wird ansprechend bis anständig, stets stilsicher mit passendem Operettenton.  Hervorzuheben ist noch, dass das Booklet einen hochinteressanten Aufsatz des Dirigenten zu den Umständen der Entstehung enthält. Ist „The Student Prince“ eine veritable Entdeckung? Nicht wirklich, aber auf jeden Fall unterhaltsam zu hören.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Mozart in historischen und neuen Aufnahmen

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Peter Schreier Liederabend im Mozarteum live Salzburg 25.1.1978
belvedere CD

Serenaden KV 361 (Gran Partita) und KV 375
European Union Chamber Orchestra divine art CD –
erste vollständige Einspielung der Serenade KV 375

Mozart in historischen und neuen Aufnahmen 

1) Peter Schreier war ein begnadeter Mozart Interpret, nachzuhören anhand des in technisch herausragender Qualität publizierten Mitschnitts eines Konzerts aus dem Großen Saal der Stiftung Mozarteum vom 25.1.1978. Von den 30 erhaltenen Mozart Liedern singt Schreier immerhin 17 (plus zwei Zugaben) sowie die Kantate mit Klavierbegleitung „Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt“ KV 619. Das Programm bestand aus vier Gruppen von Liedern unterschiedlicher Größe. Peter Schreier bot das Liedschaffen Mozarts über die Stile und Schaffensperioden hinweg ganz und gar mit Saft und Schalk dar, die philantropischen Botschaft etwa im Freimaurerlied KV 468 „Die ihr einem neuen Grade“ in dem Mittelpunkt stellend.

Begleitet wurde er ganz vorzüglich von Erik Werba am Steinway Flügel, beim Lied „Komm, liebe Zither, komm“ KV 351 trug Margarete Gebhardt an der Mandoline den Tenor aus Dresden auf sanften Händen. Die Tempi sind insgesamt getragen, es mischen sich romantische Töne in die Interpretation, bisweilen kann Schreier auch den Opernsänger nicht verleugnen. 

Ein nostalgisches Album für Freunde emotionalen Liedgesangs, die Mozarts Lieder auch historisch vorwärtsgewandt hören wollen, also als Wegbereiter Schuberts, Schumanns oder Brahms begreifen und nicht die barocke Musikwelt in die Wiener Klassik projiziert haben wollen.

2) Die Bläserserenaden Mozarts KV 361, 375 werden auf dieser kurzweiligen und vor jugendlichem Elan strotzenden CD von MusikerInnen vieler Nationen des European Union Chamber Orchestras unter der Leitung des Dirigenten, Komponisten und Konzertpianisten Santiago Mantas gespielt. Unterhaltungsmusik vom Feinsten, soll Mozart die siebensätzige Gran Partita für seine Frau Costanze Weber als „Candlelight-Dinnermusik“ zum Hochzeitstag am 4.8.1782 geschrieben haben. Die fünfsätzige Serenade KV 375 erklingt in der Sextettversion, mit wiedereingefügtem zweitem Trio im vierten Satz. Für die leichteren Stunden des Seins eine vorzügliche gute Laune CD.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Alban Berg: WOZZECK

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Alban Berg: WOZZECK
Houston Symphony, Hans Graf 

NAXOS 2 CDs

Roman Trekel und Anne Schwanewilms in tief berührenden Rollenporträts

„Man muss die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes einzudringen; es darf keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen…“ Georg Büchner

Der Oberösterreicher Hans Graf ist dem Houston Symphony von 2001 bis Mai 2013 vorgestanden, die längste Chefposition in der Geschichte des 1913 gegründeten texanischen Klangkörpers. Als vielleicht persönlichstes Abschiedsgeschenk hat sich der Maestro Bergs Wozzeck gewählt. Die Vorarbeiten begannen 2011, immerhin mussten 500.000 Dollar an Sponsorenmitteln zusätzlich aufgetrieben werden, um die Gagen der Sänger und die Extraproben bezahlen zu können. Graf bezeichnet Wozzeck als das größte musikdramatische Werk des 20. Jahrhunderts, die Musik changiert zwischen tonal, unerhörten Lyrismen und Atonalität, aber es geht zuvörderst um Humanität um Mitleid. In Grafs Ansatz mit dem bestens vorbereiteten Orchester ist genau dieses Sangliche, Fühlbare stets wichtiger als die nackte Struktur, als der demonstrative Verweis auf Modernität. In dieser Hinsicht ist Grafs neue Interpretation Böhm näher als diejenige von Boulez oder Abbado. Das menschlich, allzu menschliche Drama um Eifersucht und Tod an der sozial untersten Skala der Gesellschaft in 15 Szenen wird nun von Naxos auf Basis von zwei konzertanten Aufführungen am 1. und 2. März 2013 in der Jones Hall for the Performing Arts in Houston publiziert.

Das auch technisch vorzüglich aufgenommene Tondokument zeichnet sich neben den unglaublich fein ziselierten, aufwühlenden Orchesterzwischenspielen durch eine höchstlebendige Bühnenatmosphäre und zwei herausragende Interpreten als Wozzeck und Marie aus. Roman Trekel, der die Titelpartie der Oper u.a. schon an der Mailänder Scala und in Berlin verkörpert hat, ist ein eher introvertierter Titelheld, das „Kreatürliche“ weniger ausspielend als das stille Leiden des sich ins Schicksal Ergebenden. Anne Schwanewilms als Marie erstaunt durch ungewohnte Leidenschaftlichkeit, den Gesangslinien mit ihrem edlen Sopran eine schon fast belkanteske Note verleihend. Stupend! Für mich vielleicht ihr bislang eindringlichstes Rollenporträt auf Tonträgern. Als Hauptmann weiß Marc Molomot mit Autorität und Kopfstimme zu überzeugen, an der Aussprache des deutschen Textes könnte er noch arbeiten. Der kanadische Bariton Nathan Berg stattet den Doktor vokal mit der nötigen Härte und Kälte aus. Als Tambourmajor setzt Gordon Gietz die nötigen heldischen bis testosterongeladenen  Akzente. Robert McPherson als Andres, die legendäre Katherine Ciesinsky als Margret sowie Brenton Ryan als Narr tragen zu einer stimmungs- und elementar wirkungsvollen Aufführung bei. Die Chöre werden von Mitgliedern des Houston Grand Opera Children‘s Chorus und den Studenten und Alumni der Sheperd School of Music, Rice University, gesungen. 

Der vorliegende Wozzeck-Mitschnitt ist einer der interessantesten und auch von der Besetzung her musikalisch überzeugendsten auf Tonträgern, jedoch interpretatorische Extreme aussparend.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Dimitri Shostakovich: KLAVIERKONZERTE

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Dimitri Shostakovich: KLAVIERKONZERTE
Boris Giltburg 

NAXOS CD

Genialer Giltburg und Vasily Petrenko samt Royal Liverpool Philharmonic Orchestra

Weltersteinspielung der Bearbeitung des achten Streichquartetts, arr. Giltburg

Erscheinungstermin: 13.1.2017

Jubiläumswürdig ist sie geworden, diese Einspielung nach gemeinsamen Konzerten. 2006 wurde Vasily Petrenko zum ersten Dirigenten des Royal Liverpool Philharmonie Orchestra ernannt, 2009 wurde er Chefdirigent. Der junge aus St. Petersburg stammende Dirigent, Schüler u.a. von Mariss Jansons, hat ein goldenes Händchen für die beiden populären Klavierkonzerte von Shostakovich. Das erste viersätzige Klavierkonzert in C-Moll, Op. 35, mit einer faszinierenden Rolle der Trompete (Rhys Owens), 1933 kurz vor der Oper Lady Macbeth von Mtsensk vollendet, als selbstbewusste vor Erfindungsgabe strotzende Tonschöpfung, enthält Zitate aus Klaviersonaten Beethovens und Haydns. Das zweite dreisätzige Klavierkonzert in A-Dur, Op. 102, 1957 als Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn Maxim geschrieben, ist ein ebenso vor Leben sprühendes, im Grundton lyrischeres Werk, mit einem der schönsten Andante-Sätze ever. Petrenko weiß sowohl die nachdenkliche Seite als auch die rohe Kraft der Partituren mit seinem Orchester brillant in Szene zu setzen, den sarkastischen Humor als auch den eisigen Ernst des Komponisten in abgründiger orchestraler Urtiefe auszuloten.

Dabei hat er in seinem Landsmann Boris Giltburg einen kongenialen Pianisten zur Seite. Giltburg, absoluter Star des Labels Naxos, mit dem ihn weitreichende Aufnahmepläne verbinden, ist nicht nur der Prototyp des sensiblen russischen Pianisten wie aus dem Bilderbuch heraus. Er ist zudem ein Poet auf Tasten, leidenschaftlich und reflektiert zugleich, mit einem ungeheuren Instinkt für musikalische „Sprachen“, ein begabter Strukturalist mit Herz, ein Deuter von Stimmungen und Feinzeichner von Kontexten. Giltburg ist aber auch passionierter Amateurphotograph und Blogger, der verständlich und klug zugleich über klassische Musik schreiben oder erzählen kann.

Für die vorliegende CD hat Giltburg mit Zustimmung der Familie Shostakovich das achte Streichquartett des Komponisten für Klavier arrangiert. Dieses Streichquartett in C-Moll, Op. 110, ist nichts weniger als ein klingender autobiographischer Canossagang nach Shostakovich‘ als katastrophale persönliche und moralische Niederlage empfundenen Beitritt zur Kommunistischen Partei im Jahr 1960, die ja nicht gerade zimperlich mit ihm und seinem Schaffen umgegangen ist. Eine ganz und gar biographische Komposition also, die der Komponist tatsächlich seinem eigenen Angedenken gewidmet hat. Das eröffnende Motiv, das später über 100 Mal wiederholt wird, ist, ist Shostakovich musikalische Signatur (D.S.C.H.: D-Es-C-B). Giltburg gelingt eindrucksvoll, dem dunklen, monochromatischen Gestus des Streichquartetts in den aggressiv perkussiven Stellen, oder dem schweren Pochen im vierten Satz, eine nie gekannte Schärfe und Macht zu verleihen. Auch ein Fugato darf nicht fehlen, das den Pianisten auf der Höhe der technischen Meisterschaft zeigt.

Das neue Album biete beides: Referenzaufnahmen der beiden Klavierkonzerte als auch zwei Weltersteinspielungen: Neben der erwähnten Bearbeitung des achten Streichquartetts hat Giltburg auch den Walzer im Allegro des zweiten Quartetts in A-Dur für Klavier solo transkribiert.

Boris Giltburg spricht über seine Klavierfassung des achten Streichquartetts von Shostakovich

https://www.youtube.com/watch?v=uEU0yDRncJg

Dr. Ingobert Waltenberger 

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Johann Sebastian Bach: DAS WOHLTEMPERIERTE KLAVIER I

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Johann Sebastian Bach: DAS WOHLTEMPERIERTE KLAVIER I,
Annhelena Schlüter –
hänssler Classic 2 CDs

Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre

Die deutsch-schwedische Pianistin Annhelena Schlüter hat einen ganz eigenen Zugang zur Musik Johann Sebastian Bachs gefunden. Im Steinwayhaus Michael Fiech in Leipzig (CD1) und im Steinwayhaus Matthias Kunze in Schwerin (CD 2) aufgenommen, ist das WTK I nach den Goldberg Variationen und der Kunst der Fuge die dritte Bach-Interpretation Schlüters auf Tonträgern. Schlüter bewundert Bachs Leidenschaft, Fleiß, Konsequenz und Hartnäckigkeit; seine außergewöhnliche Gabe und Berufung, die Fuge und die Chromatik, bis zum letzten Atemzug seines Lebens ins Vollkommene zu heben und diese Kraft Gott zurückzugeben und seine Gaben ihm zu widmen, nicht sich selbst zu ehren.

Schlüters Ansatz überzeugt: Bei aller Klarheit und Brillanz des Spiels ist gerade der poetische spirituelle Ansatz in jedem Ton zu spüren. Zupackend ist ihr Spiel, mit Lust an der „improvisatorischen“ Seite, konkret die Fugen artikulierend und hingebungsvoll die Stimmungen auskostend. Diese Annäherung kennt kein Entweder-Oder, kein Folgen einer bestimmten Schule oder einem einzigen Vorbild. Schlüter macht Bachs wunderbare Sammlung von jeweils zwei mal 12 Präludien und Fugen im ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers als universelle Erfahrung erlebbar. Das Tänzerische, perlende Schwingen, das virtuos Fröhliche, das Würdige, das Königliche, das Hineinhorchende, Pochende, bukolische-Leuchtende, das Resignierende und die Trauer, Licht und Schatten, das Beschauliche, freudig-Tastende, flächig-Fließende, das Orchestrale, die Seufzer, das Pastorale – es ist alles gleichzeitig da, auch wenn es gerade nicht im artikulatorischen Mittelpunkt steht. Jeder Moment im Vorwärtsschreiten darf auch ein Erinnern sein, ein Rückbesinnen in die Zukunft gleichsam.

Lassen wir noch einmal die ebenso hochbegabte Lyrikerin Schlüter zu Wort kommen, die die Musik Bach selbst so unvergleichlich beschreibt, wie sie sie spielt: „Wie schlicht und majestätisch leuchtet dieser Zyklus, nirgends aufgebläht – eine zärtliche, federnde Einladung, zu entspannen und zu verstehen. Bachs Musik ist wie ein Kompass, ein Knotenpunkt des Lebens, von wo aus wir immer wieder neue Richtungen einschlagen können mit der Gewissheit, wo wir herkommen, wer wir sind und wohin wir einmal gehen werden.“

Schlüter justiert diesen Kompass stets neu und unerwartet. Der Hörer folgt ihr gerne und lässt sich einfach forttragen, unternimmt diese Zeitreise abseits des Alltags und ist schon dadurch reich belohnt, diese herrliche Musik wieder neu entdeckt zu haben.

Dr. Ingobert Waltenberger

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